Pflege

Für den Pflegefall fehlt meist der Schutzschirm

Das Bewusstsein für das eigene Pflegefallrisiko ist in weiten Teilen der Bevölkerung verankert. Die Nachfrage nach Pflegezusatzversicherungen ist derweil noch eher verhalten. Ganz oben auf der Wunschliste für den Pflegefall steht die finanzielle Unterstützung.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:

KÖLN. Rund 1,5 Millionen gesetzlich Versicherte haben zurzeit eine private Pflegezusatzversicherung. Zwar sieht ein Großteil der Bevölkerung Handlungsbedarf, um für die eigene Pflegebedürftigkeit vorzusorgen. Der Abschluss einer Versicherung ist dabei aber nur für gut ein Drittel das Mittel der Wahl. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Axa Krankenversicherung und des F.A.Z.-Instituts. Forsa hatte im Januar dieses Jahres 1018 deutschsprachige Bürger ab 18 Jahren telefonisch zum Thema befragt.

Danach befürchten 70 Prozent der Befragten starke finanzielle Einschränkungen aufgrund hoher Pflegekosten. Als weitere Herausforderungen sehen sie mögliche Wesensveränderungen der Pflegebedürftigen (69 Prozent), die starke Einschränkung persönlicher Bedürfnisse der Pflegenden (68 Prozent) und die Einschränkung der Berufstätigkeit der Pflegenden (65 Prozent).

Ärzte sind in Pflegesachen die wichtigsten Partner

77 Prozent nennen Ärzte als wichtigste Ansprechpartner zum Thema Pflege, insbesondere den Hausarzt. Dicht darauf folgen mit 76 Prozent Krankenkasse, private Krankenversicherer oder Pflegeversicherer. "Die Befragten haben ein sehr hohes Vertrauen in die Ärzte und die Kostenträger", sagt Studienleiter Dr. Guido Birkner vom F.A.Z.-Institut.

Für den Ernstfall vorsorgen wollen 65 Prozent durch den Aufbau eigenen Vermögens, 64 Prozent dadurch, dass sie in der Nähe von Freunden oder der Familie wohnen. Nur 38 Prozent sehen den Abschluss einer privaten Pflegezusatzpolice als geeignete Vorsorgemaßnahme. "Die Bürger wissen um den Vorsorgebedarf für das Pflegefallrisiko, doch die meisten sorgen bisher nicht gezielt über Zusatzversicherungen vor", sagt Birkner.

Axa strebt bei Zusatzpolicen Marktführerschaft an

Mit neuen Angeboten will die Axa Krankenversicherung an diesem Zustand etwas ändern. Sie will innerhalb der nächsten fünf Jahre zum Marktführer bei Pflegezusatzversicherungen werden. Zurzeit hat das Unternehmen rund 115  000 Policen im Bestand. "In den nächsten Jahren wollen wir mehr als eine halbe Million Kunden gewinnen", sagt Thomas Michels, Vorstand der Axa Kranken. Mit den neuen Policen können Kunden nicht nur die finanziellen Folgen des eigenen Pflegefallrisikos abdecken, sondern auch die Eltern oder Kinder absichern und darüber hinaus zusätzliche Dienstleistungen für den Ernstfall einkaufen.

Die Umfrage hat gezeigt, dass Kunden im Pflegefall von Versicherern mehr erwarten als finanzielle Leistungen, die allerdings mit 76 Prozent oben auf der Prioritätenliste stehen. Doch auch praktische Hilfestellung ist gefragt: etwa bei der Vermittlung von Pflegedienstleistern (73 Prozent), Haushaltshilfen (72 Prozent) oder Pflegeplätzen (67 Prozent).

Nicht gefragt wurde, wie viel Geld die Menschen bereit sind, für die zusätzliche Pflegeabsicherung zu bezahlen. Bei der Axa soll etwa eine 45-jährige Frau für die finanzielle Absicherung in allen Pflegestufen und die Akuthilfe im Pflegefall monatlich knapp 50 Euro bezahlen. Das Absicherungspaket für die gesamte Familie - Eltern, Großeltern und zwei Kinder - kostet inklusive der Soforthilfe knapp 200 Euro. "Wir erwarten eine deutlich größere Beitragsstabilität als in der privaten Krankenversicherung", sagt Vorstand Michels. Die mit der älter werdenden Gesellschaft verbundenen Kosten seien besser zu kalkulieren, als die von der medizinischen Inflation verursachten.

Die Axa will die Pflegezusatzpolicen möglichst einfach gestalten. Deshalb verzichtet sie nach Angaben von Hans-Josef Schmitz, Projektleiter Pflegevorsorge bei der Axa, auf umfangreiche Gesundheitsfragen. Lediglich zwei Fragen entscheiden in den meisten Fällen, ob der Versicherer einen Kunden annimmt oder nicht. Er muss angeben, ob eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit vorliegt oder beantragt ist und ob der Kunde in den kommenden sechs Monaten Arzneien einnehmen muss oder laufende Kontrolluntersuchungen anstehen. Für Dauermedikationen, die einer Deckung nicht entgegenstehen, gibt es eine spezielle Liste, berichtet Schmitz. Kunden, die älter als 66 Jahre sind, müssen genauere Gesundheitsfragen beantworten.

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