300 Schweizer setzen auf Sterbehilfe

Immer mehr Schweizer greifen auf Angebote der Suizidbeihilfe zurück - und das, obwohl die Zahl der Selbsttötungen insgesamt seit Jahren konstant ist.

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BERN (fst). 300 Schweizer haben im Jahr 2009 aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen. Im Jahr zuvor waren es noch 250 gewesen. Diese Zahlen hat das Schweizerische Bundesamt für Statistik (BFS) erstmals in der Todesursachenstatistik veröffentlicht.

Suizidbeihilfe ist in der Schweiz erlaubt, sofern sie nicht aus "selbstsüchtigen Motiven" geschieht. Ausländer, die die Schweiz wegen ihrer liberalen Sterbehilfe-Praxis aufsuchen, sind nicht in die Statistik eingegangen. Angaben zu einer mutmaßlichen Dunkelziffer machen die Statistiker nicht.

Seit dem Jahr 2003 ist die Zahl der Suizide in der Schweiz (7,8 Millionen Einwohner) mit rund 1100 pro Jahr konstant geblieben. Dagegen ist die Zahl der Fälle von Sterbehilfe seitdem von 190 auf 300 gestiegen.

90 Prozent der Betroffenen waren nach Angaben des BFS über 55 Jahre alt. Jeder Dritte, der Suizidbeihilfe in Anspruch genommen hat, ist zwischen 75 und 84 Jahre alt gewesen.

Die vor über 130 Jahren in der Schweiz eingeführte Todesursachenstatistik basiert auf der ärztlichen Bescheinigung der Todesursachen. Die in Worten angegebene Ursache wird von den Statistikern dann nach ICD-10 codiert.

Gewerbsmäßige Suizidhilfe soll in Deutschland bestraft werden

In 44 Prozent der Fälle aktiver Sterbehilfe hat der Betroffene an Krebs gelitten, bei 14 Prozent lag eine neurodegenerative Erkrankung, eine Herzerkrankung (neun Prozent) oder eine Erkrankung des Bewegungsapparats (sechs Prozent) vor.

Dokumentiert ist die Sterbehilfe-Praxis außer in der Schweiz vor allem in Belgien und in den Niederlanden. Seit in Belgien die Sterbehilfe im Jahr 2002 gesetzlich geregelt wurde, ist dort die Zahl der Fälle von gemeldetem assistierten Suizid auf etwas über 800 im Jahr 2009 gestiegen.

Bei 7,9 von 1000 Todesfällen lag eine aktive Sterbehilfe vor. In den Niederlanden wurden im Jahr 2010 offiziell 3136 Mal eine aktive Sterbehilfe registriert (2,3 pro 1000 Todesfälle). Die Schweiz nimmt einen Mittelwert ein, dort gehen 4,8 von 1000 Todesfällen auf einen assistierten Suizid zurück.

In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten. Es hat mehrfach Anläufe gegeben, die gewerbsmäßige Sterbehilfe, wie sie in der Schweiz von Organisationen wie Exit oder Dignitas angeboten wird, zu verbieten.

Zuletzt hat der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und FDP Anfang März entschieden, dass das Bundesjustizministerium eine Vorlage erarbeiten soll, nach der die gewerbsmäßige Vermittlung von Gelegenheiten zur Selbsttötung unter Strafe gestellt wird.

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