Ab sofort mehr Sicherheit für Sparer

Wie sicher ist mein Geld bei meiner Bank? Nach der Pleite von Kaupthing und Lehman treibt viele Sparer die Angst vor einer Bankinsolvenz um. Doch vom 1. Juli an gibt es Entwarnung. Die gesetzliche Einlagensicherung sichert jetzt EU-weit 50 000 Euro pro Anleger ab - statt bislang 20 000 Euro.

Von Jürgen Lutz Veröffentlicht:
Sparer können ruhiger schlafen. Selbst im Falle einer Bankinsolvenz sind 50 000 Euro gesichert.

Sparer können ruhiger schlafen. Selbst im Falle einer Bankinsolvenz sind 50 000 Euro gesichert.

© Foto:Bonnwww.fotolia.de

Anlagebeträge bis zu 50 000 Euro müssen im Fall einer Bankinsolvenz ab sofort innerhalb von 30 Tagen ausgezahlt werden. Die bisherige Eigenbeteiligung der Sparer in Höhe von zehn Prozent entfällt. Außerdem wird die im Schadensfall gedeckte Summe bis zum 31. Dezember 2010 sogar auf 100 000 Euro erhöht.

Diese Bestimmungen sind Teil des so genannten Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes, mit dem Deutschland eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2008 umsetzt. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission erfasst die gesetzliche Sicherung bei einer Deckungssumme von 50 000 Euro 80 Prozent aller Einlagen und bei einer Sicherung von 100 000 Euro sogar 90 Prozent.

Geschützt sind Sicht-, Termin- und Spareinlagen

Garantiert werden sämtliche Sicht-, Termin- und Spareinlagen von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen. Darunter fällt Geld, das auf Giro-, Tages- und Festgeldkonten sowie Sparbüchern liegt oder in Sparbriefen gebunden ist.

Keinen Bestand mehr hat die Auszahlungsfrist von drei Monaten, die sogar auf neun Monate erweitert werden konnte. Damit könne das Vertrauen der Anleger in das Bankensystem "auf keinen Fall" erhalten werden, heißt es in der Richtlinie. Das Europäische Parlament setzte die Auszahlungsfrist daher auf 20 Bankarbeitstage herab, was etwa einem Monat entspricht.

Finanzexperten sehen die höhere und vereinheitlichte Einlagensicherung positiv. Denn Sparer können ab dem 30. Juni davon ausgehen, dass alle Banken innerhalb der Europäischen Union Einlagen in Höhe von mindestens 50 000 Euro absichern.

Wer eine Bank im Ausland wählt, muss jedoch gewappnet sein, dass er im Fall einer Insolvenz seine Rechtsansprüche im Ausland durchsetzen muss. Wer das nicht will, ist besser beraten, eine Bank mit Hauptsitz in Deutschland zu wählen.

Neben der für alle Banken verpflichtenden gesetzlichen Sicherung greifen je nach Bankengruppe weitere Mechanismen, die bei einer Insolvenz dafür sorgen sollen, dass Kunden ihre Einlagen zurückerhalten. Die privaten Banken haben den Einlagensicherungsfonds geschaffen. Dieser sichert das Guthaben jedes Kunden bis zu einer Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank ab. Faktisch bedeutet das eine Absicherung in Millionenhöhe pro Anleger.

Sparkassen haben ein mehrstufiges System zur Absicherung geschaffen.

Die Sparkassen haben ein mehrstufiges System geschaffen, mit dem sie die Einlagen ihrer Kunden zu 100 Prozent absichern. Die Genossenschaftsbanken bieten über den Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) ebenfalls eine 100-prozentige Garantie für ihre Kunden.

Wenig bekannt ist der Fonds der öffentlichen Banken, zu denen etwa die Deutsche Kreditbank gehört. Der 1994 gegründete Sicherungsfonds schützt Einlagen oberhalb der gesetzlichen Sicherung in unbegrenzter Höhe. Die genossenschaftlichen und öffentlichen Bausparkassen wie Schwäbisch Hall und die Landesbausparkassen sind entweder über den BVR oder den Sparkassen- und Giroverband abgesichert. Die privaten Bausparkassen gehören dem Bausparkassen-Einlagensicherungsfonds an. Dieser Fonds kommt zum Zug, wenn der gesetzliche Schutz nicht ausreicht, und sichert Bauspareinlagen inklusive Zinsen in unbegrenzter Höhe ab. Weitere Einlagen privater Kunden, etwa Festgelder, werden bis zu einer Höhe von 250 000 Euro garantiert.

Trotz allem gibt es noch eine Schwachstelle

Bei diesen Schutzmechanismen kann nicht viel passieren, könnte man meinen. Eine Schwachstelle haben die Systeme jedoch. Damit sie funktionieren, darf es nicht zur finanziellen Kernschmelze kommen, in der viele Banken auf einmal ein Fall für die Einlagensicherung werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Herzchirurg mit Installateurfirma

Das Doppelleben des Dr. Jean-Philippe Grimaud: Arzt und Klempner

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Lesetipps
Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen