Mecklenburg-Vorpommern

Benutzt Klinikträger Corona-Krise zum Ausputzen?

Dass der Klinikträger Mediclin derzeit eine Schließung der Geburtshilfe in Crivitz prüft, stößt bei Politikern auf Kritik. Sie vermuten, dass im Zuge der Corona-Krise einfach Tatsachen geschaffen werden..

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 15.04.2020, 13:16 Uhr
Geburtshilfe-Station –  in Crivitz bald Geschichte?

Geburtshilfe-Station – in Crivitz bald Geschichte?

© Peter Widmann / blickwinkel / dpa

Schwerin. Nutzt Klinikbetreiber Mediclin die Corona-Krise, um eine unrentable Geburtshilfe in Crivitz zu schließen? Diese Vermutung kommt nach entsprechenden Plänen unter Politikern im Schweriner Landtag auf. Sie fordern den Klinikbetreiber auf, sich bis zur Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes an getroffene Absprachen zu halten.

Hintergrund ist der Wechsel der amtierenden Chefärztin in Crivitz, die auf eigenen Wunsch zum ersten Mai an die benachbarte Asklepios-Klinik in Parchim wechselt. Mit dieser Klinik ist auch eine Abstimmung der Leistungen im Gespräch.

Klinikbetreiber: Zumindest zeitweise Abmeldung unvermeidbar

„Inwieweit wir ab Mai aufgrund der sich damit weiter verschärfenden Personalsituation in der Klinik noch die Versorgung der Geburtenstation aufrechterhalten können, wird derzeit geprüft. Mindestens zeitweise Abmeldungen von der Versorgung scheinen nicht zu vermeiden zu sein“, teilte der Crivitzer Klinikträger Mediclin – ein Unternehmen der Asklepios-Gruppe – auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“ mit.

Eine Sprecherin verwies auf eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat zum Sozialplan und Interessensausgleich, der die Schließung ausschließlich der Geburtenstation zum 30. Juni regelt.

Die Aussagen des Klinikbetreibers stoßen in der Landespolitik auf massive Kritik. „Es entsteht der Eindruck, dass im Windschatten der Corona-Krise Fakten geschaffen werden sollen. Dies geschieht auf dem Rücken der Beschäftigten und werdenden Eltern“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Sebastian Ehlers.

Sein SPD-Kollege Julian Barlen nannte es „nicht hinnehmbar“, eine Verabredung „durch die kalte Küche zu brechen und im Alleingang die Geburtshilfe zu schließen“.

Landespolitik nicht ganz unschuldig

Die Regierungsparteien in Mecklenburg-Vorpommern erwarten von Mediclin, dass der Klinikbetrieb bis Mitte des Jahres weiterläuft und dann ein neues Konzept, das gemeinsam für Crivitz und den benachbarten Standort Parchim gelten soll, umgesetzt wird. Wie dieses Konzept allerdings aussehen soll, ist noch nicht entschieden.

Ganz unschuldig ist die Landespolitik an der verworrenen Situation nicht. Eine Ende 2019 schon von Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU) abgesegnete Lösung wurde kurzfristig von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wieder einkassiert, weil ihre Partei die Geburtshilfen sowohl in Crivitz als auch in Parchim halten möchte. Die Opposition im Schweriner Landtag will die Ministerpräsidentin nun in die Pflicht nehmen.

Der gesundheitspolitische Experte der Linken, Torsten Koplin, forderte von Schwesig ein Konzept, „bevor weitere Tatsachen durch die Klinikbetreiber geschaffen werden. Denn Koplin schließt nicht aus, dass Mediclin mittelfristig den kompletten Krankenhausstandort Crivitz zur Disposition stellen wird.

Für ihn gibt es ein Rezept, das zu verhindern: „Um den Standort zu halten, muss eine Überführung in die öffentliche Hand nunmehr ernsthaft ins Auge gefasst werden.“

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