Hitzeschutzpläne

Gesundheitsminister Lauterbach bereitet das Land auf einen heißen Sommer vor

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Hitze-Risiken für die alternde Bevölkerung in Westeuropa. Eine Abrechnungsziffer für klimaresiliente Beratung ist laut Karl Lauterbach noch nicht vom Tisch.

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Wasserflaschen vor einer älteren Frau

Der Sommer verspricht heiß zu werden. Nicht für alle Mitbürger ist das eine gute Nachricht.

© Monika Skolimowska/dpa/picture alliance

Berlin. Wetterexperten erwarten für 2024 einen besonders gefährlichen Sommer mit viel Hitze und damit verbundenen Gefahren für die Gesundheit. Auf diese Warnung des Deutschen Wetterdienstes hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Freitag im Anschluss an die 2. Hitzeschutzkonferenz verwiesen.

„Der Klimawandel wird Hitzeschutz zu einem Dauerproblem machen“, sagte Lauterbach bei der Vorstellung von unverbindlichen Muster-Hitzeplänen für Krankenhäuser und Pflegeheime. Diese Pläne enthalten Vorschläge wie das Benennen verantwortlicher Personen, Patientenaufklärung, das Anpassen der Speise- und Getränkeversorgung und die angemessene Lagerung wärmeempfindlicher Medikamente. Umbauten werden eher Ziele auf mittlere und lange Sicht gesehen.

Laut einer Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts befinden sich die meisten Krankenhäuser noch in der Anfangsphase der Entwicklung von Hitzeschutzkonzepten. Die Umfrage unter 279 Einrichtungen stammt aus dem Spätjahr 2023.

Abrechnungsziffer in der Diskussion

Aufgrund seiner vergleichsweise alten Bevölkerung stehe Westeuropa im Fokus der Hitzerisiken, sagte Lauterbach. Denen müsse systematisch begegnet werden, sonst stürben in jedem Sommer tausende Menschen „unnötigerweise“. 2023 wurde die Übersterblichkeit aufgrund von Hitze auf 3200 Todesfälle berechnet, ein Jahr zuvor auf 4500 Todesfälle.

Der Minister kündigte an, dass im parlamentarischen Verfahren zum Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz auch über eine Abrechnungsziffer für klimaresiliente Beratung nicht nur für Hausärzte diskutiert werden solle.

In den vergangenen zehn Jahren habe es 45 Prozent mehr Hitzetage gegeben als in den zehn Jahren zuvor, sagte Lauterbach. Die gute Nachricht: Der Deutsche Wetterdienst sei nun in der Lage, kritische Wetterlagen mit einem Vorlauf von fünf Tagen zu identifizieren, sagte Lauterbach.

Schatten und Kühlung

Die Handlungsempfehlungen zur Erreichbarkeit vulnerabler Gruppen richten sich an Menschen, die im Freien arbeiten, Menschen im höheren Lebensalter, Kinder, Wohnungslose und stationär versorgte Pflegebedürftige. In Krankenhäusern und Pflegeheimen gehe es darum, kühle Räume in den Gebäuden zu identifizieren und „Kühlinseln“ zu schaffen, sagte Claus Bölicke, Geschäftsführender Vorstand im Verein „Qualitätsausschuss Pflege“ und Leiter der Abteilung Gesundheit, Alter und Behinderung beim AWO Bundesverband.

An der Konferenz hatten auch Vertreterinnen und Vertreter der Ärzteschaft teilgenommen. „Hitzeschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, mahnte Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt im Anschluss. Reinhardt verwies auf den von mehr als 30 Verbänden getragenen Hitzeaktionstag am 5. Juni. Politisches Ziel dieser Veranstaltung ist, Hitzeschutz in allen Lebensbereichen, aber auch in den Bundes- und Landesgesetzen zu verankern.

Gaß fordert Investitionsprogramm

Lauterbach verwies darauf, dass die Länder oft nicht in der Lage in die Krankenhäuser zu investieren. Dies sei „ein chronisches Problem“.

Krankenzimmer kühlten nicht durch Diskussionen und Absichtserklärungen ab, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Dr. Gerald Gaß der Ärzte Zeitung. „Die Krankenhäuser benötigten ein Investitionsprogramm, um flächendeckend die oft sehr alte Gebäudesubstanz auf Hitze vorzubereiten.“, sagte Gaß. (af)

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