Direkt zum Inhaltsbereich

Geriater kritisieren Arzneimittelliste

WIESBADEN (ner). Listen mit für alte Menschen ungeeigneten Arzneimitteln seien für die Praxis wenig hilfreich, kritisiert der Geriater Professor Heiner Berthold. Statt ungeeignete Medikamente zu definieren, solle man für bestimmte Mittel ungeeignete Patienten identifizieren.

Veröffentlicht:
Arzneien für ältere Patienten: Geriater halten Ausschlusslisten für wenig praxisgeeignet.

Arzneien für ältere Patienten: Geriater halten Ausschlusslisten für wenig praxisgeeignet.

© INSADCO / imago

"Wir Geriater stehen der Priscus-Liste sehr kritisch gegenüber", sagte der Experte von der Forschungsgruppe Geriatrie an der Charité Berlin. Die Priscus-Liste zählt 83 Substanzen auf, die für alte Patienten eher ungünstig sind. Diese und ähnliche Aufzählungen seien "Schwarz-Weiß-Listen", so Berthold beim Herbstsymposium der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden.

Ob solche Listen etwas bringen oder nicht, sollte in prospektiven Studien geprüft werden. Positivlisten mit für alte Patienten geeigneten Medikamenten seien besser geeignet. Das Problem der Multimorbidität und Multimedikation müsse von der Patientenseite her angegangen werden.

Der Geriater verwies auf die Berliner Altersstudie wonach das biologische Alter sehr heterogen ausfällt. Es gibt den vergleichsweise jungen, aber vorgealterten Patienten ebenso wie die fitten Alten.

"Wir Geriater empfehlen, sich verstärkt mit dem geriatrischen Assessment der Patienten zu befassen", sagte Berthold. Dazu gehörten außer medizinischen Aspekten auch die Mobilität, der Ernährungsstatus, die soziale Situation oder die kognitive Leistungsfähigkeit.

"Wenn wir uns zu sehr mit dem Arzneimittel befassen, denken wir immer nur an die chemische Funktion. Ein Arzneimittel muss erstmal an den Wirkort gelangen. Dazu sollte der Patient das Medikament zunächst aus der Blisterpackung heraus bekommen."

Kognitive Beeinträchtigungen schränken nach Bertholds Aussagen sehr häufig die Compliance stark ein. Bei mindestens jedem vierten über 90-Jährigen müsse mit Demenzerkrankungen gerechnet werden.

Des Weiteren fehle es an Leitlinien für die Arzneimitteltherapie im Alter. Hier bedürfe es verstärkter Forschungsanstrengungen, die der Komplexität der Thematik gerecht würden. Es sei Zeit, dass sich die Fachgesellschaften zusammensetzten und solche Leitlinien erstellten, so Berthold.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Zi-Statistik

Antibiotikaverordnungen: Rückgang um 11,5 Prozent

Konkurrenz für Primärpraxen?

Reformpaket beschlossen: Apotheker rücken zu Hausärzten in zweiter Reihe auf

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

FODMAP, Hypnose, Stuhltransfer

Diese Interventionen helfen beim Reizdarmsyndrom

Cochrane-Review

Prostatakrebs: Wie ist denn nun die Evidenz des PSA-Screenings?

Lesetipps
Eine Frau hält Tabletten in der Hand

© Dusan / stock.adobe.com

Differenzierung ist entscheidend

INOCA/ANOCA: Welche Therapie ist die richtige?

Nahaufnahme eines Patient, der den Gesundheitsbereich der ChatGPT-App verwendet.

© Azulblue / stock.adobe.com

Digitalisierung

KI-Chatbots bieten 24/7-Sprechstunde für Patienten

Dass Sport einen positiven Effekt bei Patienten mit Depressionen hat, ist nichts Neues. Der Casus Knacksus ist die Motivation.

© Rifqi Muflih / stock.adobe.com

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?