Berufspolitik

Allgemeinmedizin-Pflicht im PJ ist vom Tisch

Erst Proteste, jetzt Freude: Mit seiner Entscheidung hat sich der Bundesrat auf die Seite vieler Medizinstudenten gestellt. Am 11. Mai lehnte er die Pflichtzeit in der Allgemeinmedizin ab.

Von Rebecca Beerheide Veröffentlicht:
Etwa 300 Studenten haben am Mittwoch vor dem Göttinger Universitätsklinikum gegen ein Pflichttertial Allgemeinmedizin protestiert.

Etwa 300 Studenten haben am Mittwoch vor dem Göttinger Universitätsklinikum gegen ein Pflichttertial Allgemeinmedizin protestiert.

© pid

BERLIN. Am Ende einer emotionalen und hitzigen Debatte im Vorfeld ging es ganz leidenschaftslos, fast technokratisch zu.

Die Ländervertreter gaben ihre Reden zu Protokoll, sie stimmten unter unverständlichen Abkürzungen wie "12ABBAAA" über die "Erste Verordnung der Approbationsordnung für Ärzte" ab und setzten damit der Diskussion um ein allgemeinmedizinisches PJ-Pflichtquartal ein Ende.

Damit machen sie auch die Hoffnungen des Hausärzteverbandes, der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) und anderer Verbände zu nichte, die sich für eine Stärkung der Allgemeinmedizin durch eine Pflichtzeit im PJ eingesetzt haben.

Die Universitäten werden aber durch die nun vorliegende Approbationsordnung verpflichtet, ab 2019 für bis zu 20 Prozent der Studenten einen PJ-Platz in der Allgemeinmedizin bereit zu stellen.

Außerdem wird mit der Approbationsordnung die Mobilität im PJ erhöht: Während es bisher einfacher ist ein Tertial in Kenia zu absolvieren, als zwischen Münster und Köln zu wechseln, können Studenten künftig - "sofern genügend Plätze vorhanden sind" -, die Uniklinik während des PJ wechseln.

Gegner der Pflichtzeit Allgemeinmedizin in Feierlaune

Die Sektkorken knallen bei den Gegnern der Pflichtzeit Allgemeinmedizin im PJ: Studentenvertreter, Entscheidungsträgern an Medizinfakultäten und viele Fachgesellschaften und Berufsverbände hatten sich in den vergangenen Tagen gegen ein Pflichttertial oder -quartal ausgesprochen.

In mehr als 13 Städten hatten Studenten gegen die geplante Pflichtzeit protestiert. "Der Einsatz hat sich gelohnt" heißt es von den Fakultäten. "Heute ist ein großer Tag für alle Studierenden", erklärte Kristian Otte, Vorsitzender der Medizinstudenten im Hartmannbund, der "Ärzte Zeitung".

Im Sozialen Netzwerk Facebook, wo sich rund 2000 Medizinstudenten gegen das Pflichtquartal organisiert hatten, wurde die Entscheidung gefeiert.

Auch die erhöhte Mobilität im Studium wurde mit Freude aufgenommen - war dies doch eine langjährige Forderung der Medizinstudenten. Auch wird das momentane "Hammerexamen" deutlich entschärft, indem Prüfungszeiten vor das PJ gelegt werden.

BMG begrüßt Entscheidung des Bundesrates; DEGAM enttäuscht

Auch das Bundesgesundheitsministerium begrüßte die Entscheidung des Bundesrates. Ein Sprecher verwies darauf, dass gemeinsam mit dem Versorgungsstrukturgesetz und der Approbationsordnung nun eine Verbesserung der Versorgungssituation in der Allgemeinmedizin erreicht werden soll.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM), deren Vorschlag das Pflichtquartal war, zeigte sich über die Entscheidung enttäuscht. Es wäre "ein Sieg der Vernunft" gewesen, wäre das Pflichtquartal Realität geworden.

Eine Stärkung der Allgemeinmedizin im Medizinstudium wollen die Länder aber weiter forcieren. Der Bundesrat hat in einer Schlussbemerkung festgestellt, dass noch nicht genügend für die Allgemeinmedizin getan wird.

"Im Interesse einer möglichst frühzeitigen Bindung der Studierenden an das Gebiet ‚Allgemeinmedizin‘ hält der Bundesrat verpflichtende Ausbildungsbestandteile in der hausärztlichen Praxis für unerlässlich."

Und weiter heißt es am Ende der Beschlussempfehlung: "Der Bundesrat fordert das BMG daher auf, die praktische Umsetzung der Quoteneinführung aufmerksam zu beobachten."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Allgemeinmedizin an die Unis!

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