Interview

"Das werden schwierige Preisverhandlungen"

Ein enttäuschendes Ergebnis der frühen Nutzenbewertung für Linagliptin und die Anbieter Boehringer Ingelheim und Lilly. Dr. Engelbert Günster, Deutschland-Chef von Boehringer, will mit einem neu aufbereiteten Dossier ein Neustart des Bewertungsverfahrens.

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Dr. Engelbert Günster, Deutschland-Chef von Boehringer Ingelheim

Dr. Engelbert Günster, Deutschland-Chef von Boehringer Ingelheim

© Boehringer Ingelheim

Ärzte Zeitung: Welche Prognose stellen Sie aufgrund der frühen Nutzenbewertung für Linagliptin in Bezug auf den Ausgang der nun kommenden Preisverhandlungen?

Günster: Wenn man uns keinen Mehrnutzen zubilligt - wenn auch nur aus formalen Gründen -, dann kann ich mir lebhaft vorstellen, wie schwierig die Gespräche mit dem GKV-Spitzenverband sein werden.

Ärzte Zeitung: Wobei die Vergleichstherapie, die der Bundesausschuss gewählt hat, generisch ist.

Günster: Richtig. Der G-BA hatte Sulfonylharnstoffe vorgeschlagen.

Wir haben, wie es in allen anderen Märkten der Fall ist, als korrekte Vergleichssubstanz Sitagliptin gewählt.

Das wurde nicht anerkannt, obwohl der pharmazeutische Unternehmer in der Entscheidung frei ist.

Was beim Bundesausschuss nun passiert ist, das ist die Nichtfeststellung eines Zusatznutzens aus formalen, nicht aus medizinischen Gründen.

Obwohl unser Dossier vollständig war. Auch der Vergleich mit Sulfonylharnstoffen war im Dossier vorhanden. Es hätte also bearbeitet werden können.

Ärzte Zeitung: Der Bundesausschuss bietet Ihnen nun an, nach einem Jahr erneut in das Verfahren zur frühen Nutzenbewertung einsteigen zu können. Sie wollen dies aber sofort neu starten. Was wollen Sie anders machen?

Günster: Da Linagliptin wegen formaler Mängel nicht bewertet worden ist, müssten wir ein neues Dossier einreichen, das Linagliptin mit Sulfonylharnstoffen vergleicht. Warum das erst in einem Jahr möglich sein soll, kann ich mir nicht erklären.

Ärzte Zeitung: Gibt es denn neue Erkenntnisse, die sich bei einem Neustart des Verfahrens verwenden ließen?

Günster: Nein, wir sind der Meinung, dass alle derzeit vorhandenen Daten in dem von uns vorgelegten Dossier enthalten waren. Wir müssen dies jetzt formal neu in der Darstellung aufbereiten.

Ärzte Zeitung: Wichtig für Ärzte: Bleiben Sie mit Linagliptin weiter dem deutschen Markt fern?

Günster: Es bleibt wie es ist: Wir haben das Produkt zwar offiziell eingeführt, aber wir stellen es dem Markt nicht zur Verfügung, solange keine Ergebnisse einer Preisverhandlung vorliegen.

Ärzte Zeitung: Was sind Ihre Schlussfolgerungen angesichts der nun gemachten Erfahrungen mit der frühen Nutzenbewertung?

Günster: Mit einer noch so spitzfindigen Auslegung von Paragrafen wird man einer adäquaten Beurteilung von Innovationen nicht gerecht.

Es ist nach wie vor richtig, dass GBA und IQWiG das Dossier hätten bearbeiten können, weil es vollständig war, auch in Bezug auf den Vergleich mit Sulfonylharnstoffen.

Uns ist immer wieder gesagt worden, dass wir uns in einer frühen Phase der Anwendung dieser Form der Nutzenbewertung sind, und dass dies ein lernendes System ist.

Überhaupt nicht berücksichtigt sind die spezifischen Vorteile der Gliptine und von Linagliptin: für Patienten, die mit Metformin und Sulfonylharnstoffen austherapiert sind, keine Gewichtszunahme, keine hypoglykämischen Phasen, langfristiger Gefäßschutz.

Ärzte Zeitung: Und wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen Auswirkungen?

Günster: Für ein Unternehmen, das sich massiv am Standort Deutschland engagiert, ist das ein Schlag ins Gesicht.

Wirtschaftlicher Erfolg ist Voraussetzung für neue Investitionen in die Innovation von morgen. Dafür brauchen wir einen Interessenausgleich zwischen Wirtschafts- und Gesundheitspolitik.

Das Interview führte Helmut Laschet.

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