Berufspolitik

25 Euro? Hansen relativiert Idee zur Praxisgebühr

KÖLN (akr). Der Vorsitzende der KV Nordrhein (KVNo) Dr. Leonhard Hansen hat klargestellt, dass er nicht für eine zusätzliche finanzielle Belastung von chronisch Kranken und Bedürftigen bei Arztbesuchen ist.

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Hansen ist unter Beschuss geraten, weil er in der "Rheinische Post" eine Reform der Praxisgebühr gefordert hat. In dem Interview kritisiert Hansen, dass es bislang nicht gelungen sei, den Hausarzt zum Lotsen im Gesundheitswesen zu machen und dass Versicherte nach Belieben Fachärzte aufsuchten. Sein Vorschlag: Patienten, die ohne Überweisung zum Facharzt gehen, sollen 20 bis 25 Euro Praxisgebühr zahlen, für eine Überweisung zum Facharzt fünf bis zehn Euro.

Kassen- und Ärztevertreter reagierten empört. Der Vorstandschef der AOK-Rheinland/Hamburg Wilfried Jacobs bezeichnete es im "Kölner Stadtanzeiger" als "Armutszeugnis, wenn sich die Kreativität von Ärztevertretern darin erschöpft, die ohnehin durch Zuzahlungen und Beiträge starkt belasteten Patienten noch weiter abkassieren zu wollen". Die KV zeige sich unfähig, taugliche Vorschläge zu machen, um ineffektive Strukturen im Gesundheitswesen abzuschaffen. Der Präsident der Freien Ärzteschaft Martin Grauduszus kritisierte, es sei völlig unverständlich, warum Hansen den Arztbesuch zum Luxusgut machen wolle.

Hansen fühlt sich missverstanden. "Auch ich möchte nicht, dass Kranke noch weiter belastet werden", stellte er klar. Aber angesichts von im Schnitt 18 Arztbesuchen im Jahr müsse die Frage nach steuernden Eingriffen gestattet sein. "In diesem Sinne habe ich eine Gebühr als eine Möglichkeit ins Gespräch gebracht", erklärte Hansen. "Statt bedürftige Patienten durch Kostenerstattungsverfahren oder Direktabrechnung zu überfordern, bin ich dafür, das System vor Überforderungen zu schützen, damit es auch künftig als solidarisches Sachleistungssystem erhalten bleiben kann."

Lesen Sie dazu auch: Techniker-Krankenkasse gegen höhere Praxisgebühr

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