WHO-Bericht

Vorbehalte gegen ältere Menschen weit verbreitet

Altersdiskriminierung reduziert die Lebensqualität, mahnt die WHO. Laut einem aktuellen Bericht der Organisation ist das Problem nicht zu unterschätzen: Vorbehalte und Stereotype sind weit verbreitet – und zwar weltweit.

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Auch im Alter kann‘s durchaus noch bergauf gehen.

Auch im Alter kann‘s durchaus noch bergauf gehen.

© Uwe Zucchi/dpa

Genf. Jeder zweite Erwachsene weltweit ist nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) voreingenommen gegen ältere Menschen. Das gehe aus einer Analyse mit 83.000 Befragten in 57 Ländern hervor, berichtet die WHO in einem großen Bericht über Altersdiskriminierung, den sie am Donnerstag vorlegte.

Manchmal behinderten sich ältere Menschen auch selbst mit Stereotypen: Sie glaubten nicht, dass sie in fortgeschrittenem Alter noch neue Fähigkeiten lernen oder ein neues Hobby beginnen könnten.

In einer EU-Studie hätten 2012 ein Drittel der über 65-Jährigen angegeben, sie hätten Altersdiskriminierung schon erlebt. Die Folgen können für sie erheblich sein, so die WHO: Ihr Leben könne kürzer, ihre Gesundheit schlechter sein. Auch könnten sie sich langsamer von körperlichen Einschränkungen erholen und geistig schneller abbauen. Die WHO definiert „ältere Menschen“ als solche über 50.

Bei medizinischen Studien nicht berücksichtigt

Menschen würden aufgrund ihres Alters manchmal medizinische Behandlungen vorenthalten oder sie würden gegen ihren Wunsch in Rente geschickt, sagte Alana Officer, bei der WHO für „Gesundes Altern“ zuständig.

Sie würden bei medizinischen Studien nicht berücksichtigt, obwohl sie später oft die Hauptnutzer der Medikamente seien. „Altersdiskriminierung reduziert die Lebensqualität von älteren Menschen, führt zu sozialer Isolation und Einsamkeit“, so der Bericht. Sie könne auch zu Armut und finanzieller Unsicherheit führen.

Altersdiskriminierung gibt es aber auch gegenüber jungen Leuten. Die Definition der WHO lautet: „Altersdiskriminierung liegt vor, wenn das Alter benutzt wird, um Menschen auf eine Art zu kategorisieren und einzuteilen, die zu Schaden, Nachteilen und Ungerechtigkeiten führt und die Solidarität zwischen Generationen untergräbt.“

Verallgemeinerungen über Alte oder Junge seien in der Corona-Pandemie besonders deutlich zu Tage getreten, so die WHO. „Ältere Menschen wurden oft als durchgehend gebrechlich und verletzlich gesehen“, schreibt sie. Jüngere seien dagegen pauschal als leichtsinnig und unverantwortlich dargestellt worden.

COVID-19 hat Vorurteile verstärkt

„Stereotype (wie wir denken), Vorurteile (wie wir fühlen) und Diskriminierung (wie wir handeln) aufgrund des Alters sind nicht neu, aber COVID-19 hat schädlichen Haltungen noch verstärkt“, so die WHO.

Die WHO hatte die Mitgliedstaaten 2016 beauftragt, eine globale Kampagne gegen Altersdiskriminierung zu starten. Im vergangenen Jahr haben die Länder einen WHO-Aktionsplan für das UN-Jahrzehnt für gesundes Altern 2021–2030 abgesegnet. (dpa)

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