UN-Klimakonferenz

Gesundes Klima nach Kattowitz?

Die WHO überreicht der UN-Klimakonferenz in Kattowitz Handlungsempfehlungen für eine gesündere Welt in Zeiten des Klimawandels.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 05.12.2018, 12:43 Uhr
Gesundes Klima nach Kattowitz?

Luftverschmutzung: Sie verursacht nach WHO-Angaben weltweit jährlich rund sieben Millionen Todesfälle mit einem globalen Gesamtschaden in Höhe von 5,11 Milliarden US-Dollar.

© picture-alliance / BARBARA GINDL

KATTOWITZ. „Die wahren Kosten des Klimawandels schlagen sich in Gesundheitskosten nieder. Die gesundheitliche Belastung durch die Umweltverschmutzung ist heute so hoch, dass sich der Übergang zu sauberen und nachhaltigen Lösungen in der Energieversorgung, dem Verkehr und der Ernährung von selbst rechnet. Wenn die Gesundheit berücksichtigt wird, ist Klimaschutz mehr Chance als Kostenfaktor“ – mit einem flammenden Appell wandte sich Dr. Maria Neira, bei der WHO Direktorin für Gesundheit & Umwelt, am Mittwoch an die in Kattowitz tagende UN-Klimakonferenz.

Luftverschmutzung verursache weltweit jährlich rund sieben Millionen Todesfälle mit einem globalen Gesamtschaden in Höhe von 5,11 Milliarden US-Dollar. In den 15 Ländern, die die meisten Treibhausgase produzierten, werden die Gesundheitskosten durch Luftverschmutzung laut WHO auf über fünf Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) geschätzt. Klimaschutz im Sinne des im Rahmen der COP 21 verabschiedeten Pariser Klimaabkommens koste etwa ein Prozent des weltweiten BIP.

Eine Million Leben jährlich zu retten

Die WHO adressiert mit ihrem Bericht „Health & Climate Change“ die in Polen noch bis zum 14. Dezember tagenden Verhandlungsführer der 24. Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP 24) mit Handlungsempfehlungen. Konkret geht es darum, wie die gesundheitlichen Vorteile durch Klimaschutz maximiert und die schlimmsten gesundheitlichen Folgen des Klimawandels vermieden werden können. Wenn die Pariser Klimaziele erreicht werden, könnten laut WHO bis Mitte des Jahrhunderts jährlich eine Millionen Menschenleben gerettet werden.

WHO-Generalsekretär Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus hält das Pariser Klimaabkommen gar für „das potenzell stärkste Gesundheitsabkommen dieses Jahrhunderts“. „Die Beweislage ist klar, dass der Klimawandel bereits eine schwerwiegende Beeinträchtigung menschlichen Lebens und der Gesundheit darstellt“, ergänzt er.

Der jetzt vorgelegte Bericht wurde laut WHO auf Wunsch von Frank Bainimarama, Präsident der COP 23, die im vergangenen Jahr in Bonn getagt hatte, erstellt. Es wurden Beiträge von über 80 Gesundheitsexperten, Wissenschaftlern, Vertretern der Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen berücksichtigt.

Verschiedenste Stellschrauben

Die WHO-Handlungsempfehlungen für die COP 24 adressieren die verschiedensten Stellschrauben, um die konsentierten Planziele in puncto Klima, Gesundheit sowie Entwicklung voranzutreiben, darunter:

» Luftverschmutzung: Die Staaten sollten auf der einen Seite geeignete Maßnahmen identifizieren und vorantreiben, die sowohl die Karbon-Emissionen senken und somit die Luftverschmutzung verringern. Auf der anderen Seite sollten sie auch mit Blick auf ihre jeweils national festgelegten Beiträge im Rahmen spezifischer Verpflichtungen die Emissionen kurzlebiger Klimaschadstoffe reduzieren. Die national festgelegten Beiträge sind als Terminus technicus in der Klimarahmenkonvention (UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change) verankerte Steuerungsinstrumente.

» Zugang zur Versorgung: Die Staaten sind aufgerufen, sicherzustellen, dass sich ihre im Rahmen des UNFCCC und des Pariser Klimaabkommens getätigten Zusicherungen, der Bevölkerung einen Zugang zu gesundheitlichen Schutzmaßnahmen zu gewähren, sich auch auf der operativen Ebene vor Ort widerspiegeln.

» Gesundheitsinvestitionen: Hürden für Investitionen in die Gesundheit zur Anpassung der Versorgung an die Herausforderungen des Klimawandels sollten gesenkt werden. Im Fokus stehen klimaresiliente Gesundheitssysteme und -smarte Gesundheitseinrichtungen.

» Berichtswesen: Gefordert werden die offizielle Überwachung sowie Berichte über den Gesundheitsfortschritt, der mittels der Klimamaßnahmen erreicht wurde. Bezugsgrößen sind auch die 2015 verabschiedeten UN-Nachhaltigkeitsziele.

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