G20-Gesundheitsminister

Das sind die wichtigsten Themen

Zum ersten Mal treffen sich an diesem Freitag und Samstag die Gesundheitsminister der G20. Auf der Tagesordnung stehen bekannte Ziele – und neue Lernmethoden. Eine Übersicht über die wichtigsten Themen.

Von Jana Kötter Veröffentlicht:
Zum ersten Mal treffen sich an diesem Freitag und Samstag die Gesundheitsminister der G20.

Zum ersten Mal treffen sich an diesem Freitag und Samstag die Gesundheitsminister der G20.

© alexlmx / stock.adobe.com

Scheinwerfer aus aller Welt richten sich in diesen Tagen auf das Thema globale Gesundheit, wenn sich die Gesundheitsminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer der Welt zum ersten Mal treffen. Für Gastgeber Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ist die globale Gesundheitspolitik mit Angela Merkels Schwerpunktsetzung zu einem "Markenzeichen der internationalen Verantwortung des Landes" geworden. Bereits während der deutschen G7-Präsidentschaft hatte Merkel dem Thema zu neuem Gewicht verholfen. In Berlin finden sich nun einige Punkte wieder.

» Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen: In Berlin soll diskutiert werden, wie die deutschen Anstrengungen – sei es in der Krankenhaushygiene, beim bedachten Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin oder bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe – auch international fortgeführt werden können. Für das Thema zeichnet sich bereits seit einiger Zeit eine weltweit verstärkte Aufmerksamkeit ab: Die Europäische Kommission legte 2011 den "Aktionsplan zur Abwehr der steigenden Gefahr der Antibiotikaresistenz" vor, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelte 2015 einen "Globalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen". In der "Berliner Erklärung" einigten sich die G7- Gesundheitsminister zuletzt darauf, Anreize zur Förderung von Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika und Diagnostika zu prüfen (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

» Globales Krisenmanagement: Hinter dem abstrakten Wort steht in Berlin ein konkretes Vorhaben. Denn bei ihrem Treffen schlüpfen die Minister mit Vertretern von WHO und Weltbank in die Rolle von Krisenmanagern. Anhand eines fiktiven Ausbruchs einer tödlich verlaufenden und über die Atemwege übertragenen viralen Infektionskrankheit wollen die Gesundheitsminister das globale Krisenmanagement und die Vernetzung miteinander trainieren. Das Ziel: wichtige Erkenntnisse für die Abstimmung im Krisenfall zu gewinnen. Dazu gehören die Erprobung von Kommunikations- und Meldewegen sowie eine schnelle Organisation der Hilfe vor Ort.

» Einbindung der WHO: Ein wichtiger Teil des globalen Krisenmanagements ist die Einbindung der WHO im Krisenfall. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von "Brot für die Welt", mahnte an, dass sich die Staats- und Regierungschefs dazu auf eine ausreichende Finanzierung der WHO verständigen sollten. "Die G20 sollte die WHO endlich ausreichend und verlässlich finanziell stärken und ihr Gewicht als zentrale Instanz für globale Gesundheit erhöhen – nicht zuletzt auch dadurch, dass sich auch die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen dazu verständigen", erklärte sie in dieser Woche. Die Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation findet am 22. Mai in Genf statt.

» Nachhaltige Verbesserung der Gesundheitswesen in Entwicklungs- und Schwellenländern: Auch dies soll dazu beitragen, das globale Krisenmanagement zu verbessern. "Gesundheitswesen vor Ort müssen so gestärkt werden, dass sie für künftige Epidemien besser gerüstet sind", erklärt Gröhe. Dazu gehört in erster Linie der Aufbau von Gesundheitsbehörden, die Krankheitsausbrüche schneller melden und Kontakte von infizierten Personen verfolgen. Der Tagesordnungspunkt ist auch eine Lehre, die aus der Ebola-Krise gezogen wurde.

» Gemeinsame Erklärung der Gesundheitsminister: Sie soll am Samstag in Berlin verabschiedet werden. Vorbereitet hat die Erklärung die sogenannte Health Working Group, die Ende Februar zu einer dreitägigen Konferenz zusammengekommen war. Die konkreten Inhalte der Erklärung sind noch unklar. Jedoch sehen viele G20-Gesundheitsexperten Chancen, dass sich auf die Empfehlung der Gesundheitsminister hin auch die Staats- und Regierungschefs im Juli des Themas Gesundheit als globale Priorität annehmen.

» Nicht auf der Agenda steht die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten wie Herz-Kreislaufleiden, Krebs oder Diabetes. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) hat das scharf kritisiert: "Die Politik darf nicht aus den Augen verlieren, dass nichtübertragbare Krankheiten inzwischen weltweit Todesursache Nummer eins sind", betonte Dr. Dietrich Garlichs, Sprecher von DANK, "mit großem Abstand vor den traditionellen Infektionskrankheiten oder Infektionen durch multiresistente Keime."

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Vorschriften in Kraft

E-Rezept in Europa: Ab 2026 Einlösung mit digitaler Brieftasche möglich

Debatte im Parlament beginnt in dieser Woche

Kanalinsel Jersey will über Sterbehilfe abstimmen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Inkretinmimetika

GLP-1: Wie aus dem kleinen Hormon ein Rockstar wird

Risikoanalyse

Komplikation nach Hernien-Operation: Wer ist gefährdet?

Lesetipps
Mehrkosten für die Entbudgetierung der hausärztlichen Versorgung seien Investition in den Erhalt der Praxen, betont Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. 

© Michael Kappeler / dpa

Kabinett winkt GVSG durch

Lauterbach macht Hausarztpraxen Mut: „Jede Leistung wird bezahlt“

Brücke zwischen zwei Steilklippen. Auf der Brücke stehen zwei Menschen.

© Usman / stock.adobe.com

Aktuelle Forschung

Antikörper – die Verkuppler der Krebsmedizin

Heiße Nächte können nicht nur nervig sein. Sie gehen auch mit einem höheren Risiko für Schlaganfälle einher, so das Ergebnis einer Studie aus München und Augsburg.

© samuel / stock.adobe.com

Studie mit Daten zu 11.000 Schlaganfällen

Tropische Nächte sind offenbar ein Risikofaktor für Schlaganfälle