"Das hat die Politik zu verantworten!"

Zehn Prozent Plus für die Ärzte - passt das? Das Medienecho ist unterschiedlich, aber alles in allem fair.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

2,7 Milliarden Euro oder gut zehn Prozent plus - eigentlich hätte der Honorarabschluss für die Vertragsärzte am Wochenende der Aufreger in den Medien sein müssen. Herr Mehdorn platzte dazwischen mit einer abermaligen saftigen Preiserhöhung für die Bahntickets In der Wirtschaftsberichterstattung wurden die Ärzte aber auf Platz 2 verdrängt.

Gar nicht mal so schlecht. Denn aus der Perspektive von (gesunden) Versicherten kostet der Honorarabschluss die Beitragszahler 0,25 bis 0,27 Prozentpunkte. 18 000 Euro plus im Durchschnitt für jeden Arzt - das könnte einer Neid- und Gerechtigkeitsdebatte neues Futter liefern, so der Kommentator der "FAZ".

Er warnt vor einem schnellen Urteil. Allein die Tatsache, dass kein Arzt in Deutschland am Hungertuch nage, reiche nicht mehr aus, um genügend Ärzte in die Praxis aufs Land zu locken. Wer zu ergründen suche, welches Gehalt ein Arzt verdiene, müsse auch nichtärztliche Tätigkeit etwa in der Industrie oder attraktive Gehälter im Ausland zur Beurteilung heranziehen.

Harsch geht allerdings die "Bild Zeitung" mit dem Honorarabschluss ins Gericht. "Was für ein Schlag ins Gesicht der Versicherten!... Jede Gewerkschaft würde für diese Forderung vom Hof gejagt", meint der Kommentator. Der Kommentar ist eine Sache - die Berichterstattung eine andere.

Der Autor, der mit dem Kommentator identisch ist, legt seinen Lesern sachlich und kompetent dar, was Ärzte bislang verdienen, dass ihre Leistung und Bezahlung budgetiert ist und dass es deutlich Einkommensunterschiede zwischen den Fachgruppen sowie zwischen Ost und West gibt. In 20 verschiedenen Positionen erklärt "Bild" seinen Lesern, mit welcher Leistung Ärzte was verdienen. So hat der Leser eine Chance, sich selbst eine Meinung zu bilden - jenseits des Kommentars.

Die zum gleichen Verlag gehörende "Welt" spricht von einer Einigung zu Lasten Dritter und von einem krassen Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung. "Verantwortlich dafür ist die große Koalition. Sie ... hat die Honorarsteigerung faktisch beschlossen und sich damit den Frieden der Ärzte erkauft."

Aus anderer Perspektive analysiert die "Süddeutsche Zeitung": Sie spiegelt das Verhandlungsergebnis an den Erwartungen von Ärzten und den Funktionären freier Verbände. "Wahrscheinlich würde jede andere Berufsgruppe in Deutschland jubeln. Nicht ... die Ärzte. Da ist von einem Tropfen auf den heißen Stein die Rede, davon, dass die niedergelassenen Mediziner weiterhin ausgehungert werden sollen. .... Es gibt ein Wort für diese Haltung: Es heißt: Realitätsverlust." Wobei der Autor der "Süddeutschen Zeitung" keine Unterscheidung zwischen Ärzten und Verbandsfunktionären macht.

Lesen Sie auch: Arzthonorar: Geld allein reicht nicht!

Im Westen 7, im Osten 17 Prozent plus
Simulationsrechnung zur Verteilung des Honorarazuwachses 2009
Kassenärztliche Vereinigung Simulierte Gesamtvergütung 2009 Veränderung des Gesamthonorars gegenüber 2007
  in Mio. Euro in Mio. Euro prozentual
Schleswig-Holstein 943,5 35,1 3,9%
Hamburg 676,3 45,9 7,3%
Bremen 312,1 22,4 7,7%
Niedersachsen 2.882,4 358,3 14,2%
Westfalen-Lippe 3.259,1 262,4 8,7%
Nordrhein 3.131,1 109,6 3,6%
Hessen 2.207,1 191,6 9,5%
Rheinland-Pfalz 1.329,2 72,2 5,7%
Baden-Württemberg 3.747,0 53,7 1,5%
Bayerns 4.924,6 312,5 6,8%
Berlin 1.285,5 124,2 10,7%
Saarland 357,2 36,4 11,3%
Mecklenburg-Vorpommern 669,7 99,5 17,5%
Brandenburg 861,3 104,7 13,8%
Sachsen-Anhalt 832,4 122,2 17,2%
Thüringen 765,7 136,2 21,6%
Sachsen 1.496,9 216,3 16,9%
Gesamt 29.681,1 2.303,3 8,4%
West 25.055,1 1624,3 6,9%
Ost 4.626,0 679,0 17,2%
Weitere Faktoren
Honorarvolumen 2009 aus Hautkrebsscreening und U7a 265,0 265,0 1,0%
EBM-Effekt bei Leistungen außerhalb der MGV* 90,0 90,0 0,3%
Quelle: KBV; *MGV = Morbiditätsorientierte Gesamtvergütung, Tabelle: Ärzte Zeitung
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