Organspende

Ethikrat will Diskussion über Hirntod anstoßen

Bei den Beratungen zum Transplantationsgesetz hält der Ethikrat eine Hirntod-Diskussion für nötig.

Veröffentlicht: 22.03.2012, 17:36 Uhr

BERLIN (nsi). Obwohl das Thema Hirntod, anders als im Gesetzgebungsverfahren vor 15 Jahren, bei der Debatte zum Transplantationsgesetz nicht im Mittelpunkt steht, hält der Deutsche Ethikrat eine Diskussion für notwendig.

Denn bislang gilt: Organspende darf nicht töten. Der Ethikrat bezog sich beim Forum Bioethik in Berlin mit der Anregung zur Diskussion auch auf die internationalen wissenschaftlichen und ethischen Debatten der letzten Jahre.

Die Begründungskette "Wer hirntot ist, lebt nicht mehr", bildet das moralisch ethische Fundament für die Zulässigkeit einer postmortalen Organspende.

Bei dem Forum in Berlin widersprach Professor Alan Shewmon von der University of California in Los Angeles jedoch der mit dieser Begründungskette implizierten Vorstellung, das Gehirn habe an der Integrationsleistung der Organe, die den Körper zu mehr macht als die Summe seiner Teile, den größten Anteil: "Es sind die Interaktionen der Organe, die diese Integrationsleistung bewirken, und für deren Funktion der Blutkreislauf am wichtigsten ist, nicht das Gehirn."

Er dürfte damit auch den US-Bioethikrat beeinflusst haben, auf dessen Stellungnahme 2008 sich der Deutsche Ethikrat bezog. "Wenn Leben so definiert wird, dass ein Organismus mehr sein muss als die Summe seiner Teile, lässt sich kaum bestreiten, dass manche hirntote Menschen noch leben könnten", heißt es darin.

Eigenschaften von toten und lebenden Menschen

"Hirntote haben Eigenschaften von toten und von lebenden Menschen", sagte der Philosoph Professor Ralf Stoecker (Universität Potsdam). Die Gesellschaft müsse die Frage beantworten, wie mit Hirntoten umzugehen sei.

Er halte es für gerechtfertigt, ihnen angesichts einer fehlenden Perspektive und der Tatsache, dass man ihnen kein Leid mehr zufügen könne, Organe für die Transplantation entnehmen zu dürfen, wenn eine Zustimmung vorliege.

Privatdozentin Stefanie Förderreuther von der LMU München machte deutlich, dass sich zwar nicht der Todeszeitpunkt, wohl aber der irreversible Ausfall der gesamten Hirnfunktion medizinisch sicher feststellen lasse. Diese Diagnose eigne sich nach wie vor gut für die Feststellung des Todes, so wie es auch bislang Praxis sei, so die Neurologin.

Lesen Sie dazu auch: Organspende: Überzeugen, nicht überreden

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