Pflege

Denkzettel für Bahr

Ein Schreiben an Kliniken, in dem er auf Leistungen der Regierung verweist, wird für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zum Bumerang. Die Pflegebranche ist nicht begeistert von seiner Bilanz.

Von Johanna Dielmann-von Berg Veröffentlicht:
Zwei Pflegekräfte helfen einer Patientin - ein seltenes Bild. Der Branche fehlen schon seit Jahren Tausende an Fachkräften.

Zwei Pflegekräfte helfen einer Patientin - ein seltenes Bild. Der Branche fehlen schon seit Jahren Tausende an Fachkräften.

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BERLIN. Die Pflegebranche erteilt Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr eine Lektion.

Der FDP-Politiker hatte zum Jahresbeginn ein Schreiben über "Verbesserungen, die wir auf den Weg gebracht haben" an alle Pflegedirektoren in deutschen Kliniken geschickt.

Darin lobt er die gestiegenen Leistungen für Pflegebedürftige, vor allem für Menschen mit Demenz, und die private Pflegezusatzversicherung.

Von "Errungenschaften" in der Pflege könne jedoch "keineswegs" die Rede sein, antwortet der Bundesverband Pflegemanagement in einem Offenen Brief dem Minister.

Pflegeberuf muss attraktiver werden

"Unverantwortlich gegenüber Patienten und Pflegenden" sei die Weigerung Bahrs, der Berufsanerkennungsrichtlinie der Europäischen Union zu folgen.

Den Plänen, eine zwölfjährige Schulzeit für die Pflegeausbildung vorzuschreiben, "werden wir weiterhin entschieden entgegentreten", heißt es im Schreiben des Ministers.

Mit der Akademisierung könnte die Attraktivität des Berufs steigen, etwa wegen neuer Karrierewege, hoffen dagegen Vertreter der Pflege. Aufgrund hoher psychischer und physischer Belastungen sowie fachlichen Anforderungen sei eine fundierte schulische Qualifikation nötig, so der Verband.

Einig sind sich beide Seiten darin, dass der Pflegeberuf attraktiver werden muss. Bahr verweist dazu auf das Pflegeberufegesetz, in dem die Ausbildung modernisiert werde.

Dies gehe zwar in die richtige Richtung, komme aber angesichts des "dramatischen Fachkräftemangels" viel zu spät. Bahr riskiere "wieder einmal eine Schnelllösung", die nur teilweise bestehende Probleme löse, so der Verband.

Zur Attraktivität des Berufes gehörten "zwingend" bessere Arbeitsbedingungen, heißt es im Verbandsbrief.

Ruf nach Pflegekammern

Durch die Unterfinanzierung der Kliniken würden immer wieder Pflegestellen gestrichen, wodurch die Arbeitsbelastung "ihre Grenzen erreicht hat". Daher solle Bahr das Stellenförderprogramm fortsetzen und die Klinikfinanzierung angehen.

Zudem brauche es Anreize, auch auf dem Land und in Problembezirken der Städte die Pflege zu gewährleisten. Dafür sei ein Pflegestrukturgesetz nötig, schreibt der Verband.

Auch eine Selbstverwaltung in Gestalt der Pflegekammern sei "unabdingbar", Unterstützung von Bundesebene dafür aber nicht zu erkennen.

Ähnlich sei es bei der 2012 auf den Weg gebrachten Heilkundeübertragungsrichtlinie. Diese sei ein "längst fälliger Meilenstein", aus dem Ministerium fehle aber die Unterstützung, um die Richtlinie nun auch umzusetzen.

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