BKK Gesundheitsatlas

Arbeiten in der Pflege macht krank

Das Erkrankungsgeschehen in der Pflege ist besorgniserregend: Die dort Beschäftigten sind länger krank und haben mehr psychische Leiden. Das geht aus dem BKK Gesundheitsatlas 2017 hervor.

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Pflegerische Berufe gehen auf die Knochen – so ein Ergebniss der BKK Gesundheitsatlas 2017.

Pflegerische Berufe gehen auf die Knochen – so ein Ergebniss der BKK Gesundheitsatlas 2017.

© Gina Sanders / Fotolia

BERLIN. Mehr als jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland hat einen Gesundheitsberuf. Von diesen 3,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitet nach Angaben der BKK nahezu die Hälfte in pflegerischen Berufen. Und die gehen offenbar "auf die Knochen".

Die Datenanalysen des aktuellen BKK Gesundheitsatlas belegen, dass "besorgniserregend viele Pflegekräfte aufgrund der Arbeitsbedingungen einen kritischen Gesundheitszustand" haben. Dazu komme, dass jeder Dritte in der Altenpflege (32,9 Prozent) lediglich ein befristetes Arbeitsverhältnis hätten, heißt es einer BKK-Pressemitteilung. Die Daten basieren auf einer Umfrage im März 2017 unter 2000 Beschäftigten verschiedener Branchen und Berufe zum Thema "Gesundheit und Arbeit".

Vor allem die Gesundheit der weiblichen Beschäftigten, die ohnehin die Mehrheit in den Pflegeberufen stellen, scheint danach gefährdet. Im Vergleich zu allen anderen Beschäftigten, die im Schnitt 16 Tage krank waren, wurden hier deutlich längere Ausfallzeiten festgestellt: Rund 24 Tage sind es z.B. bei denjenigen, die in Pflege- oder Altenheimen arbeiten, im Krankenhaus waren es rund 18 Arbeitsunfähigkeitstage.

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Krankendauer von weiblichen Beschäftigten in Arzt- und Zahnarztpraxen liegt nach BKK-Angabe bei 2 AU-Tagen.

Spitzenreiter hinsichtlich Erkranken aufgrund psychischer Störungen sind ebenfalls weibliche Beschäftigte in Pflegeheimen: Sie sind doppelt so lange erkrankt wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer (4,6 Krankentage versus 2,3). Allerdings führen bei der stationären Behandlung aufgrund psychischer Diagnosen Männer in Pflegeberufen die Statistik an (15 Prozent mehr als weibliche Beschäftigte). Dabei lägen alle Menschen, die in der Pflege arbeiten, ohnehin schon jeweils mehr als 55 Prozent über dem Schnitt der Krankenhaustage aller Berufstätigen, die aufgrund psychischer Diagnosen im Krankenhaus waren, so die BKK.

Und auch körperliche Beschwerden sind bei Beschäftigen in Pflegeberufen auffällig häufig. So fallen aufgrund von Muskel- und Skelettkrankheiten z. B. Altenpflegerinnen doppelt so lange aus wie die weiblichen Beschäftigten insgesamt (7,0 versus 3,7 Krankentage), wie die BKK berichtet. (run)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Barbara Schlomann-Schmitter

wen wundert es...

Wie wahr... Pflege - insbesondere Altenpflege - macht krank. Wenn ich sehe, dass eine Pflegekraft bis zu zwanzig zum großen Teil schwer pflegebedürftige Patienten versorgen muss, weil es einfach kein Personal gibt, wenn ich sehe, dass diese Pflegekräfte ständig aus ihrem Frei geholt werden um einzuspringen, wenn ich sehe, dass viele der Pflegekräfte wegen schlechter Bezahlung nicht mal bis Monatsende ihren Tisch mit Lebensmitteln bestücken können, wenn ich sehe, wie diese Pflegekräfte ausgelutscht werden, dann wundert es mich keinesfalls, dass sie krank und schnell verbraucht sind. Kaum eine Pflegekraft ist älter als 55 Jahre. Die meisten sind jenseits dieser Altersgrenze in Rente, dauerhaft krank oder tot. Hauptsache die Investoren haben genug im Säckel, es kommen doch neue Pflegekräfte nach, die ihr Verantwortungsbewußtsein zur Verfügung stellen und für kleines Geld pflegen, bis sie umfallen....


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