Gesundheitstipps aus der Bibel

Die Bibel ein medizinisches Lehrbuch? - Von den über 100 Pflanzenarten, die in der Bibel genannt werden, sind tatsächlich viele auch in der aktuellen Arzneimittelforschung noch von Bedeutung.

Von Marion Lisson Veröffentlicht:
Das Geschenk der Heiligen Drei Könige birgt viele nützliche Effekte für die Gesundheit: Weihrauchharz.

Das Geschenk der Heiligen Drei Könige birgt viele nützliche Effekte für die Gesundheit: Weihrauchharz.

© Foto: imago

Die Bibel ist kein Lehrbuch für die Heilkunde im direkten Sinne. Dennoch werden hier etliche Pflanzen und Bäume mit medizinischer Wirksamkeit genannt wie Weihrauch, Myrrhe, Zistrose sowie Granatapfel-, Feigen- und Ölbaum.

"Viele dieser Pflanzen werden bis heute aus gutem Grund bei Krankheiten eingesetzt", so Professor Johann-Wilhelm Rauwald vom Institut für pharmazeutische Biologie der Universität Leipzig. "Marias Reise- apotheke - Pflanzen der Bibel im Blickwinkel aktueller Arzneimittelforschung" lautete sein Thema bei einem Vortrag im Heid'schen Haus in der Nähe von Heidelberg.

Weihrauch ist bislang am besten untersucht

Die medizinische Wirkung von Weihrauch sei unter den Pflanzen der Bibel wohl mit am besten untersucht, berichtete er. Es sei nachweislich eine der am stärksten entzündungshemmenden pflanzlichen Drogen. Aus der Bibel sei jedermann die Stelle bekannt, an der die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe mitbringen. "Man beachte, dass hier die beiden Pflanzen mit Gold gleichgesetzt werden", so Rauwald. Beide Substanzen finden sich auch als Ingredienzien vieler antiker Rezepturen.

Heute wird Weihrauch aufgrund seiner kortisonartigen Wirkung unter anderem bei Asthma und auch Morbus Crohn genutzt. Aktuell werde die Wirkung des Weihrauchharzes zudem bei der Behandlung von Patienten mit Hirntumoren und Ödemen erforscht. Myrrhe wirkt ebenfalls entzündungshemmend, wenn auch nicht ganz so stark wie Weihrauch. Myrrhetinktur werde daher allgemein gerne bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt, erinnerte Rauwald. In der Bibel wurde Jesus vor seinem Tod am Kreuz eine Mischung aus Wein und Myrrhe gereicht - möglicherweise, weil Myrrhe eine morphinartige Schmerzlinderung nachgesagt wird.

Aber noch weitere, weniger bekannte Gesundheitstipps birgt die Bibel. Im Buch Jesaja etwa wird ein Heilmittel bei Geschwüren erwähnt: "ein Pflaster von gepressten Feigen". Die Wirksamkeit ist wegen der enthaltenen Gerbstoffe nachvollziehbar. Wissenschaftlich interessant ist außerdem die in der heiligen Schrift erwähnte Zistrose. Der Pflanzenextrakt hat ein hohes Potenzial als Antiinfektivum: Es kann offenbar die Vermehrung von Grippeviren bremsen und das Harz der Pflanze, Ladanum, tötet zudem Borrelien, wie Forscher herausgefunden haben. In der griechischen Volksmedizin habe der Stoff seit jeher zur Infektionsprophylaxe gedient, so Rauwald. Am Herzzentrum in Leipzig wiederum setze man derzeit mit dem blutdrucksenkenden Effekt von Ölbaumblättern auseinander, deren Extrakt ähnlich wie ein Calciumantagonist wirke.

Intensivere Erforschung der Heilpflanzen macht Sinn

Zu den ebenfalls in der Bibel erwähnten Heilpflanzen gehören außerdem Minze (Lukas 11,42) und Safran (Hohelied 4, 13-14) sowie auch Zimt, Kalmus und Ysop. Meist wurden sie durch Aufkochen in Wasser zubereitet. Aber auch Aufschwemmungen der pulverisierten Pflanzen in Wein werden beschrieben - eine effektive Extraktionsart, wie sie heute für Phytopharmaka oft genutzt wird.

Für Rauwald sind diese Erkenntnisse alle Hinweise, sich wissenschaftlich noch intensiver mit den Pflanzen der Bibel auseinanderzusetzen. Denn aufgrund fehlender Studiendaten können viele der genannten Extrakte bislang nur als Nahrungsergänzungsmittel erworben werden.

Fakten & Zahlen

Professor Fred Rosner vom Mount Sinai Hospital in New York hat als Arzt und Rabbi ausgiebig die Bibel nach medizinischen Inhalten durchforstet. Sein Fazit: "Von den 613 Vorschriften der Bibel beziehen sich 213 auf die Gesundheit."

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