Sachsen

Debatte um Versorgungsqualität

Benötigt Sachsen eine sektorenübergreifende Versorgungsplanung? Beim Krankenhaustag in Dresden wurde kontrovers diskutiert.

Von Sven EichstädtSven Eichstädt Veröffentlicht:

DRESDEN. In Sachsen ist eine Debatte über die Arbeit von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten entbrannt. Dies wurde anlässlich des Sächsischen Krankenhaustages in Dresden deutlich. Der Vorsitzende des Hartmannbundes Sachsen, Thomas Lipp, sprach von einer "häufigen Fehlinanspruchnahme von Notfallambulanzen" und davon, dass es wichtig sei, zu einer guten Patientensteuerung zu gelangen.

"Kann ein Patient ambulant versorgt werden, soll dies durch einen niedergelassenen Arzt oder niedergelassene Netzstrukturen erfolgen", denn das sei nicht nur kostengünstiger, "sondern in der Regel auch durch die Wohnortnähe vom Patienten gewünscht", schätzte Lipp ein. Dazu solle die gesetzliche Krankenversicherung "weitere Steuerungsmechanismen" prüfen wie "Öffnung der Tarife, Wahlmöglichkeiten und Selbstbehalt", verlangte Lipp.

Michael Hummer, Gesundheitsökonom bei Gesundheit Österreich, sagte hingegen, die Planung für Kliniken und niedergelassene Ärzte solle "zunächst schauen, welche Bedarfe nötig sind und nicht so sehr danach, ob ein Krankenhaus oder ein niedergelassener Arzt besser ist". Er sprach davon, dass die sächsischen Krankenhäuser einen "versorgungsrelevanten Beitrag mit steigender Tendenz zur nichtstationären Versorgung" leisteten. Im Jahr 2015 hätten sächsische Kliniken 2,4 Millionen nichtstationäre Fälle behandelt, insgesamt habe es in diesem Jahr in Sachsen 34 Millionen ambulante Fälle gegeben. "Wichtig wäre eine sektorenübergreifende Versorgungsplanung unter Einbeziehung aller Teilnehmer", verlangte Hummer.

Dieser Forderung schlossen sich die Ersatzkassen in Sachsen an. "Wir halten es für unerlässlich, die Tätigkeit der Krankenhäuser und der niedergelassenen Ärzte gemeinsam zu planen", sagte die Leiterin der Landesvertretung Sachsen des Verbandes der Ersatzkassen, Silke Heinke. "Wir unterstützen es deshalb, wenn sich Sachsen für eine perspektivische sektorenübergreifende Planung beim Bundesgesetzgeber einsetzt."

Die Ersatzkassen sehen in unterschiedlichen Planungs- und Vergütungssystemen Ursachen dafür, dass eine engere Zusammenarbeit von Kliniken und niedergelassenen Ärzten an Grenzen stößt.

Hubertus Jaeger, Vorstandsvorsitzender der Krankenhausgesellschaft Sachsen, sah eine "nach wie vor ungelöste Frage einer sachgerechten Investitionsmittelbereitstellung" für Krankenhäuser, die er als "originäre Aufgabe der Bundesländer" einstufte. Er verlangte von der sächsischen Regierung, die "investiven Belange der sächsischen Krankenhäuser durch entsprechende Berücksichtigung im kommenden Doppelhaushalt zu unterstützen.

Darüber hinaus forderte er eine "mittelfristige Finanzierungsperspektive für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Krankenhausstrukturen in Sachsen" (sve)

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