KBV-Vertreter

Fernkonsultation – Chance für den Bereitschaftsdienst

Die Zeichen für die Lockerung des Fernbehandlungsverbots durch den Deutschen Ärztetag stehen gut: Bei der KBV-Vertreterversammlung am Montag in Erfurt sagte die KBV-Spitze dem Vorstand der Bundesärztekammer Unterstützung bei seinem Antrag zu.

Von Rebekka HöhlRebekka Höhl Veröffentlicht:
Ein Votum für oder gegen die Lockerung des Fernbehandlungsverbots gab es bei der KBV-Vertreterversammlung nicht. Aber die VV-Delegierten zeigten sich offen für mehr Spielraum – solange die Patientensicherheit nicht leidet.

Ein Votum für oder gegen die Lockerung des Fernbehandlungsverbots gab es bei der KBV-Vertreterversammlung nicht. Aber die VV-Delegierten zeigten sich offen für mehr Spielraum – solange die Patientensicherheit nicht leidet.

© Michaela Illian

ERFURT. "Wollen wir, dass die Fernbehandlung die Domäne der Krankenkassen wird?" – Baden-Württembergs KV-Chef Dr. Norbert Metke hielt auf der KBV-Vertreterversammlung im Vorfeld des Deutschen Ärztetages in Erfurt ein flammendes Plädoyer für die Lockerung des noch geltenden Fernbehandlungsverbots.

Die Ärzte müssten die Marktlücke, die sich da auftue mit ihrem medizinisch und ethisch hohen Anspruch füllen und dürften dies nicht der Industrie oder den Kassen überlassen.

Metke weiß, wovon er spricht: In Baden-Württemberg läuft seit Kurzem mit dem Modellprojekt DocDirekt die erste ausschließliche Fernbehandlung für Kassenpatienten.

"Wir sollten uns einmal mit der Realität beschäftigten", forderte er die Delegierten der KBV-Vertreterversammlung auf. Wenn 40 Millionen Bundesbürger ein oder mehrmals täglich im Internet nach Gesundheitsinfos suchten, sei der Bedarf längst da.

Die Ärzteschaft sollte auch "im Sinne des Erhalts der Praxen" hier keine Konkurrenz durch andere Marktteilnehmer aufkommen lassen.

Hofmeister: Kein Arzt-Ersatz

Metke stieß durchaus nicht auf verschlossene Türen. Die KBV-Spitze sieht ebenfalls die Notwendigkeit, in Sachen Fernbehandlungsverbot zu handeln.

Allerdings stellte KBV-Vorstand Dr. Stephan Hofmeister klar: "Die Digitalisierung kann vieles, aber sie kann nicht die direkte Arzt-Patienten-Beziehung ersetzen."

Hofmeister spricht daher auch lieber von einer "Fernkonsultation". Denn, so der KBV-Vorstand, eine echte ärztliche Behandlung sei per Telefon, Videoschalte oder Chat nicht möglich.

"Dazu braucht es immer noch alle fünf Sinne. Und ich würde jedem Patienten abraten, sich auf eine Therapie einzulassen, bei der der Behandler keine umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen konnte", sagte er.

Dennoch wäre es laut Hofmeister nützlich, die geltende Regelung, die die Fernbehandlung unbekannter Patienten untersagt, anzupassen – etwa für den Bereitschaftsdienst, wo die zumeist unbekannten Patienten per Telefon beraten werden könnten.

Das ist nicht ganz uneigennützig: Die KBV will nämlich die zentrale Bereitschaftsdienstnummer 116117 weiter unterfüttern.

Die Nummer soll, wie Hofmeister berichtete, nach dem Prinzip der 24-Stunden-Erreichbarkeit an sieben Tagen die Woche – kurz 24//7 – geschaltet und direkt mit den Terminservicestellen der KVen und den geplanten Portalpraxen an den Kliniken gekoppelt werden. An dieser Stelle dankte er ausdrücklich den KVen, die das umsetzen müssen: "Es ist beeindruckend, wie Sie alle dabei mitziehen!".

Junge Ärzte fordern Offenheit

Hofmeister ließ aber durchblicken, dass der Antrag des BÄK-Vorstandes weich genug für die Kritiker der Lockerung gefasst sein dürfte.

Der Antrag sehe eine Änderung der Musterberufsordnung vor, mit der solche technikvermittelten Gespräche in Einzelfällen und bei der Beachtung aller ärztlicher Sorgfalt und der Patientensicherheit auch bei unbekannten Patienten erlaubt werden, berichtete er. Diesen Antrag unterstütze die KBV.

Gerade der jungen Ärztegeneration liegt eine "Mitgestaltung" der Ärzteschaft hier am Herzen, wie Peter Jan Chabiera von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) deutlich machte. "Unsere Generation ist zu nahezu 100 Prozent mit diesen Geräten aufgewachsen", sagte er.

Die bvmd sei zuversichtlich, dass sich durch die Technik und Fernkonsultation der Patientenkontakt nicht verringere, sondern eher intensiviere.

Fernbehandlung - so sehen es Online-Leser der „Ärzte Zeitung“

Sollte das Fernbehandlungsverbot aufgehoben werden? Das wollte die „Ärzte Zeitung“ in einer – nicht repräsentativen – Online-Umfrage wissen.

42,7 Prozent der Leser antworteten mit „Ja“ (siehe nachfolgende Grafik). 36,2 Prozent votierten mit „Nein“.

15,7 Prozent der Teilnehmer sprachen sich dafür aus, Fernbehandlung zunächst nur im Rahmen von Modellprojekten zu erproben. Rund 5,4 Prozent der Abstimmenden zeigte sich unentschieden.

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Lesen Sie dazu auch: KBV-Vertreterversammlung: "Herr Spahn, beenden Sie die Zechprellerei der Kassen!"

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