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Europäische Onkologie ist noch Zukunftsmusik

BERLIN (af). Was die Bekämpfung von Krebs angeht, ist Europa noch weit von einer einheitlichen Jurisdiktion entfernt.

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Fachleute haben daher auf dem Europäischen Forum Onkologie in Berlin angeregt, beim Aufbau einer europaweiten Krebsmedizin zunächst auf die Vernetzung weniger Länder zu setzen statt auf organisatorische Experimente mit 27 Variablen.

Rund 250 Experen aus Europa haben darüber diskutiert, wie sich die onkologische Forschung, die Translation, Prävention und Therapie verbessern ließen.

Schon in Deutschland stoßen Krebsärzte auf organisatorische Hindernisse. In den Krebszentren müssten die Onkologen sowohl mit den Vorgaben des Nationalen Krebsplans aus dem Gesundheitsministerium als auch mit den wissenschaftlichen Anforderungen des Forschungsministeriums umgehen, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Krebsgesellschaft Dr. Johannes Bruns.

In Deutschland müsse sich ein "Gesundheitswissenschaftsdenken" entwickeln, damit Krebsforschung und -therapie nicht in getrennten Welten aufwachsen müssten. Ärzte und ihre Organisationen sollten dieses Zusammenwachsen koordinieren, sagte Bruns.

Der Schlüssel für eine bessere europäische Onkologie liege in der Aufbereitung der Daten, sagte Professor Bertram Häussler, Chef des Berliner IGES Instituts. Die Krebsregister in den einzelnen Staaten seien so unterschiedlich, dass sich die Daten nicht vergleichen ließen.

Gute Register seien aber Voraussetzung, um die Wirksamkeit von Therapien zu identifizieren. Fundamentalistischen Debatten über den Nutzen von Präventionsmaßnahmen und Therapien ließe sich nur mit ausreichenden Daten der Nährboden entziehen.

Ein Beispiel sei der umstrittene PSA-Test. Deutschland und die französischsprachigen Länder seien aber bei der Aufbereitung dieser Daten nicht so gut, sagte Häussler.

Deutschland in manchen Dingen Vorbild

Sein Vorschlag: In einem ersten Schritt sollten die europäischen Länder organisieren, dass Wissenschaftler Krebsdaten in anderen Ländern überhaupt fänden.

Das Europäische Forum Onkologie soll ab 2013 jährlich in Brüssel stattfinden, hat der Geschäftsführer der Gesundheitsstadt Berlin GmbH, Dr. Franz Dormann, angekündigt.

Vorbild ist Deutschland bei der translationalen Forschung. Die anderen Länder in Europa müssten zunächst auf den Stand kommen, den Deutschland mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung erreicht habe.

Erst dann könne auf diesem Gebiet an eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit gedacht werden, sagte Professor Sir Alexander Markham von der Universität Leeds.

Gleich, ob es um Geld, Medikamente oder die medizinische Infrastruktur geht: "Alles ist schwerer zu organisieren, als ursprünglich gedacht", sagte Professor Anton Berns vom niederländischen Krebsinstitut in Amsterdam.

Ziel sei es, den Onkologen in Europa eine Plattform zu bauen, von der aus sie den europäischen Auftrag angehen könnten, sich zu vernetzen und Synergien zu schaffen.

Gründe gibt es genug, die zersplitterte onkologische Landschaft in Europa zu ordnen. Das Altern der europäischen Bevölkerung lässt die Zahl der Neuerkrankungen an Krebs steigen.

Bereits heute diagnostizieren Ärzte in Europa bei rund 3,2 Millionen Menschen im Jahr Krebs. Darauf hat der Onkologe Professor Ulrik Ringborg aus Stockholm hingewiesen.

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