Umfrage

Britische Hausärzte erleben Absturz im Ansehen

Die Unzufriedenheit mit Hausärzten hat sich deutlich erhöht. Ärzteverbände führen das auf den Sparkurs im NHS zurück.

Veröffentlicht: 09.04.2018, 08:08 Uhr

LONDON. Britische Patienten sind unzufriedener als je zuvor mit ihren Hausärzten. Jeder dritte Patient im Königreich ist entweder "unzufrieden" oder sogar "sehr unzufrieden" mit seinem Hausarzt. Gründe sind zu lange Wartezeiten, zu kurze Konsultationen und ständig wechselnde Vertretungsdienste.

Befragt wurden insgesamt 3000 repräsentativ ausgewählte Patienten in England, Schottland und Wales. Die vom Kings Fund und vom Nuffield Trust regelmäßig seit 1983 vorgenommene Befragung ergab, dass jeder dritte Brite unzufrieden mit dem staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service) ist.

Bislang waren Primärärzte stets die bei Patienten mit Abstand beliebteste Gruppe. Bei der letzten Umfrage im Jahr 2016 waren noch 72 Prozent der Patienten zufrieden mit ihrem Hausarzt. Die Tatsache, dass dieser Wert binnen zwölf Monaten von 72 Prozent auf 65 Prozent gesunken ist, alarmiert Ärzteverbände wie das Royal College of General Practitioners (RCGP). "Die Zahlen sind besorgniserregend und zeigen, unter welchem Druck Hausärzte heute arbeiten müssen", sagte Sprecherin Professor Helen Stokes-Lampard. "Hausärzte geben ihr Bestes, aber das scheint angesichts knapper werdender Ressourcen in den Praxen nicht mehr genug zu sein." Die Umfrageergebnisse sorgen in Großbritannien für Schlagzeilen, denn in den vergangenen Monaten herrschte insbesondere in Krankenhäusern eine Versorgungskrise mit Notbetten auf den Fluren und vielen kurzfristig gestrichenen Operationen.

Unterdessen wurde bekannt, dass Hausärzte im NHS vom Gesundheitsministerium offenbar dafür belohnt werden, möglichst wenige Patienten zur Weiterbehandlung zum Facharzt oder in ein Krankenhaus zu überweisen. Im nordenglischen Barnsley wird Hausarztpraxen ein Bonus von umgerechnet rund 40.000 Euro versprochen, wenn in der Praxis die Zahl der Kliniküberweisungen um mindestens zehn Prozent gesenkt wird. Derartige Bonuszahlungen sind im NHS inzwischen offenbar gang und gäbe. (ast)

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