Kommentar

Allzu forsche Forderungen

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:

Der Mann ist für eine forsche Sprache bekannt: Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, geht einmal mehr in die Offensive und fordert grünes Licht für anonyme Meldungen über Missstände im Krankenhausalltag. Er hat dabei den Fall des Ex-Krankenpflegers Niels H. im Blick, der sich wegen Mordes an 97 Patienten erneut vor Gericht verantworten muss. Wie konnte das passieren? – das ist die Frage aller Fragen, in Kliniken besteht Handlungsbedarf.

Aber sind anonyme Verdachtsmeldungen tatsächlich der richtige Lösungsweg? Die Klinik als Dorado für Whistleblower? Denunziation, Anschwärzen von Kollegen, eine Kultur des permanenten Misstrauens wären die Folge, das Klima würde vergiftet. Als ob es auf den langen Krankenhausgängen nicht schon Verwerfungen genug geben würde.

In den Kliniken selbst muss nach Problemlösungen gesucht werden: Klare Melderegeln: Ja! Aber Verantwortung kann nur in einer Atmosphäre des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts wachsen.

Empathiefreie – in Deutschland im Überfluss vorhandene – Führungskräfte mögen diese Einschätzung als naiv bezeichnen. Doch haargenau dieses emotionale Fundament muss die Grundlage für Kontrollmechanismen sein, die im Klinikalltag auch funktionieren.

Lesen Sie dazu auch: Patientenschutz: Plädoyer für anonyme Meldungen

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