Kommentar – TSVG-Protest

Geduld und starke Nerven

Von Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht: 24.01.2019, 15:33 Uhr

Nein, der Ärger über das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) ist noch nicht verflogen. Beim bundesweiten Protesttag vieler niedergelassener Ärzte am Mittwoch – valide Zahlen über die Beteiligung gibt es leider nicht – richtete sich der Unmut erneut gegen Eingriffe in die Selbstverwaltung, gegen Mehrarbeit und Überwachungsaufwand des Versorgungsauftrags.

Trotz aller Signale des Bundesgesundheitsministers, über einzelne Themen im TSVG zu reden, bleibt das Misstrauen. Warum sollte sich das auch geändert haben?

Der offene Dialog zwischen Minister Spahn und den Ärzten am vergangenen Freitag war nur ein erster Schritt der Annäherung. Der zweite Schritt kann erst dann folgen, wenn die Ankündigungen tatsächlich Änderungen im Gesetzentwurf nach sich ziehen. Und dazu braucht es Geduld und starke Nerven.

Fakt ist, dass zumindest bei einem Schlüsselthema, wie dem Zugang zur Psychotherapie, ein Kompromiss in Aussicht ist. Beim Thema Zuschläge für Fachärzte gibt es die Bereitschaft, die vorgetragenen Modellrechnungen zu prüfen.

Scharfmacher braucht es in dieser Phase wirklich nicht – und schon gar keine Diskussion über Boykott-Maßnahmen oder eine kollektive Rückgabe der Zulassung.

Lesen Sie dazu auch: Protesttag: Ärzte wollen beim TSVG nicht klein beigeben

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Kommentare
Dr. Mark Schmid-Neuhaus

Sachkenntnis statt populistische Taktikspiele auf beiden Seiten sind die Lösung!

Seit März 2018 gibt es die erste überarbeitete Auflage des Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz in Deutschland stärken. Unter Punkt 4 wird ausführlich erörtert, dass der Anteil derjenigen mit einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz an der Gesamtbevölkerung in Deutschland sehr hoch ist. Mehr als die Häfte der Bevölkerung in Deutschland - genau 54,3 Prozent - sieht sich im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt. Nur 7,3 Prozent sieht keine Probleme im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen. Daraus folgt dann auch, dass Menschen mit einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz das kurative System häufiger in Anspruch nehmen. Knapp jeder Dritte mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz berichtet von häufigen Arztbesuchen. Bei den Befragten mit exzellenter Gesundheitskompetenz ist das nur bei vier Prozent der Fall.Auch für ärztliche Notdienste, den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Notaufnahme ist mit abnehmender Gesundheitskompetenz eine häufigere Nutzung festzustellen.
Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei Krankenhausaufenthalten: Während weniger als 10 Prozent der Befragten mit sehr guter Gesundheitskompetenz im letzten Jahr Krankenhausaufenthalte hatten, waren es bei den Befragten mit inadäquater Gesundheitskompetenz fast 40 Prozent.
Angesichts der Heftigkeit der Debatte um die Arzttermine muss man sich bei dieser Sachlage fragen, wie gesundheitskompetent ist eigentlich unser Gesundheitsminister Spahn? Das Thema “Gesundheitskompetenz” taucht in der gesamten Debatte bisher nicht auf, obwohl hier erhebliche Lösungsansätze für das Problem der Arzttermine zu finden sind. Es gibt zwar großartige Papiere in den Schubladen....aber vielleicht muss man auch feststellen, dass trotzdem das Thema “Gesundheitskomptenz und ihre Folgen” in Deutschland noch nicht angekommen ist....das schließt auch die Ärzte ein.


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