Offener Brief

350 Ärzte werfen Serbiens Regierung Versagen in Corona-Pandemie vor

Ärzte in Serbien gehen auf die Barrikaden gegen die Corona-Politik der Regierung. Sie werfen Präsident Vučić „Kontrollverlust“ vor und sehen ihr Land vor einer „Gesundheitskatastrophe“.

Veröffentlicht: 21.07.2020, 13:26 Uhr

Belgrad. 350 serbische Ärzte haben der Regierung des Landes „völliges Versagen“ beim Umgang mit der Coronavirus-Pandemie vorgeworfen. „Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, weil wir keinen anderen Ausweg aus der Gesundheitskatastrophe sehen, in der sich unser Land befindet“, schrieben die Mediziner in einem offenen Brief, den serbische Medien am Dienstag veröffentlichten (maschinelle Übersetzung).

In den letzten Wochen war die Zahl der Corona-Neuinfektionen deutlich gestiegen. Allein von Sonntag auf Montag registrierten die Behörden in dem Sieben-Millionen-Einwohner-Land 359 neue Fälle. 190 COVID-19-Patienten werden nach offiziellen Angaben derzeit stationär behandelt und maschinell beatmet.

Seit Beginn der Pandemie wurde bei 21.253 Menschen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Insgesamt 482 Patienten starben mit oder an dem Virus, zehn von ihnen allein in den letzten 24 Stunden.

Gesundheitssystem „in Grundfesten erschüttert“

In ihrem offenen Brief warfen die Ärzte der Regierung von Präsident Aleksandar Vučić vor, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu abrupt und vorschnell gelockert zu haben. Im Ausnahmezustand, den Vucic Mitte März verhängt hatte, hatten strikte Ausgangssperren gegolten.

Mit dessen Aufhebung Anfang Mai war jedoch plötzlich alles wieder erlaubt, bis zu Fußballspielen vor 18.000 Zuschauern und Parties in Nachtclubs. Am 21. Juni fanden außerdem Parlamentswahlen statt, die die SNS-Partei von Vučić haushoch gewann und denen Wahlkampfveranstaltungen vorausgegangen waren.

Dies, schrieben die Ärzte, habe zu einem „Kontrollverlust über die epidemiologische Situation“ geführt, wovor Experten beständig gewarnt hätten. Zudem sollen die Behörden die wahren Daten verschleiert haben. Kritiker aus den Reihen der Ärzteschaft seien eingeschüchtert und bedroht worden. „All dies hat das Gesundheitssystem in seinen Grundfesten erschüttert und das Vertrauen der Bürger in das Gesundheitspersonal untergraben.“ (dpa)

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