Prävention im Heim

Auch Pflegekräfte müssen sporteln

In der Diskussion über bessere Pflege bleibt die Gesundheit der Pflegekräfte bisher oft ein Randaspekt. Ein Programm der AOK Rheinland-Hamburg will das ändern. Minister Laumann kam zum Ortsbesuch.

Von Anne-Christin GrögerAnne-Christin Gröger Veröffentlicht:
Da muss auch der Minister ran: Karl-Josef Laumann bei der Gymnastikgruppe im Pflegeheim.

Da muss auch der Minister ran: Karl-Josef Laumann bei der Gymnastikgruppe im Pflegeheim.

© Anne-Christin Gröger

ESSEN. Bei manchen Terminen müssen auch Minister sportlich aktiv werden. So NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bei seinem Besuch des Pflegeheimes St. Josefshaus in Essen-Kettwig. Gemeinsam mit den Teilnehmern der Senioren-Gymnastik-Gruppe griff er zu den Hanteln und folgte den Anweisungen der Therapeutin: "Arme hoch, zur Seite, wieder runter!" Minister und Senioren machte der Körpereinsatz Freude.

Der Gymnastik-Kurs in dem Essener Pflegeheim ist Teil des Präventionsprogramms "Gesunde Pflegeeinrichtung" der AOK Rheinland/Hamburg, das im St. Josefshaus seit Herbst 2017 läuft. Mit dem Programm soll zum einen die Lebensqualität der Bewohner verbessert, gleichzeitig aber auch die Gesundheit der Beschäftigten gestärkt werden.

"Der Krankenstand bei Pflegekräften ist aufgrund der hohen körperlichen und psychischen Belastungen überdurchschnittlich hoch", sagte Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. "Unser Präventionsprogramm unterstützt Pflegeeinrichtungen dabei, sich für die Gesundheit der Mitarbeiter und gleichermaßen das Wohlbefinden der Bewohner einzusetzen."

Rückenschonend arbeiten

Konkret sieht das Programm Angebote in den Bereichen Ernährung, körperliche Aktivität, Stärkung kognitiver Ressourcen, psychosoziale Gesundheit und Gewaltprävention vor. Beispielsweise finden regelmäßig Kurse zum Mobilitätstraining und zur Sturzprophylaxe statt.

Die Mitarbeiter besuchen gerontopsychiatrische Weiterbildungen, um Gewalt und aggressives Verhalten auf beiden Seiten zu vermeiden. Sie üben, sich im Alltag rückenschonend zu bewegen, und bekommen einen Raum zur Verfügung gestellt, in den sie sich für kurze Pausen ungestört zurückziehen können. "Unser Ziel ist es seit vielen Jahren, auf die Würde der Bewohner und ein gutes Miteinander zwischen Senioren und Mitarbeitern zu achten", sagte Geschäftsführer Andreas Beck. So werden im St. Josefshaus die Bewohner nicht fixiert oder mit Medikamenten ruhig gestellt. Stattdessen kommen Niederflurbetten und mit Sensoren ausgestattete Matratzen zum Einsatz, um Stürze zu vermeiden und frühzeitig zu bemerken, wenn ein Bewohner nachts aufsteht.

Familie und Job in Einklang bringen

"Mit dem vorgestellten Präventionsprogramm der AOK Rheinland/Hamburg wird ein innovativer Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege geleistet", sagte er. "Die Anerkennung im Beruf drückt sich nicht nur in Einkommensverbesserungen aus. Genauso wichtig sind die Voraussetzungen für ein angenehmes Arbeitsklima und eine gesundheitsfördernde Umgebung."

Gleichzeitig betonte er, wie wichtig es sei, neben der professionellen auch die häusliche Pflege zu unterstützen. "Wir können das Pflegeproblem nicht lösen, wenn wir die pflegenden Angehörigen bei den Maßnahmen außen vor lassen", sagte Laumann. Allein in Nordrhein-Westfalen würden in Zukunft jedes Jahr 4000 neue Pflegeplätze benötigt. Um die pflegenden Angehörigen weiter zu unterstützen, will Laumann eine Beratungsstelle beim Müttergenesungswerk ansiedeln, die Betroffene zu Reha-Maßnahmen und anderen Möglichkeiten der Entlastung beraten soll.

Unser Präventionsprogramm unterstützt Pflegeeinrichtungen dabei, sich für die Gesundheit der Mitarbeiter und gleichermaßen das Wohlbefinden der Bewohner einzusetzen.

Günter Wältermann, Vorstandschef der AOK Rheinland-Hamburg

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