Versorgung im ländlichen Raum

Kommunale Medizinstipendien sollen Ärztemangel in Thüringen beseitigen helfen

Kohle vom Kreis und dafür spätere Niederlassung in der Kommune: Nicht nur Land und KV bieten in Thüringen finanzielle Anreize um den Ärztemangel im Freistaat zu beheben.

Von Katrin Zeiß Veröffentlicht:
Landarzt vor einem Fachwerkhaus.

Niederlassung in einer ländlichen Region? Anreize mehrerer Kommunen in Thüringen sollen helfen.

© Ulrich Baumgarten / picture alliance

Erfurt. Auf der Suche nach Haus- und Facharztnachwuchs für ihre Region werben immer mehr Thüringer Kommunen mit eigenen Stipendien um Medizinstudierende. Inzwischen bieten sechs Landkreise – Sonneberg, Schmalkalden-Meiningen, Gotha, Altenburger Land, Greiz und Kyffhäuserkreis – sowie die kreisfreie Stadt Gera Stipendien für junge Leute an, die sich zu einer späteren ärztlichen Tätigkeit in der Region verpflichten.

Dabei geht es vor allem um künftige Hausärzte, aber auch um andere Fachrichtungen, teils auch um Zahnärzte. Bedacht werden können auch junge Leute, die in einem Krankenhaus arbeiten oder den öffentlichen Gesundheitsdienst der jeweiligen Region verstärken wollen. Die Förderbedingungen unterscheiden sich hier oft nur in Details.

Alle Kommunen mit eigenen Stipendienprogrammen gehören schon jetzt zu den Engpass-Regionen bei Hausärzten, besonders die in Ostthüringen. So sind allein im Altenburger Land derzeit acht Hausarztsitze unbesetzt, in der Stadt Gera sieben und im angrenzenden Landkreis Greiz, der Teile des Vogtlandes umfasst, acht. Im Kreis Gotha könnten sechs hausärztliche Vertragsarztsitze vergeben werden, im Kyffhäuserkreis sind sechs Sitze vakant. Thüringenweit werden 100 Hausärzte gesucht.

Höhe der Stipendien schwankt stark

Auffallend: Die Höhe der Stipendien schwankt je nach Kommune stark – sie reichen von 500 bis 1.000 Euro im Monat. Das scheint für Konkurrenzdruck unter den Kommunen zu sorgen: Der Landkreis Sonneberg an der thüringisch-bayerischen Landesgrenze hat jetzt von 300 auf 500 Euro aufgestockt. Dort wird derzeit eine Stipendiatin unterstützt.

Die längsten Erfahrungen mit einem kommunalen Medizinstipendium hat Schmalkalden-Meiningen. Seit 2022 werden jährlich bis zu vier Studierende aus der Region gefördert, darunter sind auch Kinder hier tätiger Ärzte. Einzelne müssen Studiengebühren für eine private Medizin-Hochschule aufbringen. Im Kreis Greiz nehmen drei Studierende, darunter eine angehende Zahnärztin, das im Herbst 2025 eingeführte Stipendium in Anspruch.

Gerade für an einer privaten Hochschule studierende junge Leute seien die 1.000 Euro monatlich eine wichtige Entlastung, findet Renate Matthes vom Verein für Gesundheit und Soziales. Der Verein finanziert das Stipendium, indem er dafür Gelder von akquiriert.

Angebot noch zu unbekannt?

Recht lukrativ ist auch das Stipendium in angrenzenden Regionen. Die Stadt Gera bietet die bis zu drei Studierenden pro Kalenderjahr maximal fünf Jahre lang monatlich 750 Euro, im Altenburger Land können seit dem Wintersemester 2024/25 bis zu zwei Studierende monatlich 600 Euro erhalten. Bewerbungen sind hier allerdings bislang Fehlanzeige. Das Angebot scheint nach Einschätzung der Verantwortlichen noch zu unbekannt zu sein.

Doch kann die Höhe des Stipendiums allein der ausschlaggebende Faktor für junge Menschen sein, für die die Inanspruchnahme der Förderung frühzeitig eine langfristige Lebensentscheidung – die Wahl des späteren Arbeits- und Lebensortes – bedeutet? Oder spielen andere Faktoren eine Rolle? Julia Mayer berät als „Ärzte-Scout“ Studierende an der privaten Health and Medical University in Erfurt. Sie beobachtet, dass für Studierende vor allem die persönliche Beziehung zum jeweiligen Landkreis wichtig ist.

„Manche fragen, ob es im eigenen Heimatkreis ein Stipendium gibt“, so Mayer. Auch das gesellschaftliche Klima in der jeweiligen Region könne eine Rolle spielen. Andere Studierende wiederum seien „froh über jeden Cent“, auch wenn sie über den betreffenden Landkreis kaum oder wenig wüssten. Umso wichtiger sei es, dass sich die Kommunen stärker auf von jungen Menschen genutzte Informationswege einstellten. „Manche haben keine vernünftige Website zu den Stipendien, von Social Media ganz zu schweigen.“ Teilweise vermissten Studierende fehlende Ansprechpartner in den Landratsämtern.

Evaluation steht noch aus

Noch hat keiner der kommunalen Stipendiaten in Thüringen das Studium beendet – auch wenn manche Kommunen nicht nur Studienanfänger, sondern auch ältere Studierende unterstützen. Letztlich bleibe angesichts der noch kurzen Laufzeit der Programme abzuwarten, was sie bringen, so Mayer. Die Landesärztekammer wagt keine Prognosen, aber: „Alles, was ein Landkreis zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung tut, findet meine Unterstützung“, sagt Kammerpräsident Hans-Jörg Bittrich.

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