Berufspolitik

Die Ärzte und der gesellschaftliche Wandel

Zu viele Männer, zu wenig Jugend: "Sie sind nicht repräsentativ für die zukünftigen Mediziner", rief Gesundheitsminister Daniel Bahr beim Neujahrsempfang der deutschen Ärzteschaft zu. Dafür bekam er von den 600 Gästen sogar Beifall.

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Versammelt auf dem Dach des Berliner KaDeWe. Gäste und Veranstalter des Neujahrsempfangs der Ärzteschaft.

Versammelt auf dem Dach des Berliner KaDeWe. Gäste und Veranstalter des Neujahrsempfangs der Ärzteschaft.

© KBV

BERLIN (af). Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat bei den Ärzten gepunktet.

Beim Neujahrsempfang der deutschen Ärzteschaft am Donnerstagabend in Berlin kündigte er vor rund 600 hochrangigen Vertretern aus Gesundheitswesen, Wirtschaft und Politik seinen weiteren Einsatz für eine zügige Novelle der Gebührenordnung für Ärzte an.

Es liege nicht allein am Gesundheitsminister, dass die nötige Novelle der GOÄ vorankomme. Auch das Kabinett und die Länder seien beteiligt. Am Ende werde nicht alles Wünschbare auch finanzierbar sein, sagte Bahr.

Dass Bundesärztekammer und der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV) bereits dabei seien, eine Gebührenordnung auszuarbeiten, zeige den gemeinsamen Willen, das Versprechen einzulösen, die GOÄ noch in dieser Legislaturperiode neu aufzustellen, sagte Bahr unter Beifall.

Darauf antwortete der Präsident der Bundesärztekammer direkt. PKV und Bundesärztekammer seien bei der Ausarbeitung einer neuen GOÄ weit fortgeschritten.

Männer in den besten Jahren

Unter dem leisen Vorbehalt eines Vielleichts, sagte Montgomery. "Wir werden Ihnen ein Angebot machen, dass Sie nicht zurückweisen können".

Das Versorgungsstrukturgesetz, dessen Umsetzung nun anlaufe, sei in erster Linie kein Kostendämpfungsgesetz, hatte Bahr einen weiteren die Ärzte direkt angehenden Punkt angesprochen.

Es diene in erster Linie dazu, Versorgungsstrukturen zu schaffen, die Antworten auf gesellschaftliche Fragen geben könnten.

"Wenn ich von hier aus in die Reihen schaue, dann weiß ich, dass Sie nicht repräsentativ für die zukünftigen Mediziner sind", rief Bahr seinem Publikum zu, das überwiegend aus Männern in den besten Jahren bestand.

An den Universitäten studierten derzeit vor allem Frauen, die eine andere Einstellung zum Arztberuf mitbrächten. "Ich glaube, Sie werden den gesellschaftlichen Wandel nicht mehr ändern können", sagte Bahr.

Gefeiert, gegessen, getrunken

Die ärztlichen Organisationen seien aufgefordert, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass junge Mediziner sich dafür entschieden, Ärzte zu werden und nicht andere Berufe ergriffen.

In diese Kerbe hieb auch der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler. Er wies aber darauf hin, dass die neuen Modelle der Bedarfsplanung allein noch keine neuen Ärzte generierten.

Er appellierte an die Selbstverwaltungsorgane in Bund und Ländern, die Chancen aus dem Versorgungsstrukturgesetz zu nutzen. "Mit diesem Gesetz hat die Ärzteschaft endlich wieder die Möglichkeit, Versorgung aktiv zu gestalten", sagte Köhler.

Gefeiert, gegessen und getrunken haben die Ärzte auch. Der Gesprächsstoff ging ihnen nicht aus.

Montgomery: "Wir machen Ihnen ein Angebot, das Sie nicht zurückweisen können."

Köhler: "Mit dem Versorgungsgesetz kann die Ärzteschaft wieder gestalten."

Bahr: "Sie werden den gesellschaftlichen Wandel nicht mehr ändern."

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