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Die einstige "Apotheke der Welt" hat ein Imageproblem

BERLIN (ble). Hervorragend ausgebildete Fachkräfte, freier Marktzugang für innovative Produkte, exzellente klinische Forschungslandschaft - und dennoch scheint das Image des Pharmastandorts Deutschland nicht allzu investitionsförderlich zu sein.

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Nach einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) tut sich die einstige "Apotheke der Welt" weiter schwer, ausländische Investoren anzulocken. Denn viele ausländische Pharmamanager bewerten das deutsche Gesundheitssystem als überreguliert, intransparent und von Spardiktaten geknebelt - zudem schreckten langwierige Antrags- und Genehmigungsverfahren ab, erläuterte HWWI-Experte Professor Thomas Straubhaar bei der Vorstellung der aktuellen Studie in Berlin.

Die Vorteile des Standorts, etwa die freie Preisbildung für innovative Produkte, wiegen dieses Manko offenbar nicht auf. Im Gegenteil: Deutschland sei als Pharma-Produktionsstandort seit den frühen 1990ern sogar vom dritten auf den fünften Platz zurückgefallen, so der Chef des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) Dr. Wolfgang Plischke. "Im Kern haben wir ein Vermittlungsproblem, einmalige Standortvorteile wie der freie Marktzugang von Innovationen und die freie Preisbildung für patentgeschützte Medikamente werden von vielen Pharma-Managern gar nicht mehr wahrgenommen", so der Bayer-Vorstand.

Damit dies nicht so bleibt, hat das HWWI im Auftrag des VFA einen umfangreichen Forderungskatalog an die große Koalition erarbeitet. Dazu gehören kurzfristige Maßnahmen - wie die Schaffung von zentralen Anlaufstellen für investitionswillige Firmen, die staatliche Förderung privater Forschung sowie eine bessere Finanzausstattung der Spitzenforschung an den Universitäten - als auch mittelfristige Weichenstellungen, etwa eine Förderung der Zuwanderung ausländischer Studierender und Spitzenforscher.

Problematisch sind Straubhaar zufolge auch einige Aspekte der jüngsten Unternehmenssteuerreform wie die Abgeltungssteuer auf Einkünfte aus Kapitalvermögen und die Abschaffung der Anrechenbarkeit von Verlustvorträgen. Schließlich sieht Straubhaar gerade für junge Unternehmen auch im Zugang zu Wagniskapital eine entscheidende Bedingung für ein Comeback der Weltapotheke Deutschland. "Deshalb ist alles, was ausländische Investoren abschreckt, ein Schuss ins eigene Bein", warnte er vor einer erneuten Heuschreckendebatte in Deutschland.

Angesichts des Katalogs im Gepäck forderte Plischke die Bundesregierung zu einer gemeinsamen Initiative für den Pharmastandort auf - und bereitet sogleich eine auf mögliche weitere Abwanderung von Produktionsstätten vor. "Deutschland muss nicht alles selber machen. Wir müssen wohl akzeptieren, dass einfache chemische Produktionsverfahren durchaus zum Beispiel in Asien stattfinden können - wenn die Qualität stimmt", sagte Plischke.

Immerhin machte zumindest Straubhaar der Bundesregierung und der Industrie auch Mut. Der Tiefpunkt, den die "Apotheke der Welt" noch Mitte der 1990er im Ansehen erreicht habe, sei inzwischen überwunden, so Straubhaar. So ist Deutschland der Studie zufolge bei biotechnologisch hergestellten Arzneien nach den USA die Nummer zwei, bei kommerziellen klinischen Studien seit 2007 europaweit vorn.

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