Zwischen Ärztin und Arzt

Gehaltsunterschiede von 2000 Euro

Zum "Equal Pay Day" fordern Ärztinnen Frauenquoten für Klinikchefetagen und für Spitzenposten in der Selbstverwaltung.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Eine Ärztin und ein Arzt: Machen oft dieselbe Arbeit, verdienen aber unterschiedlich.

Eine Ärztin und ein Arzt: Machen oft dieselbe Arbeit, verdienen aber unterschiedlich.

© YuriArcurs / shutterstock

BERLIN. Auch in der Medizin verdienen Frauen schlechter als ihre männlichen Kollegen. Darauf wiesen der Deutsche Ärztinnenbund und die Aktion "Pro Quote Medizin" anlässlich des "Equal Pay Day" am 21. März hin.

Eine Differenz von knapp 2000 Euro oder mehr als 20 Prozent stellte das Statistische Bundesamt zwischen den Arzteinkommen von Männern und Frauen in seiner Verdienststrukturerhebung mit Daten aus dem Jahr 2010 fest.

Es beziffert das Durchschnittseinkommen eines Arztes auf 7868 Euro, das einer Ärztin auf 5909 Euro.

Auch wenn diese Zahlen hinterfragt werden dürfen, steht für die Initiatorinnen der Aktion "Pro Quote Medizin" und dem Ärztinnenbund eines fest: "Je höher Frauen aufsteigen, desto größer ist die Einkommensdifferenz", sagt die Sozialwissenschaftlerin Ulrike Ley, die Ärztinnen coacht.

Karriere ein Hindernislauf

"Strukturelle aber auch subtile Diskriminierung" macht Professor Gabriele Kaczmarczyk von der Charité Berlin für die unterschiedlichen Einkommensverhältnisse und Aufstiegschancen von Frauen und Männern in der Medizin verantwortlich.

"Dort wo am meisten Geld verdient wird, sind die Ausgrenzungsmechanismen am ausgeprägtesten", sagt sie.

Dass Ärztinnen sich oft aus eigenen Erwägungen gegen eine Karriere in der Unfallchirurgie entscheiden, betrachtet die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes. Dr. Regine Rapp-Engels. als vorauseilenden Gehorsam.

Ärztinnen würden den operativen Fächern oft die sprechende Medizin und psychosoziale Kompetenzen vorziehen. "In diesen Fächern fühlen sich Frauen ganz wohl, aber dort wird nicht gut bezahlt", sagt Rapp-Engels.

Das führt sie auch darauf zurück, dass die Entscheidungsträger überwiegend Männer seien, die sehr stark nicht-sprechende Medizinbereiche präferieren würden.

Ihr Fazit: "Die Karriere ist für Ärztinnen nach wie vor mit einem gewaltigen Kraftakt und Hindernislauf verbunden."

Quotenfreundliche Einrichtungen sollen ausgezeichnet werden

Vor diesem Hintergrund fordert die Aktion "Pro Quote Medizin" nicht nur in den Chefetagen von Kliniken mehr Frauen, sondern auch in den Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung.

Die Aktion verzeichnet gut zwei Wochen nach dem Start rund 200 Unterstützerinnen auf ihrer Homepage.

Erste, positive Rückmeldungen gab es auch schon auf den offenen Brief, der an 600 leitende Mitarbeiter im Gesundheitswesen versandt wurde.

Geplant ist, zum Jahresende quotenfreundliche Einrichtungen im Gesundheitswesen auszuzeichnen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Weil ich ein Mädchen bin

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