Kommentar

Die Brückenbauer

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 21.06.2019, 13:54 Uhr

Die Replik auf den öffentlichen Schulterschluss von niedergelassenen und Klinikärzten in Sachen Organisation der Notfallversorgung kam prompt: Nur eine Stunde nach der Präsentation der gemeinsamen Reformvorstellungen durch die Chefs der KBV und des Marburger Bundes, Andreas Gassen und Rudolf Henke, machte die Deutsche Krankenhausgesellschaft ihren Anspruch geltend, dass die komplette Notfallversorgung in die Hand der Krankenhäuser gehöre.

Damit würde der Bock zum Gärtner gemacht: Die Notfallzentren wären damit für die Kliniken das ideale Instrument, ihre eigenen Kapazitäten optimal auszulasten – betriebswirtschaftlich verständlich, unter medizinischen und Effizienzgesichtspunkten jedoch verheerend.

Diesem durchsichtigen Manöver setzen KBV und Marburger Bund ein kooperatives Modell der Ärzteschaft entgegen, mit dem die Neutralität und weitgehende Freiheit von Interessenskonflikten bei der Entscheidung gewährleistet werden kann, in welche Versorgungsebene Notfallpatienten gesteuert werden. Indem die beiden Ärzteorganisation Brücken bauen, bestehen gute Chancen, dass ihre Konzeption im bevorstehenden Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt wird.

Politisch hätten die Ärzte damit an Boden gewonnen.

Lesen Sie dazu auch: Notfallversorgung: Vertrags- und Klinikärzte sind sich einig

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Kommentare
Anne C. Leber

Leserzuschrift von Dr. Wolfgang Klein

Sehr geehrter Herr Laschet,
mit Interesse habe ich Ihren Kommentar „Die Brückenbauer“ zur gemeinsamen Initiative der niedergelassenen und Klinikärzte in Sachen Notfallversorgung in der Ärzte Zeitung vom 10.7.2019 gelesen.

So sehr ich Ihnen zustimme, dass diese Initiative zu begrüßen ist und die Ärzteschaft auch politisch voranbringt, muss auf der anderen Seite Ihrer Sichtweise, wonach Kliniken über Notfallaufnahmen (oder zukünftig Notfallzentren) Zitat:
„Ihre eigene Kapazität optimal aus(zulasten" könnten
Zitat Ende
entschieden widersprochen werden. Es ist nicht nachvollziehbar, warum dieses längst auf den Müllhaufen der Geschichte gehörende Argument in Zeiten intensiver MDK Prüfungen und Krankenkassenrückforderungen in der aktuellen Diskussion immer noch angeführt wird.
Es gibt klare Kriterien für eine stationäre Aufnahme. Werden diese nicht erfüllt, wird der Fall durch den MDK nach Prüfung nicht anerkannt und das Krankenhaus hat zwar die Kosten der stationären Behandlung, nicht aber die Vergütung, also ein ökonomisches Desaster. Hier nach wie vor den Eindruck zu erwecken, Krankenhäuser könnten sich nach „Bettenlage“ in der Notaufnahme „bedienen“ und nach ökonomischen Erfordernissen PatientInnen über die Notaufnahme aufnehmen, und den Anspruch der Krankenhausgesellschaft noch als
Zitat:
„Durchsichtiges Manöver“
Zitat Ende
abzuqualifizieren, ist schlicht und einfach unredlich und entspricht in der heutigen Medizinlandschaft nicht den Tatsachen.

Dr.med. Wolfgang Klein
Chefarzt
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie
Klinikum Wolfsburg
38440 Wolfsburg



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