Berufspolitik

Altenbericht: Schlechte Noten für Ärzte

BERLIN (sun). Der aktuelle Altenbericht der Bundesregierung listet eine ganze Reihe von Fehlentwicklungen in der medizinischen Versorgung älterer Menschen auf. Besonders in der Arzneimittel-Therapie werden erhebliche Wissensdefizite bei Ärzten festgestellt.

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Senior beim Arzt: zu viele Arzneien, zu wenig Behandlung?

Senior beim Arzt: zu viele Arzneien, zu wenig Behandlung?

© Emil Umdorf / imago

Dem Bericht zufolge ist eine "unzureichende Abstimmung und Koordination in der Versorgung" zu beobachten. Dies deute darauf hin, dass die Kenntnisse über Wechselwirkungen und unerwünschte Wirkungen "häufig mangelhaft" seien.

Zudem kritisiert der Bericht, dass Medikamente nicht genügend für Ältere getestet seien. "Die ältere Population stand bislang nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit der pharmazeutischen Industrie", heißt es. Politische Regelungen seien "überfällig".

In Vergleichsstudien zwischen jüngeren und älteren Patienten mit Todesursachen wie zum Beispiel Krebserkrankungen und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems will der Bericht "altersdiskriminierende Muster" nachweisen können. Im Vergleich zu unter 65-Jährigen erhielten mindestens 65-Jährige mit Herzinfarkt "eine weniger kostenintensive Behandlung".

Die Grünen-Pflegeexpertin Elisabeth Scharfenberg kritisierte die "heimliche Rationierung" in der medizinischen Versorgung Älterer als "erschreckend".

Alle Gesundheitsberufe müssten sich besser "rüsten": "Wer nicht weiß, dass es für Ältere potenziell ungeeignete Medikamente gibt, der hat den Zug der Zeit verschlafen."

BÄK-Vorstandmitglied Dr. Theodor Windhorst wies die Kritik zurück: Ärzte seien sehr gut ausgebildet. Das Problem liege woanders: Die Versorgungsstrukturen müssten grundsätzlich reformiert werden - und zwar hin zu einer kleinräumigen und sektorenübergreifenden Versorgung.

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, kritisierte hingegen, dass geriatrische Weiterbildungen bei niedergelassenen Ärzten – insbesondere bei Hausärzten – noch nicht weit verbreitet seien. "Es wäre wünschenswert, dass hier ähnlich wie bei der Palliativmedizin ein Umdenken einsetzt", so Mascher.

Generell sei die "sprechende Medizin" für ältere Patienten wichtig. Die aktuellen Abrechnungsbestimmungen der Ärzte ließen dafür aber "viel zu wenig Zeit". Die Honorarbestimmungen müssten entsprechend verändert werden, forderte die Verbands-Chefin.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Das Alter - dem Zufall überlassen

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