Arzneimittelpolitik

Dicke Pipeline, krisenfest und subventionsbedürftig

In überaus freundlicher Atmosphäre warb die forschende Pharmaindustrie für ihre Forderung nach einem Innovationszuschuss.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 02.07.2009, 15:06 Uhr

Heute baut der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) am Potsdamer Platz in Berlin eine beeindruckende Skulptur auf: eine symbolische Pipeline, mächtiger als die Rohre, die Öl von Russland nach Westen liefern. Die Botschaft: Wir sind kreativ, innovativ und werden in den nächsten Jahren viele Krankheiten besiegen. Über 400 Novitäten sollen bis 2013 aus der Pharma-Pipeline sprudeln.

Der Nebeneffekt: In der tiefsten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist die Pharma-Industrie ein Stabilisator für die kranken Volkswirtschaften, "weil sie fundamentale Bedürfnisse befriedigt", so VFA-Vorsitzender Dr. Wolfgang Plischke.

Bislang rühmte sich die pharmazeutische Industrie, ihre Innovationskraft selbst zu finanzieren - ohne Staatshilfe. Die derzeitige Praxis ist, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung lediglich projektbezogen Fördermittel gibt, zum Beispiel um den Transfer aus der Grundlagen- in die Anwendungsforschung zu beschleunigen.

Jetzt zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Auch Big Pharma möchte an die Steuertöpfe ran und fordert zehn Prozent für Forschungs- und Entwicklungs-Investitionen. Das macht 500 Millionen Euro jährlich, die Finanzminister Peer Steinbrück überweisen müsste.

Peter Hintze, CDU, gelernter Pastor und derzeit Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium blieb wohlwollend vage: "Wir überlegen da was. Aber den Streit werden wir mit der Finanzpolitik haben."

Für Michael Hüther vom Institut der Deutschen Wirtschaft ist entscheidend, dass solche Subventionen diskriminierungsfrei verteilt werden - und deshalb eben nicht nur gezielt an Mittelständler oder Start ups, wie dies Eckehard Linnemann von der Gewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie fordert. Nicht genügend Masse, kontert VFA-Chef Plischke. Mittelstand und Biotech brächten es nur auf 15 Prozent der Pharma-Forschung. Und außerdem: In fast allen Ländern fördere der Staat die Entwicklung von Arznei-Innovationen.

Der zarte Hinweis der grünen Gesundheitspolitikerin Birgitt Bender auf die höchste Staatsverschuldung aller Zeiten verhallte. Die sonst schon mal insistierende Parlamentarierin hatte ihr Gebiss im Büro gelassen. Die freundliche Talk-Runde sendet Phönix am 12. Juli um 13 Uhr.

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