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Universalgenie, Krebsforscher und Autodidakt

NEU-ISENBURG (fhv). Er galt als eines der letzten Universalgenies, hat mehr als 600 Patente angemeldet und mit seiner "Krebs-Mehrschritt-Therapie" einen viel diskutierten Ansatz bei der Behandlung von Krebspatienten aufgezeigt: Vor 100 Jahren kam in Hamburg Manfred Baron von Ardenne zur Welt.

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Ardenne wurde am 20. Januar 1907 als Spross einer der einflussreichsten Familien des Deutschen Reichs in Hamburg geboren. Sein erstes Patent meldete er als 16jähriger an, scheiterte aber wegen zu schlechter Leistungen am Gymnasium. An der Berliner Universität studierte er Physik, Chemie und Mathematik. Doch auch hier gab er nach zwei Jahren auf. Und so blieb er zeit seines lebens ein hochgebildeter Autodidakt.

Schon früh begann er sich für physikalische Phänomene zu interessieren und machte einige wichtige Entdeckungen, die schließlich zur Entwicklung der ersten Schallplatte, der Hi-Fi-Technik, des Fernsehens und der Radartechnik entscheidend beitrugen. Einen ersten Höhepunkt stellte die von ihm 1933 realisierte weltweit erste Fernsehübertragung dar.

Mit dem ererbten Familienvermögen gründet er 1928 in Berlin-Lichterfelde das "Laboratorium für Elektronenphysik". Dort befasst er sich mit der Entwicklung des Elektronen- und des Rasterelektronenmikroskops sowie mit der elektromagnetischen Trennung von Uran und Lithium. Auf diese Weise leistet er entscheidende Beiträge zur dann doch nicht realisierten Entwicklung von Hitlers Atombombe.

Nach dem Krieg wird Ardenne im Dienst der Russen tätig - in Suchumi an der georgischen Schwarzmeerküste, wo es in einem "Physikalisch-Mathematischen Institut" auch um die Entwicklung der sowjetischen Atombombe geht. Erst nach neun Jahren darf er wieder nach Deutschland zurückkehren, muss sich aber in der DDR niederlassen, wo man den langjährigen Volkskammerabgeordneten 1956 zum Professor ernennt und mit Preisen überhäuft, ohne dass dieser sich freilich zu offensichtlich mit den Machthabern solidarisiert.

So gründet er in Dresden wieder eine private (!) Firma mit einigen Hundertschaften wissenschaftlicher Mitarbeiter. Hier kümmert er sich um medizinische Grundlagenforschung. Sein Ziel ist es, im Rahmen einer von ihm propagierten "Krebs-Mehrschritt-Therapie" eine sauerstoffbasierte Hyperthermiebehandlung in mehreren Zyklen (auch unter Zuhilfenahme von Chemotherapeutika) zu realisieren.

Wenngleich die Therapie bislang an vielen Patienten vorgenommen worden ist, fehlt auch heute noch der wissenschaftliche Beweis für ihre Effizienz. Die Frage, ob die Überwärmung und die O2-Anreicherung tatsächlich das von Ardenne propagierte Ziel der Krebskontrolle erreichen, ist nach Meinung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg nicht geklärt. Ardenne starb 1997 als 90jähriger.

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