Geplantes Gesetz

Ärzte loben Spahns Initiative zur Organspende

Die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Gewinnung von Spenderorganen neu zu organisieren und sicher zu finanzieren, stoßen auf Akzeptanz.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

BERLIN. Angesichts von 10.000 Patienten, die auf ein Spenderorgan warten (siehe nachfolgende Grafik), bewertet das Bundesgesundheitsministerium die Situation in der Transplantationsmedizin als "dramatisch" und versucht das Ruder herumzureißen.

Erster Schritt ist ein Gesetz, mit dem die Gewinnung von Organen organisatorisch auf neue Füße gestellt und das hochkomplexe Prozedere kostendeckend vergütet wird.

Mit diesem parteienübergreifend befürworteten Gesetz soll eine politische und gesellschaftliche Debatte über die Abkehr von der Zustimmungs- hin zur Widerspruchslösung verbunden werden, so Sabine Weiß, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, bei einer Diskussionsveranstaltung des Marburger Bundes und des "Tagesspiegel" am Dienstagabend in Berlin.

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Professor Frank Ulrich Montgomery, persönlich Befürworter der Widerspruchslösung, wies ebenso wie der Berliner Internist Dr. Michael de Ridder darauf hin, dass es keine Evidenz dafür gebe, dass mit einem Wechsel zur Widerspruchslösung automatisch mehr Spenderorgane zur Verfügung stehen.

Es müsse aber zu denken geben, so Montgomery, dass in Spanien auf eine Million Einwohner 40 Spender kommen, in Deutschland nur 10.

Grenzwertige Organe verwendet

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Professor Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité, macht dafür auch den eigenen Berufsstand verantwortlich: "Die Verpflichtung, nach Organspendern zu suchen, ist in den letzten 15 Jahren verkümmert."

Dies gelte sogar für Universitätskliniken mit Transplantationszentren. Die Zahl der dort gewonnenen Organe schwanke pro Jahr – je nach Klinikum – zwischen Null und 20. "Die eigene medizinische Community ist nicht mehr in Ordnung", beklagte Frei.

Die Folge sei, so Professor Volkmar Falk, Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin, dass inzwischen grenzwertige Organe verwendet würden.

In den vergangen zehn Jahren sei das Durchschnittsalter der Spender um zehn Jahre gestiegen.

Selbst Kinder, die immer auf die Liste mit hoher Dringlichkeit kommen, müssten inzwischen ein Jahr auf eine Transplantation warten – vor mehr als zehn Jahren seien es nur wenige Tage gewesen.

Unter erwachsenen Transplantationspatienten – auch hier beträgt die Wartezeit mehr als ein Jahr – werden inzwischen 80 Prozent nach dem Kriterium der Dringlichkeit ausgewählt.

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