Resistenzen

Antibiotikaforschung erhält nun weltweit Finanzmittel

Der auf den G7- und G20-Gipfeln beschlossene Kampf gegen Antibiotikaresistenzen wird konkret: Deutschland und andere internationale Partner fördern mit 56 Millionen Euro die Entwicklung neuer Antibiotika.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Rückenwind für Antibiotika-Forschung: Dr. Peter Beyer von der WHO, Christina Schraner Burgener, Botschafterin der Schweiz in Berlin, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, Forschungs-Staatssekretär Dr Georg Schütte und GARDP- Direktor Dr.Manica Balasegaram (von links) bei der Bekanntgabe der Finanzierungszusage für GARDP.

Rückenwind für Antibiotika-Forschung: Dr. Peter Beyer von der WHO, Christina Schraner Burgener, Botschafterin der Schweiz in Berlin, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, Forschungs-Staatssekretär Dr Georg Schütte und GARDP- Direktor Dr.Manica Balasegaram (von links) bei der Bekanntgabe der Finanzierungszusage für GARDP.

© Laschet

BERLIN. Die 2016 von der Weltgesundheitsorganisation und der Initiative "Arzneimittel für vernachlässigte Krankheiten" ins Lebens gerufene Global Antibiotic Research & Development Partnerschaft (GARDP) erhält von Deutschland und anderen internationalen Geldgebern 56,5 Millionen Euro.

Das Bundesgesundheitsministerium hat seine Mittel dafür von 1,35 auf 2,6 Millionen Euro für 2016 und 2017 angehoben. Das Bundesforschungsministerium schießt über fünf Jahre jährlich zehn Millionen Euro zu.

Das wurde gestern von den beiden Ministerien in Anwesenheit zahlreicher internationaler Repräsentanten bekannt gegeben.

Verschiedene Forschungsstrategien

GARDP hat vier Forschungsstrategien entwickelt:

  • Neugeborenen-Sepsis: Weltweit sterben daran 214.000 Babies. Bis 2023 soll eine Therapie für Bereiche entwickelt werden, in denen gram-negative Pathogene vermutet werden, ferner soll eine Behandlung für bestätigte multiresistente oder extrem resistente gram-negative Pathogene in der klinischen Entwicklung sein. Die Kosten des Programms werden auf 68,9 Millionen Euro für sieben Jahre geschätzt.
  • Sexuell übertragbare Krankheiten: Bei Gonorrhö mit 78 Millionen Fällen jährlich zeigt sich wachsende Resistenz, auch in Europa. Bis 2023 sollen ein bis zwei neue Behandlungen entwickelt werden, die sich für das Management sexuell übertragbarer Infektionen und gegen behandlungsresistente Formen der Gonorrhö eignen. Von vornherein sollen Behandlungsrichtlinien mitentwickelt werden, um Missbrauch dieser Innovationen zu verhindern. Die Entwicklungskosten werden auf 62,8 Millionen Euro für sieben Jahre geschätzt.
  • Programm zur Wiederherstellung des Antibiotika-Gedächtnisses: Heute forschen nur noch weltweit 500 Wissenschaftler an neuen Antibiotika, seit 30 Jahren gibt es keine prinzipiellen Neuentwicklungen mehr. "Die Situation ist beängstigend", so der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Georg Schütte. Ziel des Programmteils ist die Gründung eines international führenden Expertengremiums, die Entwicklung ein- bis zwei neuer chemischer Substanzen und der Aufbau einer neuen Generation von Antibiotika-Forschern. Die Sieben-Jahres-Kosten werden mit 96,1 Millionen Euro angegeben.
  • Die Pädiatrische Antibiotika-Plattform zielt auf die Verbesserung bestehender und die beschleunigte Entwicklung neuer Antibiotika speziell für Kinder. Dazu kann auch ein Netzwerk aus klinischen Studien gehören.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe wertet die Finanzierungszusage für GARDP als "weiteren wichtigen Schritt im Kampf gegen die globale Gesundheitsgefahr von Antibiotika-Resistenzen". Ein wichtiger Aspekt bei GARDP sei, Fehlgebrauch von Innovationen von vornherein zu verhindern, sagte Dr. Peter Beyer von der WHO.

Wichtig sei auch die Einbindung von Schwellenländern mit hoher Krankheitslast wie etwa Südafrika.

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