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Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren

Cristiano Ronaldo (41 Jahre), Manuel Neuer (40), Luka Modric (40), Lionel Messi (38): Einige Altstars spielen ihre letzte Fußball-Weltmeisterschaft. Wie steht es eigentlich um die Gesundheit von langjährigen Profispielern nach dem Karriere-Ende?

Von Kristina Hütter-Klepp Veröffentlicht:
Cristiano Ronaldo schießt auf das Tor von Manuel Neuer.

Manuel Neuer (l.) und Cristiano Ronaldo präsentieren sich nochmal auf der größten Fußballbühne der Welt – wohl zum letzten Mal.

© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Matthias Hangst

Vor jedem großen Sportereignis mischen sich Euphorie, Nervosität und Hoffnung. Taktische Diskussionen am Küchentisch, impulsive Expertenmeinungen im Freundeskreis und viele WM-Analysen prägen die Gespräche.

Die Anstoßzeiten sorgen nicht nur bei Spielern und Betreuern für Diskussionen über Schlafrhythmus und Regeneration, sondern auch bei Fans für die Frage: Bin ich noch Fußballfan oder schon im Nachtdienst, wenn der Wecker um vier Uhr früh klingelt?

Spieler wie Thomas Müller, Manuel Neuer und Joshua Kimmich haben das Gesicht der deutschen Nationalmannschaft über Jahre hinweg maßgeblich geprägt und Generationen von Fans begeistert. Doch wie sieht es nach dem Ende der Fußballkarriere aus?

Beste Voraussetzungen für ein gesundes Leben

Profisportler haben oft die besten Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Eine US-amerikanische Studie bestätigt dies: Street et al. verglichen Gesundheitsmarker ehemaliger Leistungssportler im Alter von 40 bis 65 Jahren mit gleichaltrigen ehemaligen Freizeitsportlern und inaktiven Kontrollgruppen (BMJ Open SEM, 2023;9:e001605).

Ehemalige Ausdauer- und Leistungssportler haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung durchschnittlich 15–25 % weniger Körperfett, eine höhere aerobe Leistungsfähigkeit und bessere kardiometabolische Parameter. Sie haben ein um 40–60 % reduziertes Risiko für Typ-2-Diabetes, ein um 30–40 % reduziertes Risiko für Bluthochdruck und eine um 25–35 % niedrigere kardiovaskuläre Sterblichkeit.

Diese positiven Effekte bleiben jedoch nur erhalten, wenn Bewegung auch nach der Karriere Teil des Lebens bleibt. Bei kompletter Inaktivität gehen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten bis zu 50 % der zuvor aufgebauten VO₂max-Gewinne (maximale Sauerstoffaufnahme, Anmerkung der Redaktion) verloren.

Zur Person

Dr. Kristina Hütter-Klepp

Kristina Hütter-Klepp

© GEPA pictures/ Christian Ort

Dr. Kristina Hütter-Klepp ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in Graz. Sie war Teamärztin bei Sturm Graz und ist aktuell in gleicher Funktion beim Zweitliga-Aufsteiger ASK Voitsberg tätig.

Die 51-Jährige arbeitet im Leistungs- und Präventionsbereich und widmet sich einem Thema, das weit über den Spitzensport hinaus Karriere gemacht hat: Longevity, die Kunst des gesunden Alterns. Ihr neues Buch „Der Code zum Jungbleiben“ ist 2025 im Springer Verlag erschienen.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 schreibt Dr. Kristina Hütter-Klepp für die Ärzte Woche und die Ärzte Zeitung eine WM-Kolumne.

Der Körper profitiert also nicht allein von einer früheren Sportkarriere, sondern vor allem davon, ob Bewegung langfristig in den Alltag integriert bleibt. Spitzensport schützt, hinterlässt aber auch Spuren.

