Bayern

DMP innovativ weiterentwickeln

In Bayern sind mehr als 500.000 AOK-Versicherte, rund 7000 Ärzte und etwa 115 Krankenhäuser in die DMP eingeschrieben. Zehn Jahre nach ihrer Einführung geht es jetzt darum, die Programme zu optimieren.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Untersuchung eines Patienten im DMP-Diabetes: In Bayern sollen die Programme weiter verbessert werden.

Untersuchung eines Patienten im DMP-Diabetes: In Bayern sollen die Programme weiter verbessert werden.

© Klaus Rose

MÜNCHEN (sto). Mit der Einführung der Disease Management Programme (DMP) vor zehn Jahren wurden in Deutschland erstmals flächendeckende Strukturen für die Versorgung chronisch Kranker geschaffen.

In den ersten Jahren habe es vielerorts große Widerstände gegeben, die von dem Unwillen geprägt gewesen seien, etwas verändern zu müssen, erinnerte Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern, bei einem Kongress seiner Kasse in München.

Über neue DMPs sollte nachgedacht werden

Praktisch im Alleingang habe sich die AOK Bayern zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) seinerzeit für die elektronische Dokumentation starkgemacht. "Das hat uns viel Bürokratie erspart", sagte Platzer.

Heute seien allein in Bayern mehr als 500.000 AOK-Versicherte, rund 7000 Ärzte und etwa 115 Krankenhäuser in die DMPs eingeschrieben.

"Wir geben uns mit dem Erreichten jedoch nicht zufrieden", sagte Platzer. Innerhalb der Programme könne noch einiges verbessert werden, etwa beim Fußstatus und bei den Augenuntersuchungen im DMP Diabetes.

Auch über zusätzliche Module oder neue DMPs, beispielsweise für Schlaganfall, Depression, Demenz oder psychosomatische Erkrankungen müsse nachgedacht werden.

Beim Bundesversicherungsamt (BVA) sind aktuell mehr als 10.600 DMPs zugelassen, berichtete BVA-Präsident Dr. Maximilian Gaßner. Mehr als 65.000 Ärzte und über sieben Millionen Einschreibungen, davon etwa die Hälfte im DMP Diabetes, seien beim BVA registriert.

Der Nutzen der DMPs sei in vielfältigen Studien nachgewiesen, betonte Gaßner. Der Gesundheitszustand der Teilnehmer sei besser, Komplikationen und Folgeerkrankungen geringer.

Ziel ist eine Weiterentwicklung

Nach Gaßners Ansicht sollten die DMPs in Richtung einer besseren Versorgung multimorbider Patienten weiter entwickelt werden.

Dazu könnten die DMPs mit einem individuellen Case Management verknüpft werden, das eine stärkere Individualisierung ermögliche, was aber nicht zu einer Beliebigkeit führen dürfe.

Auch über die Einbeziehung weiterer Fachberufe bei der Behandlung Multimorbider im Rahmen der DMPs müsse nachgedacht werden, meinte Gaßner.

Für den Erfolg der DMPs sei entscheidend gewesen, dass die Programme in den Arztpraxen und nicht wie in den USA in Call-Centern angesiedelt sind, erklärte Professor Joachim Szecsenyi von der Universität Heidelberg.

Außerdem sei ausschlaggebend, "dass wir ein solidarisches Krankenversicherungssystem haben, das Rosinenpickerei verhindert".

Auch die Praxen hätten von der Einführung der DMPs profitiert, meinte Szecsenyi. Teilnehmende Praxen seien besser organisiert und die Medizinischen Fachangestellten in DMP-Praxen im Allgemeinen professioneller.

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