Von der Liegehalle zur Heimbeatmung

Dieses Jahr feiert die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) ihren 100. Geburtstag. In dieser Zeit hat sich in der Lungenheilkunde viel getan - auch im Spektrum der Krankheiten.

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Liegehalle: Bis vor 50 Jahren zählte die Tuberkulose noch zu den Volkskrankheiten.

Liegehalle: Bis vor 50 Jahren zählte die Tuberkulose noch zu den Volkskrankheiten.

© Nikolaus Konietzko / Springer Heidelberg

Von Claus Vogelmeier, Klaus F. Rabe und Robert Loddenkemper

In den zurückliegenden 100 Jahren vollzog sich die Entwicklung der heutigen DGP von der Vereinigung der Lungenheilanstaltsärzte hin zu der wissenschaftlichen Gesellschaft, die die vielfältigen Facetten der modernen Pneumologie repräsentiert.

Standen die ersten 50 Jahre noch ganz im Zeichen der Volkskrankheit Tuberkulose, so vollzog sich in den letzten 50 Jahren ein erheblicher Wandel im Spektrum der Krankheiten: Heute zählen Asthma, die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD), die Pneumonie und inzwischen auch die Schlafapnoe zu den großen Volkskrankheiten. Der Lungenkrebs ist führend unter den tumorbedingten Todesursachen. Zusammen mit der COPD ist er für gut die Hälfte der tabakassoziierten Todesfälle in Deutschland ursächlich.

Mukoviszidose ist häufigste Erbkrankheit

Auch andere Risikofaktoren wie Infektionserreger, Allergene, berufliche Noxen, Luftverschmutzung und Ernährung spielen eine wichtige Rolle in der Entstehung von Atemwegs- und Lungenkrankheiten. Bei Kindern ist Asthma die führende chronische Erkrankung, die Mukoviszidose (Zystische Fibrose) ist in Deutschland die häufigste Erbkrankheit.

Rasante Fortschritte auf dem Gebiet der Lungen- und Atemwegserkrankungen wurden nicht nur in der Diagnostik erzielt, sondern auch auf therapeutischem Gebiet. Die Prognose der chronischen respiratorischen Insuffizienz verschiedenster Ätiologie ist heute nicht nur dank der Sauerstoff-Langzeittherapie, sondern auch durch die Heimbeatmung und durch die Lungentransplantation günstiger geworden.

Eine gemeinsam vom Institut für Krebsepidemiologie an der Universität zu Lübeck und dem Institut für Gesundheits-System-Forschung in Kiel erstellte Studie "Erkrankungszahlen in der Pneumologie - eine Projektion bis 2060", die sich speziell mit fünf pneumologischen Krankheiten (Asthma, COPD, Lungenkrebs, ambulant erworbene Pneumonie und Tuberkulose) befasst, sagt aufgrund der demografischen Veränderungen den stärksten Anstieg um fast das Dreifache in den nächsten Jahren für die ambulant erworbene Pneumonie (CAP) voraus. Aber auch bei der COPD und beim Lungenkrebs sind deutlich steigende Fallzahlen, zumindest bis zum Jahr 2050, zu erwarten. Daher wird die Bedeutung der Pneumologie weiter zunehmen.

Lungenleiden liegen bei den Kosten an zweiter Stelle

Welch große sozioökonomische Bedeutung den Lungenkrankheiten zukommt, wurde schon im "Weißbuch Lunge 2005" für Deutschland herausgestellt: Unter den Arbeitsunfähigkeitsfällen lagen sie mit 25 Prozent ebenso wie bei den Berufskrankheiten mit 59 Prozent an der Spitze, bei der Mortalität haben sie mit 10 Prozent einen wesentlichen Anteil. Im Jahre 2002 verursachten Lungenkrankheiten (ohne Intensivmedizin) Kosten von 24 Milliarden Euro und wurden nur von den Herz-Kreislauf-Krankheiten (38 Milliarden Euro) übertroffen.

Aus diesen Zahlen leitet sich auch die Forderung der Pneumologie nach besserer Repräsentanz an den Universitäten und den grundlagenorientierten Forschungseinrichtungen ab. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern gehört Deutschland bei der Anzahl selbstständiger pneumologischer Universitätsabteilungen zu den Schlusslichtern.

Positiv ist die zunehmende Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das die dringende Notwendigkeit der Forschung in der Pneumologie erkannt hat: Das "Kompetenznetz ambulant erworbene Pneumonie", kurz "CAPNETZ", hat sich inzwischen zum größten Netzwerk weltweit bei ambulant erworbener Lungenentzündung entwickelt, neu gegründet wurde gerade das "Kompetenznetz Asthma und COPD (ASCONET)". Ein Meilenstein, der die klinische Forschung in der Pneumologie befruchten wird, ist die vom BMBF vorgesehene Gründung des "Deutschen Zentrums für Lungenforschung". Bemerkenswert ist auch, dass immer mehr nicht-universitäre Krankenhausträger auf die wachsende Zahl von Patienten mit Lungenkrankheiten durch die Einrichtung von pneumologischen Spezialabteilungen reagiert haben.

Professor Claus Vogelmeier ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) Professor Klaus F. Rabe ist Vizepräsident der European Respiratory Society (ERS) Professor Robert Loddenkemper ist Past-Präsident der DGP und der ERS

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