Kommunikation in Kliniken

Arzt und Pflegekraft – die neue Art, miteinander zu reden

Die Kommunikationsstrukturen in Kliniken ändern sich. Ob beim Gespräch mit Patienten oder mit deren Angehörigen setzen Ärzte immer häufiger auf die Unterstützung aus der Pflege. Das sorgt für Klarheit.

Von Sven Eichstädt Veröffentlicht: 07.04.2019, 07:56 Uhr
Arzt und Pflegekraft – die neue Art, miteinander zu reden

Sachsens Ärztekammerpräsident Erik Bodendieck spricht sich für eine respektvolle Zusammenarbeit von Arzt und Pflegekraft aus (großes Foto). Die Gewinner des Innovationspreises der Uniklinik Dresden: Moderator Falk H. Miekley, PD Dr. Jörg Reichert, Marion Sommerfeld, Professor Mario Rüdiger, Staatsministerin Barbara Klepsch (v.l.n.r.)

© Springer / Juergen Loesel

DRESDEN. Wenn Pfleger und Krankenschwester in die Visiten in Kliniken und bei Gesprächen von Ärzten und Angehörigen stärker einbezogen werden, entlastet das die Arbeit der Mediziner deutlich. Davon berichteten mehrere Referenten beim Interprofessionellen Gesundheitskongress von Springer Medizin und Springer Pflege in Dresden am vergangenen Wochenende.

Burkhard Dierkes, Pflegerischer Stationsleiter auf der Interdisziplinären Intensivstation des Universitätsklinikums Münsters, erläuterte, wie er eine völlig neue Form der täglichen Visiten für die Station entwickelte und etablierte. „Ich hatte vorher das Gefühl, dass die Visite nicht das leistet, was sie eigentlich leisten kann oder soll“, sagte Dierkes. „Wichtig ist, dass das Team bei der Visite als Einheit auftritt und vom Informationsaustausch nichts verlorengeht.“

Die Gewinner des Innovationspreises der Uniklinik Dresden: Moderator Falk H. Miekley, PD Dr. Jörg Reichert, Marion Sommerfeld, Professor Mario Rüdiger, Staatsministerin Barbara Klepsch (v.l.n.r.)

Das Konzept von Dierkes sieht vor, dass täglich in der Zeit von 7.10 bis 7.45 Uhr für die Station mit 20 Betten die Visite mit mindestens dem Oberarzt und der Pflegedienstleitung abgehalten und der Mediziner draußen vor dem Zimmer über alles Wichtige des jeweiligen Patienten aus den vergangenen 24 Stunden informiert wird.

Das Gespräch mit dem Patienten führt dann der Arzt. Draußen vor dem Zimmer werden danach die Ergebnisse der Visite des jeweiligen Patienten zusammengefasst und dokumentiert. „Es gibt keine Grabenkämpfe mehr, seitdem klare Entscheidungsstrukturen existieren“, so Dierkes. „Weisungen können jetzt nur noch innerhalb einer Berufsgruppe gegeben werden.“

Damit meint Dierkes, dass Ärzte sich direkt an die Pflegedienstleitung wenden, wenn sie den Eindruck haben, dass ein Pfleger oder eine Schwester etwas falsch gemacht hat.

Hilfsmittel: Tafel

Neu ist außerdem, dass auf einer Tafel alle wichtigen Informationen zu allen Patienten der Station mit Symbolen und Abkürzungen jeden Tag neu zusammengestellt werden. „Inzwischen schaut jeder nur noch kurz auf die Tafel und weiß Bescheid, egal ob Arzt, Pfleger oder Physiotherapeut“, ergänzte Dierkes.

Und weiter: „Spätestens um 9 Uhr ist die Tagesplanung für die ganze Station abgeschlossen, es gibt deutlich weniger Nachfragen und Ärzte müssen nicht mehr im Operationssaal angerufen werden, weil alles geklärt ist.“

Corinna Jung und Katja Krug vom Universitätsklinikum Heidelberg stellten ihr Projekt vor, mit dem an der Thoraxklinik Heidelberg die Gespräche mit Lungenkrebspatienten und ihren Angehörigen völlig neu gestaltet wurden. Im Unterschied zu vorher nahm nun auch immer ein Pfleger oder eine Schwester zusätzlich zum Arzt an den Gesprächen teil.

Außerdem wurden für die Gespräche regelmäßige Termine eingeplant, für die je nach Fortschreiten der Krebserkrankung jeweils unterschiedliche Inhalte vorgesehen sind. „Ärzte und Pfleger wurden in gemeinsamen Trainings auf die Gespräche vorbereitet“, erläuterte Jung.

Erwartungen getäuscht

Ein Jahr nach dem Start des Vorhabens berichteten Ärzte davon, dass sie nun weniger Arbeitsaufwand hätten, obwohl sie vorher dachten, dass ihnen mehr Arbeit entstehen wird, wenn immer ein Pfleger dabei ist. „Die Rolle der Pflegekraft wird eindeutig gestärkt“, sagte Krug, „sie hat vor allem emotionale Aufgaben, wenn der Arzt zum Beispiel die schlimme Diagnose mitteilt.“

Patienten und Angehörige hätten das neue Konzept sehr positiv aufgenommen: Sie freuten sich zum Beispiel, dass „sich jetzt zwei um mich kümmern“ und dass sie mit der Pflegekraft auch jemanden hätten, bei der sie bei Fragen immer anrufen können. Jung fügte an, dass geplant sei, das Projekt auch in der Regelversorgung zu übernehmen. Dazu würden Gespräche mit der AOK BaWü geführt.

Während des Kongresses wurde außerdem zum ersten Mal der Innovationspreis für interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen verliehen. Den ersten Preis übergab Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) an das Projekt „Familiennetz“ der Uniklinik Dresden, den zweiten Preis an das „Regensburger Modell“ der Uniklinik Regensburg und der dritte Preis ging an das erwähnte Projekt aus Heidelberg.

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