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Pro Jahr

Arztpraxen buttern vier Milliarden Euro in Bürokratie

In Arzt- und Zahnarztpraxen werden im Jahr vier Milliarden Euro für Bürokratie ausgegeben. Zu diesem Ergebnis kommt der Nationale Normenkontrollrat in einer Untersuchung gemeinsam mit den Spitzenverbänden der Selbstverwaltung.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Bürokratie frisst in Arztpraxen viel Zeit.

Bürokratie frisst in Arztpraxen viel Zeit.

© Gina Sanders / fotolia.com

BERLIN. In Arzt-, Psychotherapeuten- und Zahnarztpraxen werden im Jahr mehr als vier Milliarden Euro für Bürokratie ausgegeben. Die Formularwut bindet pro Praxis eine Arbeitskraft für rund 100 Tage im Jahr.

Zu diesem Ergebnis kommt der Nationale Normenkontrollrat (NKR) in einer Untersuchung, an der auch die Spitzenverbände der Selbstverwaltung, das Gesundheitsministerium und das Statistische Bundesamt teilgenommen haben.

Ärzte und Psychotherapeuten herausgerechnet kommt der Bericht auf Bürokratiekosten von knapp 2,2 Milliarden Euro. Die größten Brocken darin sind das Ausstellen von Überweisungen (295 Millionen Euro), Auskünfte an Krankenkassen auf Vordrucken (292), das Bescheinigen von Arbeitsunfähigkeit (164), die Befundübermittlungen (131) und formfreie Auskünfte an Kassen und Medizinische Dienste (130). Allein diese fünf Informationspflichten machen knapp die Hälfte des Gesamtaufwands aus.

20 Handlungsempfehlungen

Der Rat hat auf Grundlage der Rechercheergebnisse in 277 Praxen in den zurückliegenden Monaten 20 Handlungsempfehlungen erarbeitet, zwölf davon betreffen Ärzte und Psychotherapeuten. Dabei geht es um die Abschaffung von Genehmigungsvorbehalten der Kassen und die Vereinfachung der Formularwelt.

Auch Normerprobungsverfahren für den Bereich des Bundesmantelvertrags stehen auf der Liste. Der in Aussicht gestellte Zeitgewinn, sollten die Empfehlungen umgesetzt werden, sollten Ärzte in die Behandlung ihrer Patienten investieren können, vorzugsweise in die sprechende Medizin, hieß es am Freitag bei der Vorstellung des Berichts im Berliner Bundeskanzleramt. Vorschläge des Normenkontrollrates haben keine bindende Wirkung.

Die Ärzteseite wertet die Ergebnisse dennoch als positiv. Erstmals hätten Ärzte und Psychotherapeuten Argumente in der Hand, dass es sich bei der Bürokratie nicht nur um eine "gefühlte Belastung" handele, sagte KBV-Vize Regina Feldmann bei der Vorstellung des Berichts am Freitag in Berlin.

Selbstkritik von Kassenseite

Selbstkritik kam von der Kassenseite. "Man muss deutlich sagen, die meisten unnötigen Vorgaben haben wir gemeinsam beschlossen", wandte sich GKV-Spitzenverbandschefin Dr. Doris Pfeiffer an ihre Kollegen aus der Selbstverwaltung.

Pfeiffer betonte, dass sich die Gesamtsumme der ermittelten Bürokratiekosten nicht einsparen lasse. Das bestätigte auch der stellvertretende Vorsitzende des NKR, Wolf-Michael Catenhusen.

Rund eine Milliarde Bürokratiekosten bürden allein die Informationspflichten der Bundesgesetzgebung den Praxen auf. Die bestehen fast vollständig in der Verschreibungspflicht für Arzneimittel, die 500 Millionen Fälle im Jahr auslöst, und den Einheitlichen Bewertungsmaßstäben, die für 600 Millionen Fälle stehen.

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Kommentare
Dr. Christoph Luyken 31.08.201521:36 Uhr

Verschiedene Vorstellungen von Bürokratie

Ich bin sehr verwundert, welche Beispiele hier in diesem Artikel für Bürokratie angeführt werden. Das Ausstellen von Überweisungen, das Bescheinigen von Arbeitsunfähigkeit (164) und die Befundübermittlungen sind normale und sinnvolle Vorgänge, keine "Bürokratie".

Das größte Bürokratieärgernis in meinen Augen (neben den meistens überflüssigen Kassenanfragen) ist das sogenannte "QM", und ebenso die Verpflichtung, so etwas wie Sterilisiervorgänge zu dokumentieren, zumindest, so weit es von Kleinpraxen und Psychotherapeuten verlangt wird. Hier sollte man ansetzen!

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