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Gesetzliche Krankenversicherung

Auswertung der Betriebskrankenkassen: Lange Ausfälle werden zum größten Kostentreiber

Die schwarz-rote Koalition will Krankschreibungen erschweren. Doch neue Daten des BKK Dachverbandes legen nahe, dass das nicht der eigentliche Kostentreiber ist. Die Debatte um strengere Vorgaben zur Krankschreibung geht derweil weiter.

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Ein Mann fasst sich mit beiden Händen an den schmerzenden Rücken.

„Ich hab Rücken“ als ein Kostentreiber in der gesetzlichen Krankenversicherung.

© anut21ng Stock - stock.adobe.com

Berlin. Nicht kurze Erkältungen, sondern lange und schwere Krankheiten treiben die Kosten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Es sind die langen, oft muskel-skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden“, sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes, am Dienstag.

Klemm verwies auf eine Analyse des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen zu Krankschreibungen. Demnach zählt das Krankengeld – das erst ab dem 43. Krankheitstag gezahlt wird und damit vor allem Menschen mit langwierigen Erkrankungen betrifft – mit 21,6 Milliarden Euro mittlerweile zu den größten Ausgabepositionen der Kassen.

Im vergangenen Jahr entfielen mehr als ein Viertel aller Fehltage auf den Bezug von Krankengeld. Die Krankengeldtage sind in den vergangenen zehn Jahren laut BKK um 24,4 Prozent gestiegen.

„Präventionsstrategie bei psychischen Erkrankungen“

„Wir beobachten den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange und brauchen endlich eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategie bei psychischen Erkrankungen – und das nicht nur in der Arbeitswelt“, sagte Klemm. Ansonsten zahle man die hohe Rechnung „noch viele Jahre weiter“. Überdies stehe hinter jeder Erkrankung „das lange Leiden einer betroffenen Person“.

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Die Auswertung löste auch ein politisches Echo aus. „Erschwerte Krankschreibungen, entgrenzte Arbeitszeiten, höhere Zuzahlungen bei Medikamenten: Das ist ein Rezept für mehr chronische Erkrankungen. Das sind die Kostentreiber“, meldete sich Ines Schwerdtner, Vorsitzende der Linkspartei, zu Wort. Wer die Kosten senken wolle, investiere in Prävention.

Die Koalition hatte vergangene Woche angekündigt, die Pflicht zur Vorlage einer AU-Bescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorziehen zu wollen und die Möglichkeit zur Tele-AU wieder abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründet die Pläne damit, dass der Krankenstand gesenkt werden solle.

Debatte um Tele-AU geht weiter

Ärzteverbände weisen den Vorstoß als untauglich zurück. „Was die Koalition hier als vermeintliches Rezept gegen hohe Krankenstände plant, ist in der ärztlichen Praxis maximal ungeeignet“, sagte etwa der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt. „Wenn die Regierung es mit der dringend notwendigen Entlastung der Wartezimmer und einer besseren Patientensteuerung ernst meint, dann darf sie gar nicht erst diesen Weg einschlagen.“

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Auch aus der Wissenschaft kommt Kritik. „Wer den Krankenstand senken will, muss dessen Ursachen adressieren – nicht die Symptome bürokratisieren“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Netzwerkes für Versorgungsforschung (DNVF), Professor Wolfgang Hoffmann. Für eine Attestpflicht ab dem ersten Tag gebe es keine wissenschaftliche Grundlage. (hom/dpa)

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