Interview zum HSK 2020

„Diskutieren, wie die Welt nach Corona aussieht“

Premiere in der Geschichte des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit: Wegen Corona findet das Branchentreffen 2020 rein digital statt. Kongressleiterin Dr. Ingrid Völker und Kongresspräsident Ulf Fink sagen, was geplant ist – und was Veranstalter künftig anders machen müssen.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 10.06.2020, 11:52 Uhr
„Diskutieren, wie die Welt nach Corona aussieht“

„Wir haben gute Leute im Gesundheitswesen“: Ulf Fink, Senator a. D.; Kongresspräsident; Vorsitzender von Gesundheitsstadt Berlin.

© WISO S.E.

Ärzte Zeitung: Frau Dr. Völker, erstmals in seiner über 20-jährigen Geschichte findet der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit virtuell statt. Was genau ist geplant?

Dr. Ingrid Völker: Der Hauptstadtkongress kann wegen der Corona-Pandemie leider nicht wie vorgesehen im Juni stattfinden. Aber: Wir starten ab Juni als besonderes Add-on das neue Format „Hauptstadtkongress Digital“. Es wird künftig mehrmals im Jahr den gesundheitspolitischen Diskurs online abbilden – mit Podiumsveranstaltungen, die per Video gestreamt werden, aber auch mit Webinaren zu einzelnen Themen.

Gibt es schon Themenschwerpunkte?

Völker: Die Themen, das erlaubt uns das Format, werden jeweils aktuell festgelegt. Derzeit stehen zwei Ausgaben fest: Die Auftaktveranstaltung am 17. Juni, dem eigentlichen Eröffnungstag des Hauptstadtkongresses, zu der auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zugeschaltet wird. Die Vorstellung des Krankenhaus Rating Reports 2020 findet einen Tag später statt.

„Diskutieren, wie die Welt nach Corona aussieht“

„Die Corona-Krise ist auch ein Anfang“: Dr. Ingrid Völker, Kongressleiterin; seit 2000 Geschäftsführerin der WISO S. E. Consulting GmbH in Berlin.

© WISO S.E.

Das Motto der diesjährigen Auftaktveranstaltung lautet: „Die Krise als Chance: Zeitenwende im Gesundheitswesen?“ Welche Chancen birgt die Corona-Krise?

Völker: Die Krise ist auch ein Anfang, der vieles verändern wird. Und darüber werden wir beim Auftakt sprechen. Das Interesse ist groß: Es haben sich innerhalb von zehn Tagen mehr als 2000 Teilnehmer angemeldet. Die möchten diskutieren, wie die Zukunft nach Corona aussieht – etwa nach dem immensen Ruck bei der Digitalisierung, der gerade durch das Gesundheitswesen geht.

Werden Video-Sprechstunden und Arzt-Konsile via GoToMeeting bald Teil der Regelversorgung sein?

Ulf Fink: Das ist ein Teil des Rucks, ja! Es gibt dazu beeindruckende Zahlen: Während Ärzte Anfang dieses Jahres 1500 Video-Sprechstunden anboten, sind es gegenwärtig über 100 000. Bei derartigen Disruptionen gibt es natürlich kontinuierlichen Gesprächsbedarf zwischen allen Beteiligten – und dafür machen wir jetzt „Hauptstadtkongress Digital“.

Deutschland ist bislang relativ gut durch die Pandemie gekommen. Einmal mehr Beweis, dass wir eines der besten Gesundheitssysteme haben?

Fink: Wir haben vor allem gute Leute! Das Hin und Her im föderalen System wird ja oft beklagt. Doch bei Ausbruch der Krise haben Bund und Länder exzellent zusammengearbeitet. Wir müssen jetzt nur aufpassen, dass wir die Erfolge nicht wegen föderaler Partikularinteressen gefährden.

Der Krankenhaus Rating Report 2020, Sie sprachen es bereits an, wird am 18. Juni vorgestellt. Ist der Strukturwandel in der Kliniklandschaft überfällig?

Fink: Ich will den Autoren nicht vorgreifen, aber so viel ist klar: Der Krankenhaussektor hat uns in der Bewältigung der Corona-Pandemie extrem geholfen. Trotzdem müssen wir uns dem Thema Qualität stellen– etwa durch Zentrenbildung und Mindestmengen.

Der Hauptstadtkongress blickt ja immer nach vorne. Was ist dringend anzupacken im Gesundheitssystem?

Fink: Wir brauchen ein neues Sicherheits- und Katastrophenkonzept, denn es war sicher nicht die letzte Pandemie, die wir erleben. Wir müssen Lieferengpässe vermeiden und unabhängiger werden, bei Arzneimitteln wie auch bei anderen medizinischen Produkten. Und wir müssen die Forschung intensivieren. Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen können, stellen ein immer gravierenderes Problem der globalisierten Welt dar. Das ist ein ähnlich wichtiges Thema wie Klimaschutz.

Eine Glaskugel hat niemand, dennoch die Frage: Findet der Hauptstadtkongress 2021 wieder als Präsenzveranstaltung statt?

Völker: Wir hoffen das sehr. Denn nur ein Präsenzkongress erlaubt wirkliches Networking und persönlichen Austausch mit der jeweiligen Zielgruppe und neuen Gesprächspartnern. Aber Corona hat alles verändert. Kongressveranstalter müssen künftig kreativer sein– mit hybriden Formaten und digitalen Komponenten. Kongresse müssen vielfältiger werden und Teilnehmern mehr Wahlmöglichkeiten bieten. Daran arbeiten wir.

Digital sind Sie dabei!

  • Am 17. Juni startet das neue Add-on der jährlichen Leitveranstaltung, der „Hauptstadtkongress Digital“. Mehrmals im Jahr wird „Hauptstadtkongress Digital“ den gesundheitspolitischen Diskurs online abbilden – mit Podiumsveranstaltungen, die per Video gestreamt werden und Webinaren.
  • Auftakt mit Minister Spahn: Mit dabei am 17 Juni von 11 bis 12:30 Uhr ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
  • Registrierung und alle weiteren Infos unter: www.hauptstadtkongress.de/hsk-digital

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