Erhöhtes Risiko für sekundäre Arthroseentwicklung bei (Ex-)Kickern

Im Fußball zeigen sich die langfristigen Folgen chronischer Hochbelastung des Bewegungsapparats. Besonders betroffen sind Spieler mit hoher Gelenkbelastung über viele Jahre hinweg. Als Teamärztin habe ich viele dieser Verletzungen selbst erlebt.

Eine rasche Diagnostik, individualisierte Therapie, ein gutes interdisziplinäres Netzwerk und konsequente Rehabilitation sind wichtig, damit aus einer akuten Verletzung keine langfristige gesundheitliche Einschränkung entsteht.

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Selbst nach optimaler operativer Versorgung und Rehabilitation bleibt das Risiko für eine sekundäre Arthroseentwicklung deutlich erhöht und steigt innerhalb von zehn Jahren um das Drei- bis Sechsfache an.

Besonders Innenverteidiger und Mittelstürmer sind hohen biomechanischen Belastungen ausgesetzt. Mehrere hundert Richtungswechsel pro Spiel sowie Kräfte von bis zum Fünffachen des Körpergewichts wirken wiederholt auf die Knie- und Sprunggelenke ein und fördern langfristig degenerative Veränderungen.

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Ein weiteres Thema in der Sportmedizin sind die vielen Kopfbälle. Wer selbst einmal Fußball gespielt und einen harten Kopfball angenommen hat (100–120 km/h), weiß, welche enorme Belastung dabei auf Kopf, Gehirn und Halswirbelsäule wirkt. Über Jahre hinweg summieren sich unglaubliche 12.000 bis 22.500 Mikrotraumen.

Diese wiederholten Mikrotraumen führen schließlich zum Verlust von Nervenzellen. Ex-Fußballer haben daher ein um das Fünffache erhöhtes Risiko für eine neurodegenerative Mortalität.

Fußball ist ein Milliardenbusiness

Der Fußball hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Wer an die Ära des deutschen Fußballs in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren denkt, erinnert sich an große Turniere, emotionale Europacupnächte und prägende Titelgewinne. Diese Zeit war aber auch geprägt von Dingen, die im heutigen Profifußball kaum mehr vorstellbar wären. Trainer rauchten noch am Trainingsplatz oder sogar auf der Bank – damals ein vertrautes Bild, heute undenkbar.

Auch Bier und lange Feiern gehörten nach großen Erfolgen oft dazu. Das war jedoch eine völlig andere Fußballgeneration: weniger durchoptimiert, weniger kontrolliert und lockerer im Umgang mit Ernährung, Regeneration und Gesundheit.

Heute ist Fußball ein Milliardenbusiness: In den Nachwuchsleistungszentren wird bereits bei Kindern auf Athletik, Ernährung, Regeneration und Schlaf geachtet. Im modernen Profisport spielt die Präventionsmedizin eine große Rolle: GPS-Tracking, Leistungsdiagnostik (Laktat, VO₂max, HRV), Schlafmonitoring (7–9 Stunden, davon Tiefschlaf ≥ 15 %) und individualisierte Ernährungspläne sind selbstverständlich.

Zugleich sind diese Präventionsprinzipien längst nicht mehr nur im Profifußball etabliert: Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass regelmäßige Bewegung, kraftorientiertes Muskelaufbautraining, eine pflanzlich geprägte Ernährung, ausreichender Schlaf mit signifikantem Tiefschlafanteil sowie gezieltes Stressmanagement nachweislich das Verletzungsrisiko senken, die Leistungsfähigkeit steigern und die langfristige Gesundheit fördern – und damit die evidenzbasierte Präventionsmedizin vom Spitzensport in die breite Bevölkerung tragen.

Buchtipp

Corina Madreiter-Sokolowski; Kristina Hütter-Klepp, Der Code zum Jungbleiben, Springer Verlag 2025, 310 S., Softcover 26,50 Euro, ISBN 978-3-662-71276-4

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