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Bei Stress: Manche Pflanzenextrakte haben sich bewährt

Wer immer parat steht und 120 Prozent gibt, läuft Gefahr irgendwann auszubrennen. Gerade Hausärzte erkennen oft die ersten Anzeichen und können gegensteuern. Manches Stress-Symptom lässt sich begleitend auch mit Phytotherapie mildern.

Ruth NeyVon Ruth Ney Veröffentlicht:
Johanniskraut hat sich vor allem bei Niedergeschlagenheit bewährt. Er beruhigt, ohne müde zu machen.

Johanniskraut hat sich vor allem bei Niedergeschlagenheit bewährt. Er beruhigt, ohne müde zu machen.

© fotolia.com

Sommerzeit gleich Urlaubs- und Erholungszeit? Für viele Menschen in unserer modernen Leistungsgesellschaft trifft das nicht mehr zu.

Denn gerade vor dem Urlaub muss intensiv vorgearbeitet werden, der Urlaub selbst möglichst aktiv ausgefüllt und danach schnell der zwischenzeitlich neu angehäufte Arbeitsberg abgearbeitet werden.

Jeder dritte TK-Versicherte hat Dauerstress

Nicht von ungefähr beurteilten denn auch in einer Umfrage der Techniker Krankenkasse vor zwei Jahren bereits acht von zehn Deutschen ihr Leben als stressig. Jeder Dritte gab Dauerstress an: Stressfaktor Nummer eins war dabei die Arbeit. Darunter können Körper und Psyche gleichermaßen leiden.

Erste gesundheitliche Folgen wie Muskelverspannungen, Nervosität, Schlaflosigkeit oder Erschöpfung sind dann oft Anlass für einen Arztbesuch.

Pflanzenextrakte hilfreich bei Nervosität

Gerade Nervosität und Schlafprobleme sind eine Domäne der Phytotherapie. Verordnet auf einem Grünen Rezept, verdeutlicht es vielen Patienten, dass ihr Arzt es für sinnvoll hält, dieses Präparat zu nehmen.

Zu den Pflanzen, deren Extrakte sich in Fertigpräparaten bei nervöser Unruhe und Einschlafstörungen bewährt haben, gehören Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume, die zudem anxiolytisch wirkt. Johanniskrautextrakt, der beruhigt ohne müde zu machen, hat sich vor allem bei Niedergeschlagenheit bewährt.

Die gute Wirksamkeit standardisierter, ausreichend hoch dosierter Präparate (Tagesdosis 0,2 bis 1 mg Gesamthypericin) bei leichten bis mittelstarken Beschwerden wurde in über 20 Studien belegt. Die vollständige Wirkung tritt dabei nach zwei bis drei Wochen ein.

Oft werden die Pflanzenextrakte auch in Kombinationspräparaten angeboten. Hier war etwa die Kombination aus Johanniskraut plus Baldrian und Passionsblume in einer Studie bei Patienten mit leichter Depression Placebo überlegen.

Homöopathika können helfen

Positive Effekte auf stressbedingte Ermüdungserscheinungen wurden in Untersuchungen auch mit einem Extrakt aus der Rhodiola-Pflanze (Rosenwurz) gemacht.

Neben der Phytotherapie gibt es außerdem im Bereich der Homöopathika Präparate, die gezielt für den Bereich stressbedingte Erschöpfung eingesetzt werden können. Dazu gehört etwa die Kombination aus Coffea, Avena sativa (Hafer), Passiflora und Zincum valerianicum sowie die Kombination aus der mittelamerikanischen Pflanze Damiana plus Ginseng, Acidum phosphoricum und Ambra.

Daneben hat sich in einer Anwendungsbeobachtung ein Präparat mit Gold und Bergkristall, das nach der anthroposophischen Medizin hergestellt wurde, als hilfreich bei stressbedingten Symptomen wie Ruhelosigkeit und Reizbarkeit gezeigt.

Stress fördert Anstieg freier Radikale

Eine zusätzliche Option, um stressbedingte Folgen für den Körper abzufangen, sind diätetische Lebensmittel mit einer gezielten Kombination aus Vitaminen und Spurenelementen.

Denn auf der einen Seite ist bei stressbedingten Erkrankungen ein Anstieg freier Radikale nachweisbar. Auf der anderen Seite sei für gestresste Patienten eine ungesunde/einseitige Ernährungsweise mit der Folge einer unzureichenden Mikronährstoffversorgung typisch, so die Frankfurter Allgemein- und Ernährungsmedizinerin Dr. Stephanie Grabhorn.

Auch für Dr. Axel Schüler-Schneider, Internist und Burnout-Experte aus Frankfurt, sind eine gesunde, ausgewogene Ernährung - unter Umständen kurzzeitig ergänzt in Form von Supplementen - und regelmäßige Bewegung wesentliche Faktoren, auf die bei gestressten, erschöpften Patienten geachtet werden muss.

Er verweist zugleich auch auf eine gewisse Gefahr, dass Patienten durch Selbstmedikation über das eigentliche Problem hinwegtäuschen.

"Bei einem echten Burnout hilft zunächst nur eines: raus aus dem Stressumfeld - das ist meist der Job - auch wenn sich Patienten zunächst gegen eine Krankschreibung wehren", so die Erfahrung des Arztes und Psychoanalytikers.

Lesen Sie dazu auch: Stressgeplagten helfen Sport und gesunde Ernährung

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Kommentare
Sabine Siegel 16.06.201120:22 Uhr

Johanniskraut mit erheblichen Nebenwirkungen

Bei Johanniskraut sollte unbedingt auf die ausgeprägte fototoxische Wirkung und die ganz erheblichen Wechselwirkungen als einer der potentesten Cytochrom P450-Inhibitoren hingewiesen werden. Insbesondere Theophyllin, Digitoxin und Phenprocumon werden in ihrer Wirksamkeit erheblich reduziert. Auch bei gleichzeitiger Einnahme mit Antiepileptika und SSRI ist mit ausgeprägten NW zu rechnen.

Dr. Helmut Raabe 10.06.201110:48 Uhr

Ein guter Beitrag der auch meine Erfahung widerspiegelt

Phythotherapie ist eine effiziente Ergänzung in der Therapie der heute so häufig auftretenden Psychovegetativen Erschöpfungszuständen und ähnlich gearteten Erkrankungen. Wissenschaftliche Studien belegen die Wirkung der Phytotherapie da dies noch nicht so individuell auf den Patienten abgestimmt sein muss wie es bei der Homöopathie der Fall ist. Studien nach dem heutigen Wissenschaftsvertändnis sind auf die Homöopahtie nicht anwendbar, diese ist nur individuell einsetzbar. Studien sind Wahrscheinlichkeitsrechnungen der Statistik und begrenzen die Irrtumswahrscheinlichkeit, sind aber keine Beweisführung. Es wird sich zeigen dass die Homöopathie ein großer Segen und kein Irrtum ist, diese hat ihre primäre Indikation bei den funktionellen Störungen.

Dr. Peter M. Schweikert-Wehner 10.06.201109:35 Uhr

Phytotherapie vs. Homöopathie

Schade schon wieder ein Artikel der die bewährte Phytotherapie mit dem medizinhistorischen größten Irrtum der Neuzeit nämlich: Homöopathie verknüpft.

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