Kuba

Ärzte erhalten bald satte 45 Euro monatlich

Weniger Bürokratie, schlankere Versorgungsstrukturen: Kuba hebt die Gehälter der mehr als 440.000 Bediensteten des staatlichen Gesundheitswesens an - und Ärzte profitieren massiv. Sie sollen künftig satte 45 Euro monatlich erhalten.

Veröffentlicht: 27.03.2014, 06:06 Uhr
Ärzte erhalten bald satte 45 Euro monatlich

Schöne Städte: Auf Kuba lässt es sich gut leben, vor allem wenn die Gehälter erhöht werden.

© mborchert / fotolia.com

BERLIN. Es gibt nur wenige Länder, in denen Taxifahrer und Servicekräfte in der Hotellerie mehr verdienen können als Chirurgen und Allgemeinärzte. Kuba gehört dazu. Jetzt hat der Ministerrat in Havanna beschlossen, die Gehälter der mehr als 440.000 Bediensteten des staatlichen Gesundheitswesens anzuheben.

Der Aufschlag fällt saftig aus. Statt bislang umgerechnet höchstens rund 15 Euro im Monat sollen Ärzte, Zahnärzte, Angehörige der Heilberufe sowie Krankenschwestern und -pfleger ab Juni Grundgehälter von bis zu umgerechnet 45 Euro im Monat beziehen können.

Aber selbst damit zählen sie nicht zu den Spitzenverdienern im Tropensozialismus. Unterhalb der Funktionärsebene sind das vor allem diejenigen, die in den Hotelburgen Varaderos und im Transportgewerbe Trinkgelder in Dollars und Euro erhalten können, und Kubaner mit Verwandten im Ausland.

110.000 Stellen wurden abgebaut

Die Gehaltserhöhung für das medizinische Personal gilt offiziell als Teil einer vorsichtigen Verschlankung und Entbürokratisierung des Gesundheitssektors. Mit ihr soll das ins Kraut geschossene System an Bonifikationen und Vergünstigungen entrümpelt werden.

Zuschläge solle es künftig nur noch für Lehraufträge, Nachtarbeit und die Anzahl der Berufsjahre geben, schreibt die Parteizeitung "Granma".

Die Mittel für die neue Großzügigkeit sind frei geworden, weil der Staat seit 2010 rund 110.000 Stellen im Gesundheitssystem abgebaut hat. Der Entwicklungsbeauftragte Marino Murillo Jorge wird gleichwohl nicht müde zu betonen, dass die ärztliche und pflegerische Versorgung der elf Millionen Kubaner darunter keinesfalls leide.

Geld ins System fließt aber auch durch die Einsätze zahlreicher kubanischer Ärzte im Ausland, zum Beispiel in Venezuela oder auch im WM-Land Brasilien.

Mehr als 50.000 Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und Angehörige der Pflegeberufe hat der kubanische Staat ins Ausland entsandt. Sie sollen in zwischen in 65 bis 80 Staaten aktiv sein. Genaue Angaben dazu liegen nicht vor.

Auslandsärzte leisten Entwicklungshilfe

Sicher ist, dass sich der kubanische Staat die medizinische Entwicklungshilfe in harten Devisen bezahlen lässt. Der Entwicklungsbeauftragte beziffert die jährlichen Einnahmen aus der Ärzteentsendung auf rund acht Milliarden US-Dollar.

Im laufenden Jahr solle der Beitrag der kubanischen Auslandsärzte etwa zwei Drittel der kubanischen Dienstleistungsindustrie erreichen, zu der auch der Tourismus zählt.

Die nun avisierte Gehaltserhöhung für die Medizinberufe gilt auch für die kubanischen Ärzte im Ausland. Die werden zwar in aller Regel vom kubanischen Geheimdienst überwacht, dennoch setzen sich immer wieder Ärzte und Schwestern ab. US-Dienste sollen gezielt bei der Flucht helfen.

Weltärztebund übt Kritik

Der Weltärztebund hat das kubanische Auslandsengagement aus ganz anderen Gründen kritisiert. Die Entsendung von mindestens 6000 Ärzten in unterversorgte Regionen Brasiliens sei keine humanitäre Hilfe. Vielmehr ersetzten die billigeren Kubaner, die nicht portugiesisch sprächen, einheimische Ärzte. Insgesamt verschlechtere sich so die medizinische Versorgung in manchen Regionen des Landes.

Die allmähliche Öffnung Kubas Richtung Marktwirtschaft gilt als weiterer Grund dafür, die Ärzte besser zu bezahlen. 450.000 Menschen arbeiten bereits im Privatsektor.

Auslandskubaner dürfen ihre auf der Insel gebliebenen Verwandten mit Geld versorgen. Das fördert das Interesse an einer, wenn auch noch unter der Hand ausgeübten Privatmedizin. (af)

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