100-Jährige

Die meisten sind kein bisschen lebensmüde

In 100-Jährigen schlummern meist noch Lebensgeister. Sie fühlen sich oft besser als Hochaltrige zwischen 80 und 94. Ärzte werden gebraucht, um seelische Kräfte zu wecken.

Veröffentlicht:

KÖLN. Viele hundertjährige Menschen bewerten ihr Leben trotz Krankheit und körperlicher Einschränkung positiv.

"Hundertjährige zeigen bemerkenswerte Anpassungsleistungen an ihre enorm eingeschränkten Möglichkeiten", berichtete Dr. Christoph Rott vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg auf dem 4. Forum Versorgungsforschung des Zentrums für Versorgungsforschung Köln.

Als Teil von zwei Studien zu Hundertjährigen in 2000/2001 und 2011/2012 hatten Rott und Kollegen auch die Lebensbewertung der sehr alten Menschen erfragt. Dazu dienten 13 klar formulierte Fragen, die lediglich ein "Ja" oder "Nein" erforderten.

"Auch Personen mit kognitiven Einschränkungen können sie beantworten", sagte Rott. In die erste Auswertung waren 56 Hundertjährige einbezogen, die über sich selbst Auskunft gaben, in die zweite 48.

Bei der Frage "Haben Sie vor, aus Ihrem Leben das Beste zu machen?" war die Zustimmung hoch. Die Hundertjährigen kamen auf einen Wert von 1,84. Hätten alle mit "Ja" geantwortet, wäre es 2,0 gewesen. Viele sind prinzipiell hoffnungsvoll (1,67) oder im Moment optimistisch (1,54). Zwei Drittel der Befragten waren pflegebedürftig, 89 Prozent hatten keine oder nur geringe kognitive Einschränkungen.

"Lebenswunsch ist äußerst stark"

Für die Einschätzung der Lebensqualität spielt die Haltung eine größere Rolle als die noch ausgeübten Aktivitäten. Sie haben bei den meisten im Vergleich zu früher erwartungsgemäß abgenommen. "Das Gros macht nur noch wenig", sagte Rott.

Nur zwölf Prozent der Hundertjährigen hoffen nach seinen Angaben, dass das Leben bald vorbei ist. Mindestens drei Viertel hängen am Leben. "Der Lebenswunsch ist äußerst stark ausgeprägt."

Das ändert sich vor allem, wenn Schmerzen oder soziale Aspekte wie Einsamkeit eine große Rolle spielen. Auffällig ist: "Die Hundertjährigen fühlen sich meist besser als die Hochaltrigen im Alter von 80 bis 94."

Rotts Fazit: "Ein subjektiv lebenswertes Leben ist bis ins höchste Alter möglich. Es sieht aber anders aus als ein Leben in Gesundheit." Die Hundertjährigen hatten im Schnitt vier Krankheiten. Während Gebrechlichkeit und Krankheit bei ihnen oft gut sichtbar sind, würden ihre psychologischen Kräfte eher im Verborgenen liegen. "Es ist unsere Aufgabe, sie sichtbar zu machen", betonte der Psychologe. (iss)

Mehr zum Thema

Leitartikel zur Notfallreform

Reißt die (Sektoren-)Mauern nieder!

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Schlafstörung? Da greifen viele Patienten eigenständig zu Melatonin. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Schlafstörungen: Vorsicht vor unkritischem Melatonin-Einsatz

Constanze Jäger fungiert am Städtischen Klinikum Braunschweig als Employee Happiness Managerin.

© [M] Porträt: Klinikum Braunschweig/Dennis Schulten | Martyshova / stock.adobe.com

Zufriedene Mitarbeiter

Glücksmanagerin greift im Krankenhaus unter die Arme