Organspende

Anonyme Vorwürfe: Stiftung Organtransplantation unter Druck

Vetternwirtschaft und Verschwendung? Ein anonymer Brief sorgt bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) für Unruhe. Jetzt schaltet sich Gesundheitsminister Daniel Bahr ein. Er will die Wahrheit wissen und lässt die DSO unter die Lupe nehmen.

Veröffentlicht:
Der DSO wird Verschwendung von Kassengeldern vorgeworfen. Die Vorwürfe soll jetzt das Gesundheitsministerium unter die Lupe nehmen.

Der DSO wird Verschwendung von Kassengeldern vorgeworfen. Die Vorwürfe soll jetzt das Gesundheitsministerium unter die Lupe nehmen.

© laurent hamels / fotolia.com

Von Anno Fricke

BERLIN. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) muss sich in die Karten schauen lassen. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat die Aufsichtsgremien aufgefordert, die gegen die Stiftung erhobenen Vorwürfe von "Vetternwirtschaft und Selbstbedienungsmentalität" zu klären.

Am Donnerstag tagte der Stiftungsrat, dem auch die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen angehören.

Bereits am Montag hatten die Vorstände von DSO und Stiftungsrat die Anschuldigungen zurückgewiesen. Sie entbehrten jeder sachlichen Grundlage, hieß es in einer kurzen Mitteilung.

Verfasser werden DSO-Vorstand "Führungsstil nach Gutsherrenart" vor

Am Freitag vergangener Woche erreichte ein anonymes Schreiben den Gesundheitsminister, zahlreiche Vertreter von Krankenkassen sowie Ärzte in den Transplantationszentren.

Der oder die Verfasser des dreiseitigen Papiers, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt, werfen dem DSO-Vorstand "Führungsstil nach Gutsherrenart" und Verschwendung von Kassengeldern vor.

DSO erfüllt gesetztlichen Auftrag

Die DSO ist die bundesweite Koordinierungsstelle für Organspenden. Als solche erfüllt sie einen gesetzlichen Auftrag. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes erhält die DSO im laufenden Jahr dafür eine Organisationspauschale von 33,2 Millionen Euro.

8,2 Millionen davon sind für die Hauptverwaltung in Frankfurt bestimmt, 1,1 Millionen für die Kommunikationsabteilungen. In den kommenden Wochen stehen die Budgetverhandlungen für das kommende Jahr an, sagte die stellvertretende Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes, Ann Marini, am Donnerstag.

Gesundheitsminister lässt Vorwürfe klären

Auch wenn sich der oder die Verfasser des Schreibens nicht aus der Deckung wagen, sind sie doch gehört worden.

Das Gesundheitsministerium habe den Präsidenten des Regierungsbezirkes Darmstadt - die in Frankfurt ansässige Stiftung unterliegt der Stiftungsaufsicht des Landes Hessen - und den Vorsitzenden des Stiftungsrates, Professor Wolf Bechstein aufgefordert, die Vorwürfe zu klären, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Sondersitzung des Stiftungsrat

Dabei solle die sensible Wahrnehmung des Themas Organspende in der Öffentlichkeit berücksichtigt werden. "Wir brauchen Informationen", sagte eine Ministeriumssprecherin der "Ärzte Zeitung".

Die sollen auch dazu dienen, die Öffentlichkeit aufzuklären. Am Donnerstag trat der Stiftungsrat zu einer kurzfristig einberufenen "Sondersitzung" zusammen. Die Ergebnisse der Sitzung lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Oranspendezahlen sind zurückgegangen

Die anonymen Schreiber stellen einen Zusammenhang zwischen den von ihnen behaupteten internen Organisationsproblemen der Stiftung und den aktuellen Organspendezahlen her. Die sind im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent gesunken.

Bis Ende Juni wurden 1861 Organe gespendet. Das waren 231 weniger als im ersten Halbjahr 2010. Die Stiftung bedauert den Rückgang der Spendezahlen, hält ihn aber für ursächlich noch nicht geklärt.

Lesen Sie dazu auch: DSO-Stiftungsrat schaltet Wirtschaftsprüfer ein

Mehr zum Thema

Reformpläne geraten ins Stocken

Organspende: Großer Bedarf an Aufklärung, aber kaum Geld

Nieren, Lebern, Herzen

So viele Organe werden gespendet – und benötigt

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Entstehung einer Thrombose: Bei COVID-19-Patienten mit einem Postmortem-Nachweis von Herzmuskelzellnekrosen ließen sich meist kardiale Thromben detektieren.

Postmortem-Analyse

Was hinter Herzschäden bei COVID-19 steckt

Leeres Wartezimmer.

Kritik am Kreis Nordfriesland

Corona-Ausbruch an der Klinik sorgt auch für leere Arztpraxis

Suizidgefahr: Insgesamt ist die Suizidrate in den vergangenen 20 Jahren zwar gestiegen, unter den Krebspatienten ist sie jedoch gesunken, hat eine US-Studie ergeben. Liegt es an der besseren psychoonkolgischen Versorgung? (Symbolbild mit Fotomodell)

Gegen den Trend

Die Suizidrate von Krebskranken ist gesunken