Kassen

Ade, goldenes Zeitalter der Überschüsse!

Zwar steigt das Kassen-Polster auf über 20 Milliarden Euro - doch die Ausgaben ziehen an.

Veröffentlicht: 22.08.2018, 16:27 Uhr

BERLIN. Die Krankenkassen verbuchen im ersten Halbjahr weiter Überschüsse, doch die fallen weniger üppig aus als noch vor Jahresfrist.

GKV-weit addiert sich das Surplus auf rund 700 Millionen Euro – vor Jahresfrist waren es noch 1,41 Milliarden Euro. Die Finanzpolster aller 110 Kassen liegen erstmals über 20 Milliarden Euro, Ende März waren es noch 19,9 Milliarden Euro.

Das AOK-System schließt das erste Halbjahr mit einem Plus von 371 Millionen Euro ab, rund die Hälfte des Halbjahresergebnisses 2017 (650 Millionen Euro).

Offensichtlich gehen die Ortskassen bei den Versichertenzahlen als Sieger vom Feld: Um 2,5 Prozent sei ihre Zahl zur Jahresmitte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, teilt Jens Martin Hoyer, Vizevorstand im AOK-Bundesverband, mit.

Ende 2017 betrug der Marktanteil der AOKen 36,2 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als 2016. Beim Kostenanstieg je Versichertem weist das AOK-System wie in den vergangenen Quartalen mit 1,3 Prozent Steigerung unterdurchschnittliche Werte auf.

Ersatzkassen mit 151 Millionen Euro Überschuss

Die Ersatzkassen verzeichnen zur Jahresmitte einen Überschuss von 151 Millionen Euro in der Bilanz – nur ein Drittel des Polsters gemessen am gleichen Vorjahreszeitraum (456 Millionen Euro).

Das zweite Quartal hat – isoliert betrachtet – nur rund 30 Millionen Euro zu diesem Ergebnis beigetragen. Dagegen war in den ersten drei Monaten des Jahres bei den vdek-Kassen noch ein Surplus von rund 120 Millionen Euro aufgelaufen.

Ein Grund ist, dass die Leistungsausgaben nach einem verhaltenen Jahresstart mit 3,6 Prozent deutlich angezogen haben. Dem stehen Einnahmen gegenüber, die nur um 3,1 Prozent zulegten. "Trotz des noch positiven Finanzergebnisses gibt es weiterhin Fehlsteuerungen im Morbi-RSA, die aktuell zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Krankenkassen führen", sagte vdek-Verbandschef Ulrike Elsner.

Auch bei den Innungskrankenkassen (Marktanteil: 7,3 Prozent) bricht der Überschuss ein. Unterm Strich steht nach einem Halbjahr ein Plus von 39,6 Millionen Euro, 93 Millionen Euro waren es im vergangenen Halbjahr.

Das Ergebnis spiegele wider, dass sich die noch unter Minister Hermann Gröhe (CDU) beschlossenen Leistungsgesetze auszuwirken beginnen, kommentierte der IKK e.V..

Betriebskrankenkassen bauen Plus aus

Bei den Betriebskrankenkassen (Marktanteil: 14,9 Prozent) steht nach sechs Monaten ein Plus von 76,6 Millionen Euro in der Bilanz. Damit kommen die BKKen ihrem Vorjahresergebnis noch vergleichsweise nahe (111 Millionen Euro).

Denn das BKK-System hat gegen den Trend den Überschuss des ersten Quartals (plus 29 Millionen Euro) deutlich ausbauen können. Diese Überschüsse seien aber "teuer erkauft", twitterte der BKK-Dachverband. Gemeint sind teils hohe Zusatzbeiträge, die einzelne Mitgliedskassen erheben müssen.

Anne-Kathrin Klemm vom Dachverband beklagt die weiter "auseinanderklaffende Schere der Deckungsbeiträge bei den Kassenarten". Sie sieht anhaltende Verwerfungen im Finanzausgleich, die dazu geführt hätten, "dass einzelne Kassen bei niedrigen Zusatzbeiträgen sehr hohe Rücklagen aufbauen konnten". (fst)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Thomas Fuchs

So ist Deutschland:

Ein Grund zum Jammern findet sich immer:

Es sind weniger Überschüsse gemacht worden.
Verstehe ich das falsch, oder ist da immer noch ein Plus für Rücklagen trotz gestiegener Ausgaben? Und das bei Rekordfinanzpolster?

Uns geht es nicht nur nicht schlecht, es geht uns scheinbar zu gut.
Die Diskussion ist eröffnet um Bedrohungsszenarien zu zeichnen, weswegen genug immer noch nicht genug ist. Bitte schön.


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