Keime auf Intensivstation

Eltern klagen jetzt gegen Ärzte

Fahrlässige Körperverletzung: So lautet der Vorwurf zweier Familien. Der Ausbruch multiresistenter Keime auf der Kinderintensivstation einer Klinik in Saarlouis hat jetzt ein juristisches Nachspiel.

Veröffentlicht:
Auf einer Intensivstation gelten besondere Hygienevorschriften - doch hat man sich in Saarlouis daran gehalten?

Auf einer Intensivstation gelten besondere Hygienevorschriften - doch hat man sich in Saarlouis daran gehalten?

© K-H Krauskopf, Wuppertal

SAARLOUIS. Der Ausbruch von Keimen auf der Kinderintensivstation des Marienhaus-Klinikums in Saarlouis im vergangenen Jahr beschäftigt die Justiz im Saarland. Nach Informationen des "Saarländischen Rundfunks" (SR) haben zwei betroffene Familien Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gestellt.

Die Strafanzeige richte sich gegen den Chefarzt und einen Oberarzt der Klinik. Die Eltern behalten sich außerdem Regressforderungen gegen das Krankenhaus vor. Ihr Vorwurf: Sie seien über das Auftreten der Keime viel zu spät informiert worden.

Die Kinderintensivstation des Saarlouiser Krankenhauses war nach dem Auftreten multiresistenter Keime im Sommer vergangenen Jahres vorübergehend geschlossen und dann desinfiziert worden. Zwei erkrankte Neugeborene mussten in die Universitätsklinik Homburg verlegt werden.

Zu späte Information

"Informiert wurde ich eigentlich erst, als bei uns die positiven Befunde aufgetaucht sind", sagte eine betroffene Mutter dem SR. "Das war fast zwei Wochen nach der Entbindung". Wenn sie von den Keimen vorher erfahren hätte, wäre sie nicht in der Klinik geblieben. Die Mutter war Ende Juli vergangenen Jahres in der Klinik aufgenommen worden und hatte dort Zwillinge zur Welt gebracht. Eine ihrer beiden Töchter erkrankte dem SR-Bericht zufolge wegen der Keime schwer, musste seither sechsmal neurochirurgisch operiert werden.

Die Klinik hat die Vorwürfe der Eltern zurückgewiesen. Dem SR wurde mitgeteilt, als die Mutter in der Klinik aufgenommen wurde, sei lediglich ein Kind mit einem multiresistenten Keim besiedelt, aber nicht erkrankt gewesen. Zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko sei es erst später gekommen, als zwei Kinder an Keimen erkrankt seien. Daraufhin habe die Station keine weiteren Patienten mehr aufgenommen.

Schwere Vorwürfe

Der Fall beschäftigt inzwischen auch die Landespolitik. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Links-Fraktion im Saar-Landtag, Astrid Schramm, erhob nach einer Sitzung des Landtags-Gesundheitsausschusses am vergangenen Mittwoch in Saarbrücken schwere Vorwürfe.

Es sei nicht nachvollziehbar, "warum nach der Meldung, als die Ausbruchskriterien des Robert Koch-Instituts erfüllt waren, die Kinderintensivstation nicht sofort komplett geschlossen wurde, sondern noch über eine Woche offen blieb", erklärte Schramm. Außerdem sei unverständlich, warum nach der festgestellten Keimbesiedelung künftige Eltern, die zur Entbindung in die Klinik kamen, nicht informiert wurden.

In der Sitzung des Gesundheitsausschusses sei außerdem bekannt geworden, dass sich ein Arzt der Klinik nicht an die Hygienevorschriften gehalten habe. Mitgeteilt worden sei darüber hinaus, dass der Hygieniker des Krankenhauses nicht fest angestellt sei und im Regelfall nur zweimal pro Jahr zu einer Begehung vorbeikomme. (kin)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Karl Georg Graf

Keime auf der Intensivstion


Beim ersten Nachweis einer Infektion mit multiresistenten Keimen ist sofort sinnvoll die Einzelpflege pro betroffenen Kranken rund um die Uhr zu gewährleisten ! Eine Übertragung der Keime auf andere Patienten der Intensivstation ist bei Einhaltung der vorgegebenen Hygienemaßnahmen fast gleich gegen null!

Ich bin der Überzeugung, dass hier grob fahrlässig gehandelt wurde und das Krankenhaus in seiner Organisation versagt hat !!

Dr. Wolfgang P. Bayerl

Die "Grünen" sollten sich zu unserer Unterstützung bitte, bitte mal mit dem Antibiotika-Einsatz

in der kommerziellen Tierzucht beschäftigen.
Man schätzt inzwischen den dortigen Verbrauch um 2030
auf über 100.000 Tonnen

http://tinyurl.com/hem3jfr


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