Kandidat für den SpringerMedizin Charity Award 2010

"Wir verbinden Menschen, um Leben zu retten"

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 11000 Menschen neu an Leukämie. Bei der Suche nach einem geeigneten Knochenmarkspender kann immer häufiger die DKMS helfen.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Viele Menschen machen mit: Typisierungsaktion der DKMS in Düsseldorf.

Viele Menschen machen mit: Typisierungsaktion der DKMS in Düsseldorf.

© Felix Jason / imago

Das Schicksal von Patienten, die an Leukämie erkranken, hängt wesentlich davon ab, ob für sie ein geeigneter Knochenmarkspender gefunden wird. Hilfe finden Patienten häufig bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die mit knapp 2,2 Millionen registrierten Spendern größte Stammzellspenderdatei der Welt.

Den Anstoß zur Gründung der DKMS gab 1991 das Schicksal einer leukämiekranken Bundesbürgerin. Mechtild Harf benötigte vor 20 Jahren dringend eine Stammzelltransplantation, aber in Deutschland gab es noch keine Spenderdatei. Da die Suche über ausländische Anbieter zu zeitintensiv und zudem wenig Erfolg versprechend erschien, startete eine Initiativgruppe um Mechtild Harfs Familie bald darauf bundesweite Aktionen, um einen geeigneten Spender für sie zu finden.

Die DKMS wird im Mai 1991 gegründet

Am 28. Mai 1991 gründeten Dr. Peter Harf und Mechtild Harfs behandelnder Arzt Professor Gerhard Ehninger in Tübingen die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, um die Perspektive für Leukämiepatienten in Deutschland langfristig und dauerhaft zu verbessern. Schon im Gründungsjahr ließen sich bundesweit 68 000 potenzielle Spender registrieren. 1992 konnten über die Vermittlung der DKMS die ersten sieben Stammzellspenden realisiert werden. In den kommenden 18 Jahren kamen mehr als 21 000 Stammzelltransplantationen hinzu.

Heute beschäftigt die DKMS in Tübingen, ihrem Stammsitz, sowie in Köln und Hövelhof etwa 180 Mitarbeiter und findet bundesweit Unterstützung durch 15 000 ehrenamtliche Helfer. Mit Hilfe privater Initiativen und von Unternehmen organisiert die Deutsche Knochenmarkspenderdatei bundesweit Typisierungsaktionen. Auf diese Weise werden jedes Jahr etwa 120 000 neue potenzielle Stammzellspender gewonnen. Inzwischen ist man international so weit vernetzt, dass die Hälfte aller Stammzellspenden Patienten im Ausland empfangen.

Ihre dringendste Aufgabe sieht die DKMS im kontinuierlichen Ausbau ihrer Datei. Daneben gibt es weitere Ziele, denen sich die Organisation verpflichtet sieht, beispielsweise die Typisierungskosten weiter zu senken. Kostete eine Registrierung 1991 noch etwa 600 DM, berechnet die DKMS dafür heute pauschal 50 Euro. Die meisten potenziellen Knochenmarkspender zahlen die 50 Euro selbst - für jene, die sich das nicht leisten können oder wollen, übernehmen Paten die Kosten. Inzwischen kann für rund 80 Prozent jener, die fremde Stammzellen benötigen, ein passender Spender gefunden werden. Dass trotzdem noch immer jeder fünfte Patient vergeblich auf eine Spende wartet, ist den Initiatoren der DKMS Ansporn genug, immer neue Aktionen zu starten. Beispielsweise ließen sich in Wuppertal vor kurzem 1783 Menschen für den leukämiekranken Nico testen, in Berlin folgten 1362 Bundesbürger einer Typisierungsaktion für den fünfjährigen Julian. Symbol solcher Initiativen ist seit Jahren das fehlende Puzzleteil, das die letzte Lücke schließt.

Unterstützung auch von Lukas Podolski

Die aktuelle Kampagne der Deutschen Knochenmarkspenderdatei ist mit Bedacht kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft gestartet worden. Denn neben der Werbe-Ikone Verona Pooth ruft auch Nationalspieler Lukas Podolski seine Mitbürger zur Registrierung als Stammzellspender bei der DKMS auf. "Die Diagnose Leukämie kann jeden treffen", so Podolski, "deshalb unterstütze ich die Arbeit der DKMS. Gerade als Mannschaftssportler finde ich das Motto ‚Jeder Einzelne zählt‘ absolut wichtig - in diesem Fall sogar lebenswichtig."

Weltweit haben sich bis heute knapp 14 Millionen Menschen als potenzielle Knochenmark- oder Stammzellspender registrieren lassen, allein in Deutschland 3,7 Millionen, davon fast 2,2 Millionen bei der DKMS. "Unser Ziel ist es, künftig für jeden suchenden Patienten den passenden Spender zu finden", gibt Stephan Schumacher, Direktor Marketing & Spenderneugewinnung der DKMS, die Richtung vor. Das Motto früher wie heute: "Wir verbinden Menschen, um Leben zu retten."

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Die 1991 ins Leben gerufene Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist mit knapp 2,2 Millionen registrierten potenziellen Spendern die größte Stammzellspenderdatei der Welt.

In den vergangenen 19 Jahren konnte man mehr als 21 000 Transplantationen von Stammzellen vermitteln. Die DKMS beschäftigt an ihrem Stammsitz in Tübingen und ihren Nebensitzen in Köln und Hövelhof 180 Mitarbeiter und kann bundesweit auf die Hilfe von 15 000 ehrenamtlichen Helfern bauen. Bei den von ihr organisierten Typisierungsaktionen werden jedes Jahr etwa 120 000 neue potenzielle Stammzellspender gewonnen.

www.dkms.de

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