Junge Ärzte

Chirurgen fordern ein Lifting ihres Fachs

Ergebnisse des Berufsmonitors der Medizinstudenten schrecken Chirurgen auf. Sie bangen um den Nachwuchs.

Von Thorsten Schüller Veröffentlicht: 05.04.2019, 15:53 Uhr

MÜNCHEN. Die Chirurgie steht bei angehenden Ärzten nicht hoch im Kurs. Nachwuchsmediziner für diesen Bereich zu gewinnen ist eine besondere Herausforderung, sagte Professor Hans-Joachim Meyer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und Präsident des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen (BDC).

Meyer berief sich anlässlich einer Veranstaltung des DGCH-Kongresses auf das „Berufsmonitoring Medizinstudierende“ und den Berufsmonitor Medizinstudium der Berufsvertretung der Medizinstudenten (bvmd). Demnach sehen während des Praktischen Jahres (PJ) nur 18,1 Prozent der Studierenden Perspektiven in der Chirurgie. Grund seien vor allem die Arbeitsbedingungen, die sich vielfach nicht mit einem familienfreundlichen Leben in Einklang bringen ließen.

Bei der Befragung von 13.000 Studenten wurden „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ (94,6 Prozent), „geregelte Arbeitszeiten“ (82,3 Prozent) und „flexible Arbeitszeiten“(81,4 Prozent) am häufigsten als Erwartungen an das spätere Berufsleben formuliert. Meyer wies darauf hin, dass die Erfahrungen des PJ entscheidend die berufliche Zukunft und Fachgebietswahl bestimmen.

Um die Attraktivität des Arztberufs und insbesondere der Chirurgie zu erhöhen, seien auf allen Ebenen Veränderungen nötig – von der Politik über die Krankenhausträger bis hin zu den leitenden Funktionsträgern in Kliniken.

Wichtig wäre vor allem eine Reduzierung nicht-ärztlicher Tätigkeiten, eine Entschlackung des „ausufernden Bürokratiealltags“. Klinikträger müssten zudem ein „realistisches Kinderbetreuungsprogramm“ vorlegen. Außerdem dürften verlängerte Operationszeiten durch Ärzte in Weiterbildung „nicht aus ökonomischen Gründen“ negativ eingestuft werden. Ein daraus resultierender Sparkurs würde den Nachwuchsmangel nur noch verstärken.

Auf der Agenda stehe langfristige Programme zur besseren Organisation der Arbeitszeiten sowie transparente und faire Operationsplanungssysteme zu entwickeln. Dabei seien die Aus- und Weiterbilder zu beteiligen. Die Ausbilder seien gefordert, PJ’ler frühzeitig in chirurgische Teams einzubinden.

Dabei könnten bereits kleinste operative Tätigkeiten wie das Setzen einer Hautnaht das Interesse an dem Fach steigern. Nur so sei die Faszination der Chirurgie zu vermitteln. „Selbstzufriedenheit und kollektive Arroganz“ hülfen in sich ändernden Zeiten nicht weiter. Sie würden das Risiko von Nachwuchsmangel in der Chirurgie nur verstärken, so Meyer.

Mehr zum Thema

Intensivpflegegesetz

Auch zweiter Anlauf in der Kritik

Kommentare
Dr. Ernst Albert Göbel

Chirurgen fordern ein Lifting ihres Fachs

Herr Meyer listet zurecht eine Reihe von Dingen auf, die sich ändern müssten. Diese gelten aber letztenendes für ALLE Fächer. Ein spezielles Problem der Chirurgie schein mir jedoch zu sein, dass die älteren Chirurgen nicht immer sich als nachahmenswerte Vorbilder gerieren. Teamfähigkeit, Empathie, Rücksichtnahme, Zuwendung sind Eigenschaften, die nicht als erstes einfallen, wenn man "Chirurg" denkt.



Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Immer mehr Platzwunden vom Handy

Kopf-Hals-Verletzungen

Immer mehr Platzwunden vom Handy

Wo Syphilis besonders oft auftritt

Deutschland

Wo Syphilis besonders oft auftritt

Europäische Myokardinfarkt-Leitlinie in der Diskussion

EXCEL-Studie: Bypass oder Stent?

Europäische Myokardinfarkt-Leitlinie in der Diskussion

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